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Ohne Perspektive: Ciftci und Führich im Sommer vor dem Absprung

Die Verträge von Hikmet Ciftci und Chris Führich bei der U21 des 1. FC Köln laufen im Sommer aus. Beide Spieler werden die Geißböcke nach GBK-Informationen zur kommenden Saison verlassen. Vor allem Ciftci hatte in den letzten Monaten immer wieder das Interesse anderer Klubs geweckt. Dem FC ist das Risiko hingegen offenbar zu groß, den verletzungsanfälligen 21-jährigen mit einem Profivertrag auszustatten.

Köln – Mit dem Aufschwung der U21 unter André Pawlak ist auch Hikmet Ciftci wieder aufgeblüht. Der Mittelfeldspieler machte in den letzten Wochen durch starke Leistungen auf der Sechs auf sich aufmerksam und führte die Nachwuchs-Geißböcke zu neun ungeschlagenen Spielen in Folge. Wenn Ciftci fit ist, gehört der türkischstämmige 21-jährige zu den absoluten Leistungsträgern im Regionalliga-Team und wohl zu den stärksten Mittelfeldspielern der Liga.

Sprung zu den Profis durch Verletzungen verpasst

Doch aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit wurde Ciftci in seiner Karriere bislang immer wieder zurückgeworfen. In der Saison 2016/17 stand Ciftci gegen den FC Bayern sowie den FC Ingolstadt unter Peter Stöger im Profi-Kader, zu einem Einsatz kam der damals 19-jährige allerdings nicht. Immer wieder wurde der Linksfuß von Verletzungen zurückgeworfen. So auch im letzten Sommer, als Ciftci eigentlich die Vorbereitung bei den Profis absolvieren sollte. Doch wieder musste Ciftci aufgrund einer Fußverletzung passen und fehlte somit auch in den ersten elf Saisonspielen der U21, die allesamt nicht gewonnen werden konnten.

Beim 1. FC Köln hält man große Stücke auf sein Eigengewächs, das beim FC alle Jugendmannschaften durchlaufen hat. Dennoch wird es im Sommer zur Trennung kommen. Auf der einen Seite sind die Bedenken, Ciftci trotz seiner enormen Verletzungsanfälligkeit einen Profivertrag zu geben, derzeit zu groß. Auf der anderen Seite ist der Mittelfeldspieler mit seinen 21 Jahren bereits zu gut, um ein weiteres Jahr in der Regionalliga zu spielen. Beim FC hätte man den türkischen U21-Nationalspieler gerne noch eine Saison in einer Führungsrolle bei den Amateuren gesehen. Doch Ciftci hat mit seinen Leistungen längst andere Vereine auf den Schirm gerufen. Dem Vernehmen nach sollen Scouts von Galatasaray Istanbul das Talent bereits beobachtet haben.

Chris Führich ebenfalls vor dem Absprung

Neben Ciftci wird auch Chris Führich den Verein im Sommer verlassen. Auch sein Vertrag läuft Ende Juni aus. Nachdem der 21-jährige in der Abstiegssaison auf zwei Bundesliga- und einen DFB-Pokaleinsatz gekommen war, stand Führich in dieser Saison noch nicht im Kader der Profis. Zwar bescheinigte Armin Veh dem Flügelspieler in der letztjährigen Sommervorbereitung in Kitzbühel grundsätzlich das Talent für die Bundesliga, für einen Zweitliga-Einsatz empfehlen konnte sich Führich im Training der Profis allerdings nicht. In der U21 stand Führich hingegen 30 Mal in der Startelf, erzielte dabei vier Tore und drei Vorlagen. Eine Perspektive in Richtung der Lizenzspielerabteilung gibt es für Führich jedoch auch in der kommenden Saison, die voraussichtlich in der Bundesliga gespielt wird, nicht. Daher wird auch der ehemalige Spieler aus der Schalker und Dortmunder Jugend sein Glück woanders versuchen.

13 Kommentare
    • Toni10 says:

      Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Profi Vertrag für einen 21 jährigen so ein großes Risiko ist, trotz seiner Verletzungsanfälligkeit.
      Man könnte dem Spieler einen 3 Jahres Vertrag anbieten und ihn direkt in die 2. Liga ausleihen.

    • Frank Bachem says:

      Das hat man davon, wenn von allen Seiten gesagt wird, dass man aufsteigen muss.
      Erfolgsdruck und Talentförderung passen nur bedingt zusammen.

      So schnell Führich letztes Jahr Bundesliga gespielt hat, so schnell war er auch unter Ruthenbeck wieder in der Regionalliga. Vielleicht sollte man nicht jeden Jugendkicker, der halbwegs geradeaus laufen kann, zum neuen Messias ausrufen.

      • Boom77 says:

        Das sehe ich auch so. Wenn ich Druck habe, setze ich nicht auf „Jugend forscht“. Das kann ich machen, wenn die Messe gelesen ist, die Jungs sich dann auch Fehler leisten können, ohne dass gleich jeder die Panik bekommt, dass man nächste Saison in der 3. Liga spielt etc.

        Wir werden ja unter Pawlak sehen, ob er bei dem Druck, den Aufstieg endlich fix zu machen, gegen Fürth 2 bis 3 Jugendspieler einsetzt. Ich würde da keine 5 Euro drauf wetten. Und ich könnte ihn auch verstehen, wenn er das nicht macht.

  1. Boris Karis says:

    Alles richtig, finde ich auch schade, gut möglich dass sie sich woanders durch setzen ,1-2 Jahre zweite Liga spielen und dann den Sprung in die Buli schaffen.
    Andererseits muss man auch abwägen ob es im Fall Ciftci wirklich sinnvoll wäre einen zweiten Öczan hoch zu ziehen der dazu noch total verletzungsanfällig ist und das mit erst 21 Jahren.
    Zudem muss man auch erst mal einen Abnehmer für beide finden bezüglich einer Leihe , vor allem ein Abnehmer bei dem die Leihe auch was bringt , nicht etwa wie bei Bissek.

  2. Boom77 says:

    Die Liste der „jungen Heilsbringer“, die es dann nachher nicht mal in der 2. holländischen Liga geschafft haben, ist lang. Man sollte tatsächlich aufhören, jeden der mal eine Halbzeit ein ansehnliches Bundesligaspiel absolviert hat, gleich als „neues Gesicht des FC“ hoch zu jubeln. Um erfolgreich Profifußballer zu sein, gehört mehr, als nur kicken und schnell laufen zu können. Da muss man die richtige Einstellung haben (Lebensweise, Ernährung etc.), man braucht die notwendige Psyche (nicht jeder ist so „kaltschnäuzig und macht vor 50.000 Zuschauern eine gute Figur) und… ja… auch der Körper muss da mit machen. Das hat schon größeren Talenten „das Genick gebrochen“… Sebastian Deisler war ohne Zweifel ein begnadeter Fußabller… Das Talent sagte „Weltkarierre im Fußball“… Der Körper sagte: „Lass uns mal lieber bei der Sparkasse oder so im Büro sitzen!“… Leider…

  3. OlliW says:

    Es ist halt immer ganz leicht, dem Verein Fehler zu unterstellen. Wie Boom77 richtig sagt, ist die Liste der ehemaligen Talente sehr lang. Sehr schnell kommt aber von einigen der Reflex: „Oh Gott, wir lassen Spieler XY ziehen! Veh raus!“ Wenn dann aber ein Özcan nur passable Spiele macht und einen Gegentreffer verursacht, ist das Geheule genau so groß: „Das ewige Talent Weg mit dem, leider bringt er nicht mal Ablöse! Ach ja und Trainer raus!“

    Richtig ist allerdings, dass man oft die Linie vermisst, solche Talente zu beobachten, zu verbessern, ihnen eine Chance zugeben und zu binden. Zu Beginn der Saison, als Handwerker und Bisseck verliehen wurden, galt das als ideal und wurde als Veh’s kongenialer Schachzug angesehen. Spieler, die vielversprechend, aber eben noch nicht „fertig“ sind, werden anderswo weiterentwickelt, bekommen Spielpraxis und kommen dann zurück. Aber auch das kann – rein statistisch- nicht bei allen klappen. Bei Handwerker bin ich allerdings zuversichtlich.

    • Boom77 says:

      Ist schon richtig. Nur ein kleiner Hinweis. Einen Spieler, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, zu verleihen, ist sicherlich möglich, aber sinnlos (wie das Leben ohne Mops). Und man muss bedenken, dass bei solchen Spielern (wie die benannten Ciftci und Führich) gerade auch der Spieler mitmachen muss, um das mit der Leihe und der weiteren Beobachtung zu ermöglichen. Wissen wir, ob man das den Spielern nicht vorgeschlagen, die das dann aber vielleicht abgelehnt haben, weil sie sich sicher sind oder zumindest erhoffen, dass sie bei einem anderen Club einen Profivertrag und definitive Einsatzzeiten bekommen und dort somit „richtig durchstarten“? Nein, das wissen wir nicht. Offensichtlich weiß das auch der GBK nicht. Denn davon steht nichts im Artikel. Ganz im Gegenteil scheint es bei Ciftci so zu sein, dass er unbedingt das „Abenteuer Galatassaray“ probieren will. Da scheint es also sinnlos, zu versuchen, ihn zum Verbleib zu überreden, dann auszuleihen (womöglich sogar an Galatassaray), um zu schauen, ob sich seine Verletzungsanfälligkeit bessert.

  4. Joe Thom says:

    Mir werden zu schnell junge Spieler hoch geredet. Die sollten über einen längeren Zeitraum konstante Leistungen bringen, wenn sie dann über Kurzeinsätze zeigen das sie Profifußball können kann man über einen Profivertrag nachdenken. Meistens werden diese Jungs aber von ihren Beratern unter Druck gesetzt weil man sie ja nicht vermarkten kann wenn sie nur bei den Profis mit trainieren. Dann gehen sie irgendwo hin wo sie vielleicht spielen können, oft hört man danach nichts mehr von ihnen. Der Fußball ist durch die Vermarktung und Geldmacherei kaputt sodass gar keine Zeit mehr bleibt das solche Spieler sich integrieren können, es gibt zwar immer Ausnahmen aber nicht jeder der etwas kicken kann ist zum Profi geeignet und ich kann mir nicht vorstellen das die Verantwortlichen beim Fc so doof sind das sie potentiellen Spielern keine Chance geben….

    • Fueuer emmer says:

      Kurzeinsätze ist doch das Stichwort: Der längste und einzige Kurzeinsatz war 6 Sekunden. Es gab Gelegenheiten genug, mal junge Spieler in den Kader zu nehmen und bei einem satten Vorsprung mal einen Kurzeinsatz zu geben. Da die Verantwortlichen den jungen Spielern keine Chance geben, hast du dir selbst die Antwort gegeben: Sie sind doof.

  5. Karl Heinz Lenz says:

    Wir FC-Fans haben so eine gewisse romantisch-naive Einstellung zu vielen Dingen des Profifußballs. Viele von uns können zum Beispiel Armin Veh nicht leiden, also soll der möglichst schnell wieder weg. Als ob die Frage, ob mir jemand sympathisch ist, ein Kriterium darstellt, ob er oder sie Sport-Geschäftsführer des FC sein sollte. Auch so bei der Trainer-Frage. Meine Frau sagte mir vor einigen Tagen zu einem der Kandidaten für die Nachfolge von Markus Anfang wörtlich: „Den kann ich aber nicht leiden!“. Oder ein anderes Beispiel: Dieter Hecking als Trainer ist für viele von uns ein rotes Tuch, denn er war ja vorher Trainer von Borussia Möchengladbach. Der kann doch nicht Trainer beim FC werden! Oder André Pawlak. Den kennt zwar kaum einer, er hat auch keinerlei Erfahrung im Profifußball, war selbst nie als Profifußballer aktiv, aber de Jung is joot und wat dä op de Pressekonferenz jesaat hät, dat hät mer jefalle. Dass wir mit Pawlak schon den dritten Mann hintereinander ohne Trainer-/Profierfahrung zum Chefcoach unserer Mannschaft, die in 20 Jahren sechmal aus der Bundesliga abgestiegen ist, machen wollen – egal, de Jung es joot und kütt ja vum FC! Und dasselbe auch mit unseren „Talenten“ und „Juwelen“ aus dem FC-Nachwuchsmannschaften. In der Wirklichkeit haben es nur ganz wenige dieser Jungs geschafft, sich im Profifußball (1. bis 3. Liga) zu etablieren. Einige von diesen wenigen beim FC, einige wenige andere in der 2. und 3. Liga, kaum einer in der 1. Liga, und dann auch nur nach langen Wanderjahren durch andere Ligen. Die weitaus meisten unserer hochgelobten „Talente“ und „Juwelen“ haben sich nirgendwo im Profifußball durchsetzen können, egal in welchem Verein und in welcher Liga. Vermutlich doch deshalb, weil sie nicht gut genug waren. Aber trotzdem: Wir Kölner sind Romantiker und glauben jedes Jahr aufs neue, dass es viel besser um unser Profiteam stehen würde, wenn denn nur die „Talente“ und die „Juwelen“ auf dem Platz ständen. Jung sein, reicht aber nicht! Auf jedem Fall nicht im Hochleistungssport. Und zum Schluss: Ich habe vor kurzem schon einmal daran erinnert, dass im Augenblick der ganze Bereich rund um die Nachwuchsleistungszentren ganz kritisch betrachtet wird: Gefördert wird ohne Ende, gefordert aber zuwenig. Zu viel Anspruchsdenken bei den jungen Leuten, befeuert durch so genannte Berater schon für Kinder. Zu starke Orientierung auf den taktischen Bereich, zu wenig Gewicht auf Athletik, Spieltechnik, Durchsetzungsvermögen und Persönlichkeitsbildung. Die Situation im Nachwuchsbereich ist nicht so rosig, wie wir glauben möchten. Die jungen Spieler, die aus dem Ausland in den deutschen Fußballsport kommen, sind den unsrigen in diesen Bereichen oft überlegen.

  6. Jörg Schieber says:

    Ein Profivertrag für ein paar Hundert Tsd. € für Ciftci soll ein zu großes Risiko sein?

    Was ist mit den Millionenabfindungen aus der Schmadtke, Stöger und Anfang-Trennung – sind die kein finanzielles Risiko?

    Was ist mit den völlig sinnbefreiten Vertragsverlängerungen für Rausch und Lehmann, als man völlig abgeschlagen auf Platz 18 stand. Sind/waren die kein finanzielles Risiko? Was macht M. Lehmann eig. so den ganzen Tag?!?

    Was ist mit den hochdotieren Langzeitverträgen für die höchst verletzungsanfälligen Spieler Höger, Risse und Clemens. Sind die kein finanzielles Risiko?

    Was ist mit den hochdotierten Langzeitverträgen für die 28jährigen Zweitligakicker Sobiech und Czichos. Die sollen erste Liga spielen? Sind die kein finanzielles Risiko?

    Was ist mit den Vorstandsgehältern für Vorstände, wo kein Mensch weiß, wofür diese Leute überhaupt ihre Gehälter bekommen? Verantwortung hat der Vorstand jedenfalls noch nie übernommen.

    Sorry, aber vor diesen ganzen Hintergründen erscheint das Wort „finanzielles Risiko“ im Zusammenhang mit Cifcti gerade zu absurd. Und genau das ist das Problem in diesem Club. Dieser Club hat null Plan. Und das liegt sicherlich nicht nur an Markus Anfang. So lange hier unsere beiden Vizepräsidenten sowie Veh/Aehlig weiter rumwursteln dürfen, sollte klar sein, wo das wesentliche Risiko in diesem Club liegt. Aber das will die Mehrheit der FC-Mitglieder leider immer noch nicht wahrhaben…

    • Karl Heinz Lenz says:

      Das ist ein sehr trauriges Bild vom FC! Ich denke, ganz so ist die Wirklichkeit nicht. Bei aller Besorgtheit, die auch ich manchmal habe, überwiegt bei mir doch die Freude an unserem Verein und unserer Mannschaft.
      Außerdem: Wenn der FC einem jungen Spieler den Sprung in den Profi-Kader nicht zutraut, dann wäre es doch irre, ihm dann trotzdem einen Vertrag zu geben. Natürlich wird der Verein dann nicht erklären: „Der Spieler bringt es nicht und muss daher gehen!“ Das würde doch kein Profi-Klub öffentlich über einen eigenen Junioren-Spieler sagen! Stattdessen findet man andere Formulierungen, damit der Spieler sein Gesicht wahren kann.
      Eine andere Geschichte ist es, dass heute manche Medien daraus einen Artikel machen, der Stimmung erzeugt und der Leser und Werbekunden an das Medium binden soll.

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