,

Zittersieg in Wiesbaden: Horn wird zum Elfmeter-Killer


Dem 1. FC Köln ist der Auftakt in die Spielzeit 2019/2020 geglückt. In der ersten Runde des DFB-Pokals besiegten die Geißböcke den Zweitligisten SV Wehen Wiesbaden im Elfmeterschießen mit 6:5 (2:0/2:2/3:3). Nach einer zwei-Tore-Führung zur Pause schlugen die Hessen im zweiten Durchgang zurück. In der Verlängerung brachte Louis Schaub den FC erneut in Führung, doch Wiesbaden konnte ein weiteres Mal ausgleichen. 

Aus Wiesbaden berichtet Marc L. Merten 

Nach sechswöchiger Vorbereitung ging es für den 1. FC Köln am Sonntag zwar noch nicht wieder Punkte, dafür aber um das Weiterkommen im DFB-Pokal. In der ersten Runde mussten die Geißböcke zum Zweitligaaufsteiger SV Wehen Wiesbaden reisen. Die Gastgeber hatten zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Pflichtspiele absolviert, mussten sich in beiden Partien allerdings knapp geschlagen geben. Die Vorfreude auf die neue Spielzeit war im Vorfeld auch bei den Anhängern spürbar: Knapp 2000 Fans machten sich am Sonntagabend auf den Weg nach Hessen und sorgten für eine stimmungsvolle Atmosphäre.

Ausgangslage

Während die Plätze in der Abwehrreihe beim 1. FC Köln zur Zeit sicher vergeben scheinen, war bis eine Stunde vor Spielbeginn unklar, wen Achim Beierlorzer im Mittelfeld und im Sturm von Beginn an aufs Feld schicken würde. Mit Kingsley Ehizibue, Birger Verstraete und Kingsley Schindler standen drei der fünf Neuzugänge in der Startelf. Sebastiaan Bornauw war zwar im 20 Mann großen Kader, für einen Startelfeinsatz reichte es nach wenigen Trainingseinheiten aber noch nicht. Stattdessen lief Rafael Czichos neben Jorge Meré auf und Jonas Hector kam wenig überraschend auf der Linksverteidigerposition zum Einsatz. Im defensiven Mittelfeld sorgte Beierlorzer schließlich für die erste Überraschung: Statt Marco Höger lief Dominick Drexler neben Verstraete auf der Sechs auf. Auf der rechten Außenbahn erhielt Schindler den Vorzug vor Louis Schaub und auf der linken Seite durfte Florian Kainz starten. Im Sturm setzen sich Anthony Modeste und Jhon Cordoba gegen Simon Terodde durch.

Moment des Spiels

Es lief bereits die 107. Spielminute zwischen Wiesbaden und dem FC, als der kurz zuvor eingewechselte Louis Schaub für die Erlösung im Kölner Fanblock und auf dem Platz sorgte. Einen Eckball klärten die Wiesbadener direkt vor die Füße des Österreichers, der aus 16 Metern nicht lange fackelte und die Kugel mit einem Volleyschuss in die Maschen zum 3:2 hämmerte.

Die wichtigsten Szenen

Nach nur drei Minuten musste der 1. FC Köln am Sonntag die erste Schrecksekunde verarbeiten. Nach einem Ballverlust in der Vorwärtsbewegung konterte der SV Wehen Wiesbaden. Viel zu einfach ging es an der Kölner Innenverteidigung vorbei in den Strafraum, wo Shipnoski frei auf Timo Horn zulief und den Keeper überwinden konnte. In letzter Sekunde konnte Ehizibue per Hacke zur Ecke klären. Keine 20 Minuten später fast die gleiche Situation: Diesmal tauchte Dittgen vor Horn auf und überlupfte den Kölner Keeper. Doch wieder konnte Ehizibue vor der Linie retten. Der FC fand sich in der ersten halben Stunde überhaupt nicht zurecht beim Zweitligisten und fand in der Offensive so gut wie überhaupt nicht statt. Erst ab der 30. Minute wurden die Geißböcke stärker und suchten vermehrt den Pass in die Schnittstellen. Die erste Riesenchance für den Bundesligisten hatte Anthony Modeste. Der Franzose verpasste eine flache Hereingabe von Jhon Cordoba nur um Zentimeter. Binnen drei Minuten konnten sich die Kölner dann aber von den größten Sorgen zunächst entledigen: Erst fand Florian Kainz mit einer perfekten Flanke Jhon Cordoba, der mit einem wuchtigen Kopfball die Führung erzielte. Drei Minuten später war Kainz selbst der Torschütze, als er artistisch einen Ball von Schindler per Seitfallzieher zum 2:0 vollendete.

Nach dem Seitenwechsel begannen die Kölner ähnlich schläfrig wie zu Beginn des Spiels. Wiesbaden kam besser aus der Kabine und wurde folgerichtig in der 53. Minute mit dem Anschlusstreffer belohnt. Einen eigentlich harmlosen Schuss von Dittgen ließ Horn vor die Füße von Lorch prallen, der keine Mühe hatte, aus kurzer Distanz auf 1:2 zu verkürzen. Zuvor hatte Czichos einen langen Ball genau die Füße des Gegners geköpft. Drei Minuten später kam es noch dicker für die Kölner: In einem Radius von fünf Metern war kein Spieler beim Torschützen Lorch, der aus 25 Metern trocken abzog und mit seinem Flachschuss erst den Innenpfosten traf, von wo aus der Ball ins Tor zum 2:2-Ausgleich sprang. Dem FC fiel im zweiten Durchgang zunächst überhaupt nichts ein. Selbst einen Fehlpass des Torhüters in die Füße von Schindler konnten die Gäste nicht zu einer hochkarätigen Chance nutzen. Erst ein Distanzschuss von Ehizibue sorgte in der 70. Minute erstmals wieder für Gefahr vor dem Kasten der Wiesbadener. Mit der Zeit arbeitete sich der FC zurück in die Partie und schaffte es mit zunehmender Spieldauer, wieder vermehrt Druck auf den Gegner auszuüben. In der 75. Minute hätte Kainz beinahe seine dritte Torbeteiligung feiern können, als seine Flanke in der Mitte Terodde fand, der eingewechselte Stürmer den Ball aus kurzer Distanz aber nicht an Keeper Watkowiak vorbei brachte. In der 80. Minute verpasste Hector das Tor aus 16 Metern knapp. Auch einen Konter über Kainz, Terodde und Modeste konnte der FC nicht abschließen. In 90 regulären Spielminuten schaffte es keine Mannschaft mehr, den Siegtreffer zu erzielen. So ging es am Sonntagabend in Wiesbaden in die Verlängerung.

Dort hatte Terodde nach drei Minuten die erste Gelegenheit, den FC erneut in Führung zu bringen. Zunächst scheiterte der Stürmer aber aus kurzer Distanz an Watkowiak, im Nachschuss dann am Pfosten. Einen Fehlpass von Höger bestrafte Ajani beinahe mit dem 3:2, doch der Wiesbadener setzte seinen Torabschluss knapp neben das Tor. In der zweiten Hälfte der Verlängerung sorgte der eingewechselte Louis Schaub für die Erlösung: Nach einem Eckball kam der Abpraller zum Österreicher, der aus 16 Metern den Aufsetzer volley nahm und eiskalt im Tor versenkte. Doch für einen Sieg in der regulären Spielzeit reichte es für den FC dennoch nicht. In der 118. Minute verschätzte sich Horn beim Rauslaufen und Kyereh versenkte den Ball per Lupfer zum 3:3. Damit mussten beide Mannschaften ins Elfmeterschießen. Und da hatten die Kölner das Quäntchen Glück mehr auf ihrer Seite: Während beim FC nur Modeste und Hector verschossen, hielt Horn gleich drei Elfmeter von Gül, Guthörl und Kyereh. Den entscheidenen Elfmeter für die Kölner verwandelte Birger Verstraete.

Fazit

Zum Freuen: Der FC ist eine Runde weiter.

Zum Ärgern: Die Kölner hätten es sich nach einer zwei-Tore-Führung leichter machen können.

Stimmung: Die rund 2000 mitgereisten FC-Fans sorgten für eine tolle Stimmung zum Pflichtspielauftakt.

Held des Tages: Timo Horn machte seine Fehler im Elfmeterschießen wieder gut und hielt den FC im Wettbewerb.

Aufstellung

Horn – Ehizibue (110. Bader), Mere, Czichos, Hector – Drexler (64. Höger), Verstraete – Schindler (101. Schaub), Kainz – Cordoba (60. Terodde), Modeste

Tore

0:1 Cordoba (39.)

0:2 Kainz (42.)

1:2 Lorch (53.)

2:2 Lorch (56.)

2:3 Schaub (107.)

3:3 Kyereh (118.)

Verwandelte Elfmeter: Terodde, Kainz, Verstraete

Verschossen: Modeste, Hector

0 Kommentare

Dein Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar