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Pfiffe gegen Horn: Symbol der hohen Erwartungen


Das letzte Heimspiel des 1. FC Köln in dieser Saison ging gründlich in die Hose. Bei der 3:5 (0:3)-Heimpleite gegen den SSV Jahn Regensburg lief insbesondere in der ersten Halbzeit nichts zusammen. Auch Timo Horn erwischte einen gebrauchten Tag. Ausgerechnet an seinem Geburtstag unterliefen dem FC-Keeper mehrere Patzer. Bei der Meisterparty gab es anschließend sogar Pfiffe gegen den 26-Jährigen. Kann der Leistungsträger in der Bundesliga zu seiner alten Stärke zurückfinden?

Köln – Das Spiel gegen Regensburg würde Timo Horn wohl gerne vergessen. Beim 0:1 nach einem Eckball sah er nicht gut. Beim 1:4 traf er mit dem Herauslaufen die falsche Entscheidung, machte den Raum hinter sich auf und ließ sich überlupfen. Vor dem 3:5 war er bei einer Ecke in der 90. Minute mit nach vorne geeilt – allerdings zu spät, um vorne ein Faktor zu sein, sodass der direkte Konter der Regensburger im leeren Kölner Tor landete. Darüber hinaus hatte Horn auch bei Abstößen und Pässen nicht seinen besten Tag.

Den Tiefpunkt des Tages erlebte Horn allerdings, als eigentlich der Höhepunkt des Heimspiels auf dem Programm stand. Bei der anschließenden Meisterparty im Stadion wurden die Spieler einzeln aufgerufen und mit Medaillen geehrt. Als Horn an der Reihe war und Stadionsprecher Michael Trippel den Namen des Torhüters aufrief, waren deutlich vernehmbar Pfiffe zu hören. Für den gebürtigen Kölner an seinem eigenen Geburtstag ein unschöner Moment. Anmerken lassen wollte er sich aber nichts.

Wir haben viel Kritik abbekommen, teilweise auch zu Recht

„Wir haben viel Kritik abbekommen, teilweise auch zu Recht“, sagte der FC-Keeper anschließend. „Dann am Ende trotzdem oben zu stehen, ist toll. Ich glaube, 17 Mannschaften würden gerne mit uns tauschen.“ Horn blickte zuversichtlich in die kommende Saison. „Wir freuen uns alle riesig auf die Bundesliga und darauf, uns wieder auf höchstem Niveau zu beweisen.“ Dann, so Horn, werde „auch wieder die ganze große Euphorie nach Köln zurückkehren“.

Er selbst hat schwierige Monate hinter sich. In der Abstiegssaison war der Torhüter nicht fit in die Vorbereitung gestartet, hatte in der Sommerpause zu wenig gearbeitet. Dieses Manko hatte ihn durch die Abstiegssaison begleitet. Von dem Torhüter, der in den Kampf um die Nationalmannschaft eingreifen wollte, war Horn plötzlich weit entfernt. Mit Andreas Menger als Torwarttrainer folgten dann ab Januar 2018 neue Trainingsreize, die zunächst fruchteten. Horn begann die Zweitliga-Saison motiviert, fit und austrainiert. Entsprechend stabil waren seine Leistungen zu Beginn der Spielzeit in Bochum, gegen Union Berlin oder auch auf St. Pauli.

Horn hatte zuvor unter dem Jubel der Fans seinen Vertrag verlängert und hatte sich für den Effzeh entschieden. Finanziell freilich ohne Einbußen, denn mit dem Aufstieg kassiert der 26-Jährige als Bonus für die Rückkehr in die Bundesliga nachträglich den Gehaltsausgleich zwischen Erst- und Zweitliga-Gehalt. Doch der Weg in Liga zwei war für Horn nicht ohne Risiko, er folgte lieber seinem Herzensklub ins Unterhaus, als anderswo in einer ersten Liga und womöglich international zu spielen. Der Schritt zurück sollte sich für beide Seiten lohnen und perspektivisch Horn vor allem in Köln halten – mit dem Effzeh zurück in der Bundesliga.

Horn als Symbol für die hohen Erwartungen an den FC

Doch die Saison in Liga zwei verlief für Horn alles andere als zufriedenstellend. Der 26-Jährige stand beispielhaft für die hohen Erwartungen an die Geissböcke. Der Torhüter sollte den FC quasi im Alleingang zurück in die Bundesliga führen. Das Resultat: neun Niederlagen, 46 Gegentore und viele Fehler der kölschen Nummer eins – nicht nur zuletzt gegen Regensburg oder Darmstadt. Selbst an guten Tagen, als er wie zuletzt in Duisburg oder in Dresden diverse Eins-gegen-eins-Situationen bei Kontern der Gegner für sich entschied, unterliefen ihm letztlich doch noch Fehler, die zu Gegentoren führten. Und so blieben häufig die negativen Momente in Erinnerung, während starke Paraden eher als jene erwartbare Leistung bewertet wurden, die auch vom gesamten FC erwartet wurden.

Ist Horn in seiner Entwicklung stehen geblieben? Fehlt dem 26-Jährigen der Druck durch einen echten Konkurrenten aus der zweiten und dritten Reihe der weiteren Torhüter, während seine Position beim FC aktuell nie in Frage gestellt werden würde? Wird der Schuss Extramotivation durch die Rückkehr in die Bundesliga auch den Schuss Extraform bei Horn rauskitzeln, um ab der nächsten Saison wieder in Topform zu sein? Auch Horns Leistungen der letzten Monate werden in der abschließenden Betrachtung der ablaufenden Saison kritisch hinterfragt werden. Dass die Pfiffe zur Meisterfeier ihm jedoch nahe gegangen sind, kann man dem Torhüter dieser Tage am Geißbockheim im Gesicht ablesen.

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