,

Heimsieg-Party: Der FC ballert sich raus aus dem Keller


Der 1. FC Köln hat es geschafft. Nach über einem halben Jahr ohne Heimsieg und drei Heimpleiten zum Auftakt der Bundesliga-Saison gewannen die Geissböcke am Sonntag in Müngersdorf gegen den SC Paderborn mit 3:0 (1:0). Damit verließ der Effzeh die Abstiegsränge und kletterte nach acht Spieltagen mit nun sieben Zählern auf Rang 15. 

Aus Müngersdorf berichten Sonja Eich und Marc L. Merten

Als am Sonntag der Tabellenvorletzte das Schlusslicht der Liga empfing, war klar: Würde der FC einen Sieg feiern, stünde er nicht mehr auf einem Abstiegsplatz. Eine Niederlage würde den Kölnern dagegen die Rote Laterne bescheren. Die Stimmung im RheinEnergieStadion war entsprechend verhalten, das Wetter verregnet, der Gegner ersatzgeschwächt, doch alleine aufgrund der Ergebnisse aus der letzten Saison gefährlich.

Ausgangslage

Der FC hatte vor der Partie gegen Paderborn saisonübergreifend die letzten fünf Heimspiele allesamt verloren. Die Mannschaft von Achim Beierlorzer stand beim Publikum also in der Pflicht. Der FC-Coach verzichtete auf Experimente und nominierte die Elf, die auf Schalke einen Punkt geholt hatte. Damit kam Noah Katterbach zu seinem Heimdebüt, Jonas Hector rückte erneut auf die Sechs, Simon Terodde lief als einziger Stürmer auf und die weiteren Stürmer Anthony Modeste und Jhon Cordoba fanden sich erneut auf der Bank wieder.

Moment des Spiels

Drei Minuten lang dauerte die Überprüfung. In der 8. Minute hatte der 1. FC Köln das 1:0 erzielt. Nach einem Eckball von Florian Kainz hatte Ellyes Skhiri aus dem Rückraum abzogen. Bei diesem Schuss hatte Sebastiaan Bornauw im Abseits gestanden. Zu ihm war der Ball dann auch von einem Paderborner Bein gesprungen. Der Belgier hätte also tatsächlich im Abseits gestanden. Doch Simon Terodde, nicht im Abseits, war gedankenschnell dazwischen gegangen und hatte den Ball über die Linie geschoben. Eigentlich eine klare Sache, doch Guido Winkmann im DFL-Keller in Köln-Deutz brauchte drei Minuten, um dies Schiedsrichter Manuel Gräfe zu bestätigen. Am Ende dieser endlosen drei Minuten zählte das Tor dann doch und der Jubel in Müngersdorf war groß.

Die wichtigsten Szenen

Nach nicht einmal zwei Minuten hatte der FC seine erste Großchance. Nach einer Ecke von Louis Schaub schraubte sich Hector im Zentrum in die Höhe und köpfte nur knapp über das Tor. Sofort war das Publikum da, und der FC auch. Aggressiv und hellwach, dazu spielerisch mit einem klaren Plan: In der 8. Minute bekam Kingsley Schindler die nächste Chance. Schaub konterte, legte quer, Schindler schoss, doch der Versuch wurde zur Ecke abgewehrt. Machte aber nichts, denn daraufhin fiel das 1:0 für den FC. Skhiri zog aus 16 Metern ab, traf einen Paderborner, von diesem wurde der Ball zu Terodde abgefälscht und dieser musste nur noch einschieben. Zwar brauchte es fast drei Minuten, ehe der VAR den Treffer anerkannte. Doch dann stand fest: Zum zweiten Mal in dieser Saison war Köln mit 1:0 in Führung gegangen. In der 15. Minute hätte Terodde nach Kainz-Flanke nachlegen können, verpasste aber knapp. Paderborn kam zunächst nur über ruhende Bälle nach vorne, Pröger setzte einen Freistoß in der 20. Minute nur knapp am Pfosten vorbei. Die Geissböcke profitierten vom 4-2-3-1 mit Schaub im Zentrum und Kainz über links, das Spiel der Gastgeber wirkte deutlich kreativer als in den Wochen zuvor, mit Überraschungsmomenten und schnellen Angriffen über die Flügel. Auch gegen den Ball arbeitete der FC laufstark und für Paderborn unangenehm. Zwar übernahm der SCP nach einer halben Stunde erstmals das Zepter, doch bis auf einen Schuss von Präger aus der zweiten Reihe musste sich Timo Horn keine großen Sorgen um sein Tor machen. Auf der anderen Seite wäre es beinahe erneut Terodde gewesen, um die Kölner Führung auszubauen. Doch der Stürmer traf nach einem feinen Angriff nur den Außenpfosten (41.).

Nach der Pause ging es unverändert weiter. Terodde bekam die erste Chance in der 49. Minute, doch erst verpasste er den richtigen Zeitpunkt für einen Querpass auf den mitgelaufenen Schaub. Dann scheiterte Schaub nur kurze Zeit später mit einem Schuss an Zingerle. Auf der Gegenseite musste Horn erstmals eingreifen, als er einen Flachschuss von Holtmann um den Pfosten lenkte (51.). Ein Spiel deutete sich nun an, das der FC eigentlich nicht wollte: jenes mit offenem Visier. Köln suchte die Konter zur Entscheidung, Paderborn über Schnelligkeit und Aggressivität den Weg zurück ins Spiel. Doch das entscheidende Wort in diesem Schlagabtausch hatte der FC: Ehizibue eroberte den Ball in der eigenen Hälfte, spielte Hector an der Mittellinie an, der sofort auf Schindler weiterleitete. Der Rechtsaußen nahm Tempo auf und flanke perfekt auf den langen Pfosten. Dort lief Schaub in Position und köpfte zur 2:0-Führung ein (59.). Dass es sieben Minuten später nicht 3:0 stand, begriff dagegen niemand: Hector hatte Schindler sehenswert hinter den Paderborner Abwehrspielern in Szene gesetzt. Der Neuzugang aus Kiel hatte nur Zingerle vor sich. Sein Schuss ging aber am SCP-Tor vorbei. In der Folge musste der FC zunächst Kainz verletzungsbedingt durch Risse ersetzen, ehe Cordoba für Terodde kam. Die Schlussphase sollte aus Kölner Sicht keine Wiederholung der 2:3-Niederlage in Paderborn aus der Vorsaison werden. Paderborns eingewechselter Sabiri verpasste nach einer Ecke den Anschlusstreffer per Kopf nur knapp. Dann erkämpfte sich Cordoba den Ball und ackerte sich bis zu Zingerle durch, traf mit seinem Schuss aber nur den Innenpfosten. Weil es im Anschluss daran einen Eckball für die Geissböcke gab, durfte Köln doch noch jubeln: Der starke Bornauw setzte sich im Zentrum durch und köpfte den FC zum 3:0-Sieg. Es war die Belohnung für die starke Leistung des Belgiers und für einen konzentrierten FC, der den Sieg schließlich ungefährdet über die Zeit brachte.

Fazit

Zum Freuen: Der erste Heimsieg seit über einem halben Jahr.

Zum Ärgern: Die mögliche Verletzung von Florian Kainz.

Stimmung: Erst verhalten, dann euphorisiert, am Ende erleichtert.

Mann des Tages: Michael Trippel, der auf seinen seit 20 Jahren bekannten Satz „Herzlich Willkommen in der schönsten Stadt Deutschlands“ verzichtete. Er sagte stattdessen: „Herzlich Willkommen in der Stadt, die sich auflehnt gegen Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit!“

Aufstellung

Horn – Ehizibue, Bornauw, Czichos, Katterbach – Skhiri, Hector – Schindler, Schaub (83. Höger), Kainz (63. Risse) – Terodde (75. Cordoba)

Tore

1:0 Terodde (8.)
2:0 Schaub (59.)
3:0 Bornauw (85.)

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar