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Modestes Seitenhieb: „Die Wahrheit kommt immer ans Licht“


Die Mütze tief ins Gesicht gezogen, dazu ein Rundschal gegen die Kälte: Dick eingepackt hat Anthony Modeste am Dienstag erstmals seit 501 Tagen wieder mit den Profis des 1. FC Köln trainiert. Der 30-Jährige ist zurück am Geißbockheim – und kann sich offenbar noch sehr gut an seine letzten Monate beim Effzeh erinnern. 

Köln – Der Spruch kam aus dem Nichts, und er zeigte, was mit Anthony Modeste auch zum FC zurückgekehrt ist: ein Spieler mit Worten und Emotionen. Ob er noch der gleiche Tony sei, lautete vor seinem ersten Training eine Frage, als der Stürmer vor den Journalisten sprach. Modeste musste nicht lange überlegen, grinste und sagte: „Ich bin immer noch schwarz.“

Dann lachte er, und mancher fragte sich, ob der 30-Jährige damit auf dem 20. Mai 2017 anspielte, auf die Pressekonferenz nach der Qualifikation für die Europa League, als Modeste in der ersten Reihe mit einem riesigen Bierglas gewartet hatte, Peter Stöger sich über das Pult gelehnt und seinen Stürmer gewarnt hatte: „Ich mache Dich weiß!“ Die Bierdusche hatte es trotzdem gegeben – und Modeste sagte am Dienstag. „Ich bin noch immer der Alte.“

Kann Modeste vor Weihnachten schon spielen?

Freilich nicht nur aufgrund seiner Erscheinung, seines Trainingsleibchens mit der Rückennummer 27, die er in Zukunft wieder tragen wird. Modeste will auch beweisen, dass er sportlich noch immer der Topstürmer ist, als der er im Sommer 2017 für knapp unter 30 Millionen Euro nach China gewechselt war. Im ersten Training am Dienstag durfte Modeste schon wieder zeigen, dass er es nicht verlernt hat, traf fünfmal ins Schwarze, zwang die Torhüter zu Paraden, offenbarte aber auch noch, dass ihm zu einstiger körperlicher Wucht noch ein bisschen Kraft fehlt.

Kein Problem, schließlich besitzt der FC für den 30-Jährigen noch keine Spielgenehmigung. Damit rechnen zwar alle am Geißbockheim schon zeitnah, sodass Modeste unter Umständen von den vier ausstehenden Partien möglicherweise noch in zweien eingesetzt werden könnte. Doch der Stürmer ist fest entschlossen, vor allem langfristig den Geissböcken das zurückzugeben, was ihnen im Sommer 2017 verloren gegangen war. Nicht nur Modestes Tore, sondern der Erfolg.

Das Wechseltheater von damals, an dem Modeste nicht gänzlich unschuldig gewesen war, ist in den letzten Monaten immer wieder noch einmal hochgekocht. Nun gab es am Samstag auf großer Bühne zu Ehren des 70. Vereinsgeburtstags die Versöhnung und Heimkehr. Noch immer ist nicht gänzlich geklärt, wer den Verkauf nach China mehr wollte: der FC oder Modeste – beide natürlich des Geldes wegen. Inzwischen scheint aber klar, dass vor allem die Geissböcke selbst, insbesondere die beiden Geschäftsführer Jörg Schmadtke und Alexander Wehrle, diesen Deal vorangetrieben hatten. Schmadtke hatte nach dem 20. Mai 2017, als Modeste auf Händen über den Rasen in Müngersdorf getragen worden war und hinterher ein Interview unter Tränen gegeben hatte, noch in Frage gestellt, ob diese Tränen überhaupt echt gewesen seien. Diese Frage stellt sich nach der Rückkehr wohl niemand mehr.

Die Zweite Liga konnte ich nur machen, weil ich den FC liebe

„Ich habe immer gesagt, ich wäre am liebsten so lange wie möglich beim FC geblieben“, sagte Modeste am Dienstag und gab dem ehemaligen Sportchef einen Seitenhieb mit auf den Weg. „Die Wahrheit kommt immer irgendwann ans Licht. Für mich war es schwer, zu einem anderen Verein zu gehen. Jetzt habe ich hier einen langen Vertrag, und wenn man einen langen Vertrag hat, hat man etwas im Kopf.“ Das Karriereende zum Beispiel, wenn Modeste 2023 immerhin 35 Jahre alt sein wird, aber Medienberichten zufolge auch einen Anschlussvertrag im Klub besitzt, der ihm weitere fünf Jahre am Geißbockheim in anderer Funktion ermöglichen würde.

Wie sehr Modeste zurück nach Köln wollte, verriet der Stürmer ebenfalls und machte deutlich: „Ich hätte Europa League oder Champions League spielen können“, sagte der Franzose. „Das ist die Wahrheit, aber ich bin wieder beim FC in der Zweiten Liga und konnte das nur machen, weil ich den FC liebe. Hier zu sein, bedeutet für mich alles.“ In Modestes Worten klangen am Dienstag immer wieder Dankbarkeit und familiäre Gründe für seine Entscheidung mit. „Meine Tochter hat mir gesagt: Ich will umziehen, aber nicht meine Schule wechseln. Deswegen werden wir umziehen, aber der Papa wird wieder für Köln spielen“, verriet der Franzose, der in Köln seine zweite Heimat gefunden hat. „Deswegen ist meine Tochter glücklich. Mein Sohn ist noch zu klein, aber wenn er mich auf dem Rasen sehen wird, wird er verstehen.“ Noch ist dieser Rasen nur der am Geißbockheim. Doch das ist nach 501 Tagen der erste Schritt zur Rückkehr nach Müngersdorf.

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