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Zwischen nötiger Veränderung und Glaubwürdigkeit


Markus Anfang muss etwas ändern. Nur was? Der 1. FC Köln steht vor einem richtungsweisenden Heimspiel gegen Dynamo Dresden. Der Trainer der Geissböcke rückt dabei in den Vordergrund. Er muss die Wende schaffen, ohne dabei an Glaubwürdigkeit einzubüßen.

Köln – Noch vor dem Spiel gegen den FC Schalke 04 war Markus Anfang energisch vor die Presse getreten. Vor dem Pokal-Duell war er mit deutlichen Worten für seinen Weg eingetreten. Diesen werde man „bedingungslos“ weiterverfolgen. Das Spielsystem sei bei allen Spielern im Kopf angekommen, jeder wisse, was zu tun sei. Es liege an den Spielern, die Vorgaben umzusetzen.

Tatsächlich ging diese Spielidee gegen den FC Schalke 04 auf. Nach dem erschreckenden Auftritt nur fünf Tage später in Hamburg bleibt aber die bemerkenswerte Erkenntnis zurück: Die Spieler hatten sich gegen die Königsblauen im DFB-Pokal offenbar auf natürliche Weise selbst motiviert, hatten aus Eigenantrieb heraus zeigen wollen, dass sie auf Bundesliga-Niveau mithalten können. Doch schon beim HSV war von dieser Selbstmotivation nichts mehr übrig geblieben. Selbst vermeintliche Führungsspieler wie Kapitän Jonas Hector oder Stellvertreter Marco Höger wirkten verunsichert, mit sich selbst beschäftigt, fahrig und wenig überzeugt von dem, was sie machten.

Um das Gefühlsleben der Jungs kennen zu lernen

Was kann Anfang nun also unternehmen, um gemeinsam mit den Spielern zurück zum Erfolg zu finden? Am Dienstag bat er sein Team noch nach der Rückkehr in Köln zum Gespräch. „Die Jungs haben sich mächtig geärgert, dass das Spiel gegen Hamburg so abgerissen ist und wir die Leistung gegen Schalke nicht in Hamburg fortsetzen konnten“, verriet Anfang tags drauf. „Wir haben mit den Jungs über ihre Wahrnehmung auf dem Platz gesprochen, um das Gefühlsleben der Jungs kennen zu lernen.“

Das Ergebnis dieses Gesprächs wird man am Samstag in Müngersdorf begutachten können. Ob Anfang dann gegen Dresden an seiner Spielidee festhalten wird? Das gilt als wahrscheinlich, zumindest ließ Anfang am Mittwoch nicht erkennen, dass er umfassende Änderungen vorantreiben werde. „Im Fußball wirst du nie etwas Neues erfinden. Es geht immer um die Defensive und um die Offensive und um das Umschaltverhalten zwischen den beiden Seiten“, sagte Anfang, der darauf hinwies, dass in Hamburg vor allem „die Basissachen“ nicht gestimmt hätten. „Saubere Pässe, die Ballannahme, dass Bälle versprungen sind, wodurch die Spieler weniger Zeit hatten.“ Die mangelhafte Laufleistung sprach Anfang nicht an, deutete lediglich an, dass die Spieler viele Situationen auf dem Rasen anders wahrgenommen hätten als hinterher bei der Videoanalyse.

Diese Optionen hätte Anfang

Was ergibt sich nun aus der Analyse? Es scheint, als werde Anfang mit seiner Mannschaft bei der bisherigen Marschrichtung bleiben. Personelle Veränderungen bieten sich an. Aber auch taktische? Auch, wenn es unwahrscheinlich erscheint und nicht zu Anfangs Aussagen der letzten Wochen passen würde, gäbe der Kader zumindest diverse Variationsmöglichkeiten her. Eine andere Formation mit zwei echten Stürmern beispielsweise, mit Jhon Cordoba neben Simon Terodde. Oder eher eine marginale Änderung, wie es sie im Saisonverlauf schon gegeben hat, indem er einen der beiden offensiveren Achter als zweiten Sechser zurückzieht und aus dem 4-1-4-1 ein 4-2-3-1 macht. Eine Dreierkette in der Defensive wäre zwar theoretisch auch denkbar, um das offensichtliche Problem auf der rechten Außenverteidiger-Position zu beheben, würde aber gänzlich gegen Anfangs Idee im Spielaufbau sprechen.

Die Optionen hätte der FC-Coach dennoch. Dafür aber müsste der 44-Jährige von seinem „bedingungslosen“ Weg abweichen. Eine Entscheidung nicht ohne Risiko, schließlich würde Anfang dann riskieren an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Er wäre zu diesem Schritt also wohl nur dann bereit, sollte nach dem Gespräch mit den Spielern eine Änderung des Systems doch die fundamentale Erkenntnis gewesen sein. Danach klang es am Mittwochnachmittag aber nicht.

Halten sich die Spieler an ihren Schwur?

Bislang gibt es auch keine Anzeichen, dass die Spieler sich gegen die bisherige Spielidee ausgesprochen haben. Man darf aber gespannt sein, wie sehr sie sich an ihren eigenen Schwur erinnert haben. Denn im Sommer hatten die FC-Profis, die in der vergangenen Saison den Abstieg miterlebt hatten, vereinbart, künftig Probleme und Kritik intern direkter anzusprechen. Dass es diese Probleme gibt, ist für jeden ersichtlich. Wo Anfang und die Spieler sie vermuten, wird wohl erst am Samstag klarer werden.

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