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Kainz als Symbol des Kölner Wohlfühl-Systems


Nicht viele Experten dürften Florian Kainz als eine der Überraschungen der Vorbereitung beim 1. FC Köln auf der Liste gehabt haben. Doch der Österreicher blüht nach längerer Anlaufzeit bei den Geissböcken auf. Seine beiden Tore beim 3:1-Sieg des Effzeh gegen den FC Bologna waren Beleg für seine starke Form und für das positive Gefühl, das viele FC-Profis im neuen 4-4-2-System empfinden.

Aus Kitzbühel berichtet Marc L. Merten

Ja, Florian Kainz stand in den vergangenen 16 Rückrunden-Spielen 2019 in der Startformation des 1. FC Köln. Doch wirklich überzeugen konnte der Linksaußen lange nicht. Unter Markus Anfang beackerte der 26-Jährige die linke Seite in der 3-5-2-Grundordnung alleine. Das bekam dem Österreicher nicht. Erst in den letzten drei Spielen unter André Pawlak und Manfred Schmid, als der FC in einem 4-1-4-1 auflief, wusste Kainz zu gefallen. Drei Vorlagen gelangen ihm in den letzten drei Saisonspielen. Man hatte fast das Gefühl, einen anderen Kainz auf dem Platz zu sehen als vorher.

Nun, zwei Monate später, gehört Kainz zu den bisherigen Gewinnern der Vorbereitung. Zwar bekommt der Nationalspieler von Youngster Darko Churlinov ordentlich Druck. Doch der Rechtsfuß scheint endlich angekommen beim FC und deutet an, warum Sportchef Armin Veh im Winter bereit gewesen war, trotz enger finanzieller Ressourcen drei Millionen Euro für den Ex-Bremer hinzublättern. Nicht nur seine beiden Tore am Freitagabend gegen den FC Bologna, sondern sein gesamtes Auftreten beim FC verraten, dass sich in Kainz ein Wandel vollzogen hat.

Das Flügelspiel als neue Kölner Stärke

„Florian ist super drauf“, bescheinigte ihm auch Trainer Achim Beierlorzer nach dem 3:1-Sieg über den Serie-A-Klub. Kainz hatte zu den Besten gehört, hatte zwei Flanken von Kingsley Schindler (11.) und Kingsley Ehizibue (22.) eiskalt verwertet und damit eine der größten Stärken der Kölner Offensive in der bisherigen Vorbereitung eindrucksvoll untermauert: das Flügelspiel. Gegen die Italiener spielten die pfeilschnellen Kingsleys über rechts und bereiteten Bologna ungeheure Probleme. Über links kam Kainz und wusste, dass Kapitän Jonas Hector ihn nicht nur absicherte, sondern auch bei seinen Flankenläufen unterstützte, sodass Kainz immer wieder in die Mitte ziehen und den Abschluss oder den Schnittstellenpass suchen konnte.

„Es funktioniert schon sehr viel“, lobte Beierlorzer das Offensivspiel seiner Mannschaft. Zwar fand er auch, dass noch besser der Wechsel zwischen hohem Pressing und kompakter Defensive klappen könnte. Doch die vielen Balleroberungen, die insbesondere über die Flügel herausgespielten Chancen und das läuferische Engagement trotz der hohen Trainingsbelastung waren zum jetzigen Zeitpunkt der Vorbereitung aller Ehren wert. Der körperliche Zustand der Geissböcke scheint zu stimmen. Das spielerische Element ist offensichtlich. Die Durchschlagskraft könnte noch besser sein, doch dafür hat Beierlorzer in den kommenden Wochen noch genügend Zeit.

Dieses System passt zur Mannschaft

Der FC-Trainer scheint zu spüren, dass sich die Arbeit der ersten Wochen bereits bezahlt macht. Der Sieg gegen Bologna war nach den guten Tests gegen Osnabrück und Bremen die nächste Bestätigung, dass sich der FC auf dem richtigen Weg zu befinden scheint. Nicht nur die Stimmung, von der man allenthalben spricht rund um die Mannschaft. Auch das Gefühl der Spieler auf dem Platz in der neu vorgegebenen Grundordnung, dem 4-4-2. Schon unter Peter Stöger hatte sich die Mannschaft in dieser Formation am wohlsten gefühlt. Dies scheint nun auch wieder unter Beierlorzer der Fall zu sein.

Das sah auch Sportchef Armin Veh nach dem 3:1 in Kufstein so. „Wir haben gerade offensiv sehr viele Varianten und haben auf allen Positionen mehrere Optionen“, sagte der 58-Jährige. „Das macht uns flexibel. Dieses System passt zur Mannschaft.“ Spieler wie Florian Kainz über links, aber auch – im Konkurrenzkampf mit Schindler – Marcel Risse über rechts zeigen, dass es ihnen eher behagt, ihre Seite offensiv anzugehen in dem Wissen, dass hinter ihnen noch ein Außenverteidiger absichert und im Spiel nach vorne eine zusätzliche Option darstellen kann. Das Aufblühen der Kölner Flügelzangen mit Hector, Kainz und Churlinov über links sowie Ehizibue, Schmitz, Schindler, Risse und Schaub über rechts gehört zu den auffälligsten Entwicklungen der letzten Wochen.

Die Mannschaft hat Qualität

„Wir sehen in jedem Element unseres Spiels, was wir vorhaben. Das ist schön anzuschauen“, lobte Veh, dem das Spiel gegen Bologna ausgesprochen gut gefallen hatte. „Wir hatten ein gutes Tempo, nicht nur gegen den Ball, sondern auch mit dem Ball. Die Lauffreude, die Ideen, die die Spieler hatten – das hat mir gut gefallen. Die Mannschaft hat Qualität.“ Und auch der Formanstieg eines Florian Kainz als Symbol des Wandels, den das Team durchmacht, ist Veh nicht entgangen. „Er kommt wieder dazu, offensiv Akzente zu setzen und den Abschluss zu suchen. Dafür haben wir ihn geholt. Im 3-5-2 musste er auch die linke Abwehrseite schließen. Jetzt kann er entscheidende Dinge nach vorne machen. Im 4-4-2 ist das seine Position.“

Zwei Testspiele haben die Kölner noch vor der Brust, bevor es ernst wird. Gegen den FC Villarreal, der den FC Augsburg am Freitag mit 6:2 (!) besiegte, steht am Sonntag die nächste Hürde an. Eine Woche später geht es zum FC Southampton, eine für die Fans aufregende Auswärtstour auf die Insel. Für die FC-Profis werden diese beiden Spiele aber noch einmal zum Gradmesser für die eigene Form. Sicher scheint, was sich bereits unter Pawlak und Schmid in den letzten Spielen der Vorsaison angedeutet hatte: Mit einer Viererkette in der Defensive und zwei echten Flügelspielern hinter zwei Stürmern fühlt sich die Mannschaft wohl. Ein Gefühl, von dem diverse Spieler zu profitieren scheinen. Nicht nur Florian Kainz.

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