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Wolf und Schumacher: Nur eine Frage der Kommunikation?

Nun steht sie also bevor: die Mitgliederversammlung des 1. FC Köln. Monatelang warf sie ihren Schatten voraus, hüllte den FC in politische Spielchen, Machtdemonstrationen, mediale Manöver und angestrengt diplomatische Friedensbekundungen. Am Sonntag soll dies ein Ende nehmen. Doch dafür müssen erst einmal Toni Schumacher und Werner Wolf einen Weg zueinander finden. 

Köln – Der Kabarettist Konrad Beikircher beschrieb vor vielen Jahren in einem seiner Bühnenprogramme die Dialogfähigkeit zweier Rheinländer mit den Worten, man könne in solchen Momenten „zwei aneinander vorbei monologisierende Menschen“ beobachten. Wer dieser Tage beim 1. FC Köln davon Zeuge werden will, muss nur im Kölner Boulevard die Diskussion um eine zukünftige Rolle von Toni Schumacher beim FC verfolgen.

Schumacher selbst, das ist bekannt, tritt am Sonntag nicht ganz freiwillig ab. Weil Markus Ritterbach und der 65-Jährige keinen geeigneten Partner für ein Vorstandsteam fanden, mussten sich sich dazu entschließen, am 8. September nicht mehr zur Wahl anzutreten. Doch hinter den Kulissen wurde immer wieder diskutiert, ob Schumacher, der Rekordspieler des FC in der Bundesliga (422 Einsätze), als Markenbotschafter weiter für den Effzeh arbeiten sollte. Nachdem der FC nach der Präsidentschaft von Wolfgang Overath über Jahre hinweg den Kontakt zum einstigen Weltklasse-Mittelfeldspieler verloren hatte, soll dies, so war lange zu hören, mit Schumacher trotz aller Konflikte der letzten Monate nicht auch noch passieren. Doch nun erklärte Schumacher am Samstag der Bild: „Das liegt nicht an mir. Nach wie vor gibt es keinen Vorschlag vom designierten Vorstand. Bei mir hat sich seit drei Monaten keiner gemeldet.“

Seitdem haben wir nichts mehr von ihm gehört

Schumacher sieht den Ball also in der Hälfte des künftigen Vorstands, so denn Werner Wolf, Jürgen Sieger und Eckhard Sauren am kommenden Sonntag über 50 Prozent der Stimmen erhalten. Da aktuell alles darauf hindeutet, hätte es also durchaus schon ein Gespräch zwischen Schumacher und Wolf geben können. Doch Wolf sieht es gänzlich anders als der scheidende Vizepräsident. Das teilte er nun dem Express mit: „Ich habe mit Toni und seiner Frau gesprochen. Er wollte sich überlegen, wie eine künftige Zusammenarbeit für ihn aussehen könnte und sich nach seinem Urlaub melden. Seitdem haben wir nichts mehr von ihm gehört.“

Auch wenige Tage vor der Mitgliederversammlung geht also das bekannte Spiel weiter. Statt hinter den Kulissen aufeinander zuzugehen, geht man medial aufeinander los. Dieses Spiel kennt bekanntlich nur selten einen Sieger. Der designierte Vorstand und seine Unterstützer lassen erkennen, dass sie Schumachers noch immer vorhandene Unterstützung bei vielen der rund 110.000 FC-Mitglieder unterschätzen. Schumacher lässt derweil nicht erkennen, dass er es mit seinen angekündigten Worten vom 24. Mai 2019 ernst meint, nach seinem Rückzug nicht noch mehr Unruhe in den Verein bringen zu wollen.

Häßler und Podolski statt Schumacher?

Derweil wird immer deutlicher, dass der künftige Vorstand längst andere Kandidaten für die Rolle der Markenbotschafter im Blick hat: Thomas Häßler, der Weltmeister von 1990 mit 149 FC-Pflichtspielen und fünf Jahren als Co-Trainer im Nachwuchs und bei den Profis, könnte schon an der Mitgliederversammlung als künftiger FC-Außenminister präsentiert werden. Auch Lukas Podolski, dem Weltmeister von 2014 mit 181 FC-Pflichtspielen, wurden von Wolf, Sieger und Sauren bereits alle Türen geöffnet. Die beiden einstigen FC-Kicker stünden für die Einbindung nachfolgender Generationen an FC-Spielern. Bekanntlich finden sich seit den 1990er Jahren nicht mehr allzu viele FC-Spieler mit derartigen Lorbeeren im Trikot mit dem Geißbock auf der Brust, um mit ihrer Bekanntheit und Strahlkraft zu fungieren wie die Helden aus den 1970er Jahren wie Overath oder Schumacher. Vieles deutet also darauf hin, dass eher Häßler und Podolski als Schumacher eine Rolle unter dem neuen Vorstand einnehmen sollen. Einzig Wolf und Schumacher müssten erst einmal miteinander reden, um dies auch persönlich miteinander zu besprechen.

15 Kommentare
  1. Karl Heinz Lenz says:

    Ich habe einen Wunsch, der leider nicht in Erfüllung gehen wird:

    Die kommende Mitgliederversammlung beschließt, keinen Vorstand zu wählen, weder den alten noch einmal, noch den von MR und dem MR ausgeknobelten neuen.

    Stattdessen machen Veh, Wehrle und Beierlorzer mit ihrer guten Arbeit weiter und wir Fans freuen uns am Fußball.

    Vorstand und Mitgliederrat? Nicht mal ignorieren!

    Die Herren mögen sich bitte einen anderen Verein aussuchen!

    • Gerd Mrosk says:

      Ne neue Findungskomission gibts jedenfalls noch weniger als nen neuen Vorstand.Ich bin bei Karl Heinz.Der Vorstand ,oder der ,der es denn werden soll,wird viel zu viel glorifiziert.Bisher wurde rundum (auch vom alten Vorstand) nur viel Staub aufgewirbelt.all das braucht kein Fan ,kein Verein.Schade ,das vllt zuwenig dafür getan wurde eine Gegenkandidatur ins Leben zu rufen,von wem auch immer.Diese 2500-3000 Stimmen kriegen sie Sonntag locker,da sollte man sich keine falschen Hoffnungen machen.Die einzige Chance wäre ,das vllt wegen Sonntag viel mehr Mitglieder den Weg auf sich nehmen und wählen(gegenstimmen) Bin gespannt,hoffe nur die Leute werden sich nach evtl Wahl nie wieder so wichtig nehmen,wie vor der Wahl

  2. NICK says:

    Absolut kindisches Verhalten von beiden Seiten „Der andere wollte sich melden“…das zeigt, dass Schumacher absolut ungeeignet ist, nach all seinen bewiesenen „Fähigkeiten“ in Sachen Aussendarstellung, jetzt noch sowas…

    Die neue Dreier-Combo tritt allerdings auch merkwürdig an manchen Stellen auf – Positionierung Thema Ultras & DfB, Öffentliche Anspielungen Vehs Gehalt zu kürzen…usw. Eine Nichtwahl am Sonntag bedeutet aber zusätzliches Chaos für unseren Verein, dass wir jetzt gar nicht gebrauchen können. Daher hoffe ich, dass die Drei gewählt werden, der Wahlkampfmodus abschalten und anfangen zu Arbeiten, denn das Einstellen der Arbeit unserer beiden verbliebenen beleidigten Vizes schadet unserem Verein schon seit Wochen und daher sollten diese Beiden in naher Zukunft nicht mal Greenkeeper auf den neue Plätzen am Geissbockheim werden…

  3. Boom77 says:

    Ich denke auch, an einer Wahl des „neuen Vorstandes“ führt mangels Alternative leider kein Weg vorbei. Ich mag mir auch nicht vorstellen, was wäre, wenn der am Sonntag nicht gewählt wird. Das wäre Chaos pur. Die Entscheidung über eine Vertragsverlängerung mit Veh steht an. Wer soll das dann entscheiden und ggfs. machen? Wer soll einen neuen GF Sport suchen ud verpflichten, wenn es mit Veh nicht weiter geht? Das kann und will ich mir gar nicht vorstellen.

    Ich störe mich auch an ein paar Aussagen des neuen Vorstandes. Gar nicht mal ander gegen Veh. Der haut selber auch mal einen spruch raus. Da muss er es auch ertragen, dass er mal einen Spruch gegen sich zu hören bekommt. Befremdlicher finde ich die Aussage gegenüber Wehrle, weil der sich beim Schmadtke entschuldigt hat.

    Ich kenne die Herren des neuen Vorstandes kaum. Ich hoffe aber, dass, wenn sie gewählt sind, dieses ganze Geplänkel nur „Wahlkampfshow“ war und sie als Vorstand schlicht nur einen guten Job machen und sich dann etwas zurück nehmen. Mag ja sein, dass es so kommt. Dann wäre es gut.

  4. Tom51427 says:

    Nein, das Verhalten der Herren Ritterbach und Schumacher (für die ja angeblich das Wohl des Vereins über allem steht) ist sogar schon seit Monaten vollkommen inakzeptabel. Seit der von ihnen selbst inszenierten Demission von Herrn Spinner (den ich am Ende auch zunehmend kritischer sah) offenbaren beide Vizepräsidenten ihr wahres „Können“. Und ich sehe tatsächlich nichts, was dem FC fehlen würde, wenn diese beiden Herrschaften nicht mehr an Bord sind. Die Krönung des Ganzen ist sicherlich der Umstand, dass sie nicht nur seit dem Aufrücken von Herrn Müller-Römer gegen Aufwandsentschädigung nach eigener Aussage nichts mehr tun, sondern sogar auf FC Kosten weiterhin Wahlkampf in eigener Sache machen, obwohl sie gar keine Kandidaten mehr sind. Das ist absurd, vollkommen egoistisch und extrem vereinsschädigend!
    Was die zutreffenden Anmerkungen von Nick zu dem designierten Vorstandstrio angeht: da sollte man natürlich die getroffenen Aussagen auch im Kontext zu der Veranstaltung von 2Kölsch sehen: das ist eher ein Comedy Format und die weiteren vorgegebenen Antwortalternativen waren allesamt noch unangebrachter (da haben die 2Kölsch FC Fans ungewollt auch ihrem eigenen Verein einen Bärendienst erwiesen). Man hat sich dann meist lachend überwiegend auf das jeweils kleinste Übel verständigt, weil man sich auch ganz offenbar Fan nah zeigen wollte. Letztlich war das aber zu unbedarft – denn auch den Dreien dürfte bekannt sein, dass Bild und Kicker derzeit eine große Kampagne laufen haben, mit dem Ziel ihren Dauer-Informanten Toni Schumacher in der Pole Position für ihre eigenen Zwecke behalten zu können.
    Dennoch vertrete ich die feste Überzeugung, dass bei allen drei Kandidaten die charakterlichen und intellektuellen Basics für diese große Herausforderung (der FC steht vor den entscheidenden zukunftsweisenden Jahren) vorhanden sind – wie sich das bei den derzeitigen Vize Präsidenten verhält; hierüber möge sich jeder nach den letzten Monaten selbst ein objektives Bild verschaffen.
    Fakt ist: wenn der Vorschlag des MR keine einfache Mehrheit erhält, werden sich die Herren Schumacher und Ritterbach vorerst weiterhin ihr eigenes Süppchen kochen können (Herr Müller-Römer wird ja bewusst ignoriert). Und dies ist mit Sicherheit keine Lösung für den FC.
    Ich werde am Sonntag meine Stimme für eine hoffentlich bessere FC Zukunft unter professionellen Voraussetzungen abgeben. Diese Hoffnung verbinde zumindest ich ausschließlich mit den formal vorgeschlagenen Kandidaten (was bitte ausdrücklich nicht gleichbedeutend mit einem „Blanko-Scheck“ zu sehen ist – ein durchaus kritisches Begleiten der tatsächlichen Umsetzung ist dann eh erste Mitglieds-Pflicht).

    • Gerd Mrosk says:

      Ich find das schon …nachvollziehbar was Du da geschrieben und argumentiert hast,aber dein letzter Satz konterkariert das Ganze dann doch,denn du gibst ihnen sowohl den Blanko Scheck und darfst deren Handeln und Tun sogar kritisch begleiten,nur ändern wirst du an der Tatsache nichts,wenn sie mal aus Deiner/unserer aller Sicht nicht nachvollziehbares an den Tag legen,denn der Vorstand ist unantastbar in seiner von uns ins Leben gerufenen Amtszeit.

  5. Lienen77 says:

    Naja, eine große Auswahl hat man als einfaches Mitglied ja nun nicht wirklich und die vorgeschaltete Kandidatensuche mit dem vorgeschlagenen Trio durch das Komitee (MR) erinnert dann in der Summe ein wenig an eine Volkskammerwahl in der DDR.

    • Tom51427 says:

      Ein „Komitee“, in dem jedes einzelne Mitglied mehrheitlich von den anwesenden FC Mitgliedern gewählt wurde…auch durch ständige Wiederholung wird das Argument der angeblich fehlenden Demokratie nicht richtiger. Konkret handelt es sich hierbei tatsächlich um eine indirekte Demokratie. Nichts wirklich Ungewöhnliches…
      Selbst Schumacher und Ritterbach hätten mit einem Dritten im Bunde am Ende nach Überwindung der 3% Hürde zur Wahl antreten können. Alle Anderen auch. Lässt sich auch einfach in der Satzung nachlesen: Wahlvorschläge von Mitgliedern für den Vorstand sind zulässig, sofern mindestens drei Prozent
      der Mitglieder, berechnet nach der vom Verein veröffentlichten Mitgliederzahl zum Ende des der Wahl vorangehenden Geschäftsjahrs, den jeweiligen Wahlvorschlag unterstützen.
      Was ist daran mit der Volkskammerwahl zu vergleichen?

  6. Lienen77 says:

    Ja, mein Bauchgefühl erinnert mich halt daran. Bin kein Freund des alten Präsidiums. Von denen braucht auch keiner weitermachen. Ich kann halt die gecasteten Kandidaten wählen oder auch nicht. Aber eine Auswahl habe ich nicht! Und ich traue in der politischen Diskussion und Theater von Vorstand und MR beiden Seiten nicht. Da hier auch vom MR eine Art Ideologie im im Spiel war, bzw. ist. Beide Seiten stellen ihr Handeln als einzig wahrhaftig da. Ausschließlich und einzig um unseren effzeh ging es schon lange nicht mehr. Sorry, da bin ich halt skeptisch, wenn ich ein durch das „Komitee“ und seines Vorsitzenden „vorausgewähltes“ Trio empfohlen bekomme.

    • NICK says:

      Meinst Du es ist besser, 5000 Leute die noch nie mit det Kandidaten gesprochen haben, entscheiden nach einer lockeren Vorstellungsrunde auf der JHV, mal eben so aus dem Bauch raus, wer neuer Vorstand wird ODER die von den Mitgliedern gewähltn Vertreter opfern viel Zeit und Mühe, beschäftigen sich intensievst mit möglichen Kandidaten und machen einen Wahlvorschlag.

      Na was ist besser?

      Das es kein zweites Team gibt liegt doch nicht am Mitgliederrat oder an Wolf, Sieger und Sauren. Das liegt einfach daran, dass keiner die Eier hatte anzutreten. Glaubst Du wirklich Schumacher und Ritterbach würden in GANZ KÖLN und Umgebung niemanden finden können der EFFZEH-PRÄSIDENT werden will? (Ich glaube es gibt mehr Leute die diesen Traum haben, als Prinz Karneval zu werden…) Die wollen doch selber nicht, die wollen nur bemitleidet werden. Der Sch. hätte auch sagen können „Isch mach de Präsident un mer söke noch so ne Tünnes wie Dech als Vize“ – machen sie aber nicht – die sind doch selber untereinander zerstritten…ihren Spinner habben sie an Veh verpetzt und vom Hof gejagt, anstatt anständig zusammen abzutreten.

      Also…wählen wir die Leute, mit denen sich UNSER gewählten Vertreter vorab intensievst beschäftigt haben und geben ihnen eine Chance.

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