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Modeste trifft doppelt und wendet FC-Blamage ab


Der 1. FC Köln hat am 23. Spieltag eine Blamage gegen den SV Sandhausen noch vermieden und nach 0:1-Rückstand mit 3:1 (0:1) gewonnen. Rückkehrer Anthony Modeste drehte in seinem ersten Spiel vor heimischem Publikum mit einem Doppelpack in der Schlussphase die Partie und bescherte den Geissböcken so die Rückkehr auf Platz zwei in der Tabelle.

Aus Müngersdorf berichten Jonas Klee und Marc L. Merten

Nach einer turbulenten Woche beim 1. FC Köln mit Trainerdiskussion und Spitzel-Affäre wollten die Geissböcke gegen Sandhausen ein Zeichen der Wende setzen. Geholfen hatte am Freitagabend schon die Konkurrenz: Union Berlin und der 1. FC Heidenheim hatten ihre Partien lediglich Unentschieden gespielt, sodass der Effzeh mit einem Sieg wieder den zweiten Rang ins Visier nehmen konnte. Sandhausen aber kam mit Ex-Fortuna-Trainer Uwe Koschinat und mit dem Ziel, den verunsicherten Gastgeber zu überraschen.

Ausgangslage

Markus Anfang musste Lösungen präsentieren, gleichzeitig aber auf die Ausfälle von Rafael Czichos, Florian Kainz und Lasse Sobiech reagieren. Der FC-Coach zog Jonas Hector in die defensive Dreierkette zurück, brachte dafür Jannes Horn auf der linken Außenbahn sowie Vincent Koziello als Achter neben Dominick Drexler. Dazu stand Louis Schaub wieder im Kader, saß aber zunächst nur auf der Bank. Auf der anderen Seite musste Sandhausen auf seinen bislang besten Stürmer verzichten. Fabian Schleusener (neun Tore) fehlte der zweitschwächsten Offensive der Liga grippekrank.

Moment des Spiels

Es lief die 83. Minute. Markus Anfang hatte nach einem über weite Strecken leblosen Auftritt seiner Mannschaft beim Stand von 1:1 mit Louis Schaub und Anthony Modeste zwei frische Offensivkräfte gebracht. Modeste erlebte damit sein Heim-Comeback vor 49.600 Zuschauern – und sollte zum Matchwinner avancieren. Jhon Cordoba spielte Louis Schaub auf der linken Seite frei. Der Österreicher schaute hoch, flankte und fand Modeste am langen Pfosten. Der gerade erst eingewechselte Stürmer stieg hoch und köpfte zum 2:1 ein. Und weil der 30-Jährige sogar noch ein zweites Tor nachlegte, standen nach 90 Minuten und nach einer zwischenzeitlich beängstigend schwachen Leistung doch noch drei Punkte und der dringend benötigte Sieg.

Die wichtigsten Szenen

Der FC wollte unbedingt gut in die Partie starten – doch schon nach drei Minuten und 23 Sekunden kassierte der FC wie schon gegen Bochum und Berlin ein frühes Gegentor. Koziello verlor an der Seitenlinie einen Zweikampf gegen Dennis Diekmeier. Dieser flankte ins Zentrum, wo Benno Schmitz nicht gut gegen Andrew Wooten aussah und dieser zur frühen Sandhäuser Führung einköpfte. Es sollte ein Wirkungstreffer sein. Simon Terodde verpasste einen klaren Abschluss nach schöner Vorarbeit von Cordoba (9.). Danach aber herrschte die große Rat- und Mutlosigkeit im Kölner Spiel – oder in den Worten der Fans gesprochen: Ein lebloser Auftritt führte schon nach zwanzig Minuten zu Pfiffen von den Rängen. Von einer Überlegenheit des FC war nichts zu sehen, von einem klaren spielerischen Auftrag auch nichts. Bis in die fünfminütige (!) Nachspielzeit der ersten Hälfe – Sandhausen hatte früh begonnen auf Zeit zu spielen – passierte fast nichts mehr. Dann musste Horn per Fußabwehr gegen Wooten retten. Auf der anderen Seite lupfte Cordoba einen Ball über Torhüter Marcel Schuhen auf das Tornetz. So ging es mit einem Pfeifkonzert des Publikums und einem 0:1 in die Pause – von einer Reaktion der Mannschaft auf die Pleite in Paderborn war weit und breit nichts zu sehen.

Markus Anfang musste reagieren und nahm den schwachen Jannes Horn vom Feld. Er hätte aber auch einen anderen Spieler erlösen können, der FC war bis dato komplett hinter seinen Möglichkeiten geblieben. Marco Höger kam für Horn, Hector rückte auf die linke Außenbahn und Höger ins Zentrum der Dreierkette. Ein Freistoß von Johannes Geis in der 49. Minute veränderte schließlich das Spiel. Von der rechten Seite flankte der bis dato schwache Sechser an den langen Pfosten, wo Drexler den Ball zum Ausgleich über die Linie drückte. Köln nun stärker, und in der 59. Minute wäre beinahe das Tor des Jahres gefallen. Koziellos Flanke, Hector per Fallrückzieher zu Höger im Fünfmeterraum, der das Leder mit der Hacke in Richtung Tor lenkte und Schuhen zu einer Klasseparade zwang. Der FC spielte nun halbwegs so, wie man es von Beginn an erwartet hatte. Terodde scheiterte erst an Schuhen und köpfte die anschließende Ecke vorbei (64.). Eine echte Jagd auf das 2:1 schien aber nicht aufkommen zu wollen. Doch dann wechselte Anfang mit Schaub und Modeste zwei neue Offensivkräfte und den Sieg ein. Schaubs Flanke, Modestes Kopfball – der FC hatte das Spiel doch noch gedreht. Und weil in der Nachspielzeit Jesper Verlaat ein katastrophaler Bock unterlief, konnte Modeste noch einen nachlegen. Alleine vor Schuhen schob er zum 3:1 ein. Was für ein Heim-Comeback für den Franzosen!

Fazit

Zum Freuen: Ein dreckiger und wichtiger FC-Sieg.

Zum Ärgern: Die erste Halbzeit war ein Offenbarungseid.

Mann des Tages: Wer sorgte doch noch für ein Fest?

Aufstellung

T. Horn – Schmitz, Meré, Hector – Clemens, Geis, J. Horn (46. Höger) – Koziello (73. Schaub), Drexler – Cordoba, Terodde (77. Modeste)

Tore

0:1 Wooten (4.)
1:1 Drexler (49.)
2:1 Modeste (83.)
3:1 Modeste (90.+4)

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