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Verschleiß der Englischen Woche? Aber frische Kräfte bleiben draußen


Drei Spiele innerhalb von neun Tagen hatte der 1. FC Köln aufgrund des Nachholspiels beim MSV Duisburg zu bestreiten. Am Ende sprangen für Markus Anfang und seine Mannschaft fünf Punkte heraus. Dass es gegen den Tabellenletzten und den Verfolger aus Hamburg nicht zu Siegen reichte, schrieb der Trainer auch der Englischen Woche zu. Trotzdem verzichtete Anfang weitestgehend darauf, frische Kräfte zu bringen.

Köln – „Wir haben nicht mehr mutig vorwärts verteidigt. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass wir eine Englische Woche hatten“, sagte Markus Anfang nach dem 1:1-Unentschieden gegen den Hamburger SV und suchte nach einer Erklärung, warum seine Mannschaft sich im zweiten Durchgang gegen die Hanseaten so zurückgezogen hatte.

Genügend Zeit zur Regeneration

In der ersten Halbzeit hatten die Geißböcke den Verfolger aus Hamburg an die Wand gespielt, nur um den Dino in der zweiten Hälfte wieder zum Leben zu erwecken und stark zu machen. „Wir müssen kritisch damit umgehen, weil wir als Spitzenmannschaft solche Spiele nicht mehr hergeben dürfen. In einem solchen Spiel vor 50.000 Zuschauern muss jeder noch mal über den Schweinehund hinweg gehen“, äußerte sich Dominick Drexler nach der Partie als einziger Akteur selbstkritisch mit der gezeigten Leistung im zweiten Durchgang. Die Kölner überließen den Hamburgern weitestgehend Ball und Spielfeld, wirkten zunehmend kraftlos und in den Zweikämpfen unterlegen. Erneut liefen die Kölner fast acht Kilometer weniger als ihr Gegner.

Doch zwischen dem Spiel in Duisburg und dem Topspiel am Montagabend lagen immerhin fünf Tage. Eigentlich genügend Zeit für eine Profimannschaft, um zu regenerieren. Darüber hinaus hatte der Effzeh aufgrund des abgesagten Spiels in Duisburg und der anschließenden Länderspielpause gleich zwei freie Wochenenden am Stück, um die Akkus wieder aufzuladen. In den beiden weiteren Englischen Wochen, die der 1. FC Köln in dieser Saison schon bestreiten musste, gelang außerdem die volle Punkteausbeute. Nun, nach zwei hergeschenkten Siegen in der Schlussphase, die Englische Woche als möglichen Faktor verantwortlich zu machen, erscheint also eher zweifelhaft als Grund für den Leistungsabfall.

Warum rotiert Anfang keine frischen Kräfte rein?

Muss nun also der Fitnesszustand der Kölner hinterfragt werden, wenn es in dem Highlight-Spiel der Zweiten Bundesliga nicht mehr gelingt, nach einer Stunde über den von Drexler zitierten „Schweinehund“ zu gehen? Hinweise darauf hatte es im Laufe der Saison eigentlich keine gegeben. Dass die Kölner bereits sieben Mal eine eigene Führung am Ende nicht über Zeit brachten, schien in den meisten Fällen eher an fehlender Ernsthaftigkeit oder Konzentration zu liegen. In drei Spielen schenkte der Effzeh bekanntlich noch alle drei Punkte wieder her. Sinnbildlich dafür stand die 2:3-Niederlage beim SC Paderborn, als die Geißböcke bis zur 80. Minute mit 2:0 in Führung lagen und den Sieg noch aus der Hand gaben.

Sollte die Kölner Mannschaft allerdings tatsächlich kräftemäßig im Endspurt der Zweiten Liga an seine Grenzen stoßen, stellt sich die Frage, warum Markus Anfang in der Englischen Woche nicht rotierte. Zwar gönnte der Trainer Johannes Geis gegen den MSV Duisburg nach neun Spielen von Beginn an eine 75-minütige Pause. Darüber hinaus blieb Anfang jedoch weitgehend bei seiner Stammformation, obwohl dieser vor dem Duisburg-Spiel den Kräfteverschleiß unter anderem von Jhon Cordoba und Dominick Drexler noch einmal explizit angesprochen hatte. Trotzdem kamen Mittelfeldspieler wie Salih Özcan oder Vincent Koziello, aber auch Louis Schaub in den letzten Wochen überhaupt nicht oder nur in Kurzeinsätzen zum Zug. Und das, obwohl Anfang im Laufe der Saison angedeutet hatte, dass es keine Spieler „aus der zweiten Reihe“ gäbe.

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