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Ein zweites Augsburg drohte, doch Beierlorzer bringt den Sieg


Das 2:1 beim SC Freiburg war ein wichtiger Sieg für den 1. FC Köln, keine Frage. Die Geissböcke sind in der Bundesliga angekommen, haben bewiesen, dass sie Nackenschläge hinnehmen und selbst unter schwierigen Bedingungen Spiele gewinnen können. So haben sie auch die Erinnerungen von 2017/18 überwunden. Das lag auch an Achim Beierlorzer, der in Freiburg viele richtige Entscheidungen traf.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Als das 0:1 durch das Eigentor von Rafael Czichos fiel, fühlte es sich ein klein wenig an wie 2017 zu gleicher Zeit. Egal, was passierte, es passierte nicht im Vorteil für den 1. FC Köln. Kingsley Ehizibue, einer der Hoffnungsträger, war sichtlich angeschlagen. Der FC traf zum 1:0 und wurde – wenn auch korrekterweise – aus seinem Jubel jäh herausgerissen. Nur eine Minute später traf Czichos ins eigene Tor. Eine solche Abfolge an Ereignissen kann durchaus einen Absturz und einen späteren Abstieg einleiten.

Zur Erinnerung: Vor zwei Jahren, auch am dritten Spieltag, gab es ebenfalls eine Szene, die den Verlauf der Saison komplett hätte verändern können. Der FC spielte beim FC Augsburg, lag mit 0:1 zurück. Dann eroberte Neuzugang Jhon Cordoba, bis dato unglücklich, aber bemüht, den Ball und lief zusammen mit Yuya Osako ohne Gegenspieler auf Marwin Hitz zu. Jetzt würde der Ausgleich folgen, dachten alle. Doch Cordobas Querpass zu Osako, um Hitz aus dem Spiel zu nehmen, misslang völlig und trudelte ins Toraus. Das Unglaubliche kam aber erst noch: Mit dem dann folgenden Abschlag leitete Hitz einen Augsburger Angriff ein, der zu einem Elfmeter für Augsburg führte. Es stand 0:2 statt 1:1. Der FC brach zusammen, Cordoba hatte seinen ersten Tiefpunkt, aus dem er in der Saison nicht mehr herauskommen sollte, statt eines Erfolgserlebnisses ging ab diesem Moment für den FC nichts mehr.

Beierlorzers richtige Entscheidungen

Am Samstag in Freiburg war das anders. Ehizibue, VAR-Einsatz, Eigentor – doch der FC brach nicht ein. Im Gegenteil. Achim Beierlorzer fand die richtigen Worte und Mittel. Er baute seine Mannschaft in der Halbzeitpause wieder auf, stellte aber auch taktisch um. Er ließ den Freiburger Spielaufbau mit drei und nicht mehr mit zwei Mann attackieren. Die Folge: Der Sport-Club konnte Christian Günter nicht mehr so häufig in Szene setzen, musste vermehrt den Weg auch die Mitte antreten, wo zwar gefährliche Abschlüsse aus der zweiten Reihe möglich waren, im FC-Strafraum aber fast nichts mehr anbrannte. Dazu hatte Sebastiaan Bornauw als Ehizibue-Ersatz in Hälfte zwei fast alles auf der rechten Seite im Griff, sodass der Ausfall des Niederländers nicht zu sehr ins Gewicht viel. Beierlorzer hätte auch Benno Schmitz oder Matthias Bader bringen können, vertraute aber auf die Flexibilität des Neuzugangs und lag damit richtig.

Vor allem aber gab er im Laufe der zweiten Halbzeit, auch angespornt durch den frühen Ausgleich durch Anthony Modeste, der Mannschaft das Signal: Ein Sieg ist drin. „Wenn man gewinnen kann, warum soll man sich dann mit einem Unentschieden zufrieden geben?“, fragte der FC-Coach nach der Partie. So brachte der 51-Jährige mit Simon Terodde und Florian Kainz zwei neue Offensivkräfte und machte damit klar: Mauern, wie in der Schlussphase gegen Dortmund, würde es diesmal nicht geben. Das Ende vom Lied ist bekannt. Ellyes Skhiri erfüllte den Wunsch aller FC-Fans und den seines Trainers.

Spielverlauf perfekt für das Selbstvertrauen

Die Szene von Skhiri in der 92. Minute könnte für diese Saison des FC noch ähnlich symbolhaft werden wie jene von Cordoba im Spiel gegen Augsburg vor zwei Jahren. Denn mit diesem Sieg hat der 1. FC Köln nicht einfach nur die ersten drei Punkte eingefahren. Der Erfolg bedeutet eine Bestätigung für den Weg, den die Geissböcke bislang unter Beierlorzer gegangen sind. Er gibt Selbstvertrauen, aber auch den Glauben daran, dass der FC mit dieser Mannschaft und diesem Trainerteam in der Bundesliga mithalten, mit Rückschlägen umgehen und auch in letzter Minute für den eigenen Mut noch belohnt werden kann. Zu diesem Zeitpunkt, vor der Länderspielpause, vor Gladbach, Bayern, Hertha und Schalke, hätte es möglicherweise sogar keinen besseren Spielverlauf geben können.

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