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Eine andere Statik: Das war gut, das war schlecht


Drei Spiele, neun Punkte, 15:1 Tore: Der 1. FC Köln hat zum zweiten Mal in dieser Saison drei Partien in Folge für sich entscheiden können. Dieses Mal gelangen diese Erfolge allerdings anders als noch in der Englischen Woche im September. Das liegt auch an einer anderen Statik – nicht nur im Kölner Spiel.

Köln – Markus Anfang wirkte zufrieden nach dem 4:0 (1:0) gegen Greuther Fürth. Seine Mannschaft habe über 90 Minuten guten Fußball gezeigt, man habe nie das Gefühl gehabt, das Spiel hätte kippen können, erklärte der FC-Coach nach dem Spiel – und lag damit goldrichtig. Gegen Fürth war zu erkennen, was sich im Kölner Spiel – und damit auch beim Gegner – verändert hat.

Das war gut

Das Schlüsselwort am Samstag hieß „Statik“: Der 1. FC Köln zwang Fürth in die Knie, weil die Gastgeber den Kleeblättern ihre Stärke nahmen. Die sichere Defensive einerseits, aber auch die neue Formation andererseits machten der Spielvereinigung über 90 Minuten zu schaffen, sodass das Team von Damir Buric zu keiner Zeit über schnelle Konter gefährlich werden konnte. Die einseitige Partie in Müngersdorf war ein Beispiel dafür, was die Umstellung des FC auf ein Zwei-Stürmer-System verändert hat. Denn nicht nur die Geissböcke, sondern auch der Gegner spielen dadurch inzwischen anders.

Seit der Nominierung von Jhon Cordoba als zweite Spitze neben Simon Terodde kann es sich keine Mannschaft der Zweiten Liga mehr erlauben, gegen den FC übermäßig viel zu riskieren. Dass Darmstadt in der vergangenen Woche die erste Hälfte gegen die Geissböcke dominierte, lag allein an der eklatanten Zweikampfschwäche der Kölner. In der zweiten Halbzeit war zu sehen, was Fürth über 90 Minuten zu spüren bekam: Cordoba und Terodde im Zusammenspiel mit Dominick Drexler und Louis Schaub brachten so viel Torgefahr im Strafraum und um den Sechzehner auf den Rasen, dass gegnerische Defensivspieler offensive Vorstöße nahezu gänzlich unterließen. So fehlte den Fürthern die Unterstützung und fast jeder Angriff verlief im Sande.

Köln hat durch das 3-5-2 also nicht nur seine eigene Statik verändert, sondern auch die der Gegner. Die Geissböcke können defensiv entweder den linken oder rechten Mittelfeldspieler neben Marco Höger als zweiten Sechser einrücken lassen und so das Zentrum besser schließen. Gleichzeitig bietet das Quartett in der Offensive so viel Durchschlagskraft, die von den Außenspielern unterstützt wird, dass Fürth sich zu keinem Zeitpunkt der Partie am Samstag traute, Kontersituationen mit voller Kraft zu fahren. Immer sicherten mehr Kleeblätter ab, als dass sie ihre Offensivkräfte unterstützten.

Dass die Fürther Defensive dennoch nicht ansatzweise dem FC stand hielt, lag an der Intensität der Angriffe der Geissböcke. Insbesondere über die rechte Seite konnten Marcel Risse, Louis Schaub und auch Benno Schmitz oft unbedrängt agieren. Da zudem Drexler und Schaub immer wieder die Laufwege in die Tiefe suchte, kam Köln zu einer Vielzahl an Überzahlsituationen auf einer der beiden Flanken. Der Weg in den Strafraum war von dort aus nur noch selten weit. Und wenn doch mal ein Ball verloren ging, ließ das Abwehrtrio um den starken Jorge Meré in den 90 Minuten nur eine Torchance durch Keita-Ruel zu. Am Samstag funktionierte die neue Kölner Statik also auch deshalb, weil sie jene der Fürther zum Wackeln brachte.

Das war schlecht

Einzig die Chancenverwertung hätte am Samstag noch besser sein können – und das trotz der vier erzielten Tore. Die zahlreichen Großchancen in Hälfte eins hätten eigentlich schon ausreichen müssen, um Fürth mit einem 2:0 oder 3:0 in die Kabine zu schicken. Insbesondere Drexler und Terodde ließen mehrere gute Chancen liegen. Weil sie aber nach dem Seitenwechsel weiter an die offensive Marschroute anknüpften, blieb Fürth an diesem Tag keine Chance, Köln für die ausgelassenen Tormöglichkeiten zu bestrafen.

So geht es weiter

Am Freitagabend müssen die Kölner nach Regensburg, zu einem der Überraschungsteams der bisherigen Saison. Der SSV Jahn ist seit zehn Spielen unbesiegt, hat zuhause nur eines seiner sieben Saisonspiele verloren und kann vorweisen, den Hamburger SV mit 5:0 bezwungen zu haben. Der Effzeh ist also gewarnt, will aber beweisen, dass die drei Siege in Serie zuletzt nicht – wie im Oktober – der ungewollte Auftakt einer Durststrecke waren. Damals basierten die drei Siege auf einer defensiveren Ausrichtung, nun auf mehr Durchschlagskraft in der Offensive. Dieses Mal soll die Serie weitergehen, um anschließend mit zwei Heimspielen gegen Magdeburg und Bochum vor Weihnachten für Ausrufezeichen in Müngersdorf sorgen zu können.

Ob bis dahin Anthony Modeste spielberechtigt sein wird, scheint bei der aktuellen Form der Angreifer kaum eine Rolle zu spielen. Terodde steht inzwischen bei 19 Toren bei 14 Einsätzen. Cordoba markierte derweil vier Tore in den letzten drei Spielen und macht sich an vorderster Front immer unverzichtbarer. Eilig hat es der FC also nicht, die Spielgenehmigung für Modeste zu erwirken. Vorausgesetzt, die Adventszeit verläuft ähnlich erfolgreich wie die vergangenen Wochen seit Beginn der fünften Jahreszeit.

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