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Lehren des Spiels: Die Umkehr des Gefühls von 2017

Vor zwei Jahren im Dezember spielte der 1. FC Köln letztmals in der Bundesliga auf Schalke. Damals war es das letzte Spiel der Geissböcke unter Peter Stöger. In diesem Jahr kamen die Erinnerungen zurück. Doch das 1:1-Unentschieden 2019 unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von jenem 2:2, auf das das Aus für Peter Stöger folgte.

Aus Gelsenkirchen berichtet Marc L. Merten

Geschichte des Spiels: Es war das Spiel der vergebenen Kölner Chancen. Kingsley Ehizibue, Simon Terodde, Anthony Modeste – sie alle hätten für den 1. FC Köln treffen müssen. Sie alle scheiterten an Alexander Nübel. Wenn der FC dieses Spiel auf Schalke verloren hätte, wäre es ein weiteres typisches Fußballspiel eines Abstiegskandidaten gewesen – inklusive Personalwechseln, nicht gegebenen Platzverweisen, einem unglücklichen Gegentor und der steigenden Verzweiflung, dass aller Einsatz nichts bringt. Doch es kam anders, weil Jonas Hector, bei Kölner Eckbällen eigentlich zur Konter-Sicherung eingeteilt, mit in den Strafraum lief, als Florian Kainz eine seiner gefährlichen Standards trat, ausgerechnet Hector fand und dieser in Horst-Hrubesch-Manier mit dem Rücken zum Tor per Kopf traf.

Parallele des Spiels: Auf den ersten Blick erinnerte nach der Partie am Samstag einiges an den letzten Bundesliga-Auftritt der Geissböcke auf Schalke. Unter Peter Stöger hatte der FC am 2. Dezember 2017, einem Samstagabend mit Anpfiff um 18.30 Uhr, in der Veltins-Arena zurückgelegen (sogar zweimal) und doch noch ausgeglichen (zweimal durch Serhou Guirassy). Das Unentschieden wurde gefeiert wie ein Sieg, auch, wenn es damals der lächerlich dritte Punkt am schon 14. Spieltag war. Auch dieses Jahr an einem Samstagabend, allerdings sieben Spieltage zuvor, ließen sich die FC-Spieler nach den 90 Minuten vor der Gästekurve feiern. Der Punktgewinn fühlte sich wichtig an, dringend nötig im Abstiegskampf. In der Tabelle bewegte das Unentschieden nichts, in den Köpfen dagegen viel.

Unterschied des Spiels: Der große Unterschied zu heute war, dass das Aus von Peter Stöger damals schon besiegelt war. Und so zog die Entlassung des beliebten Trainers dem Jubel über das 2:2 sofort wieder den Zahn. Aus Freude wurden Tränen, auch bei Spielern. Es war das Ende einer Ära, einer jahrelangen Erfolgsgeschichte, die in der Tristesse endete, aus der man den FC eigentlich herausgeführt hatte. Achim Beierlorzer stand am Samstag dagegen nicht zur Debatte. Zwar hätte eine erneute Klatsche den Franken erstmals ins Wanken gebracht. Doch während Stöger am Ende war und das Unentschieden zu einem versöhnlichen Abschied nutzen konnte, soll das diesjährige Unentschieden der Anfang einer doch noch erfolgreichen FC-Saison sein. Beierlorzer kann sich bestätigt fühlen, dass die Mannschaft ihm folgt und bereit ist, für die Sache zu kämpfen.

Chance des Spiels: Wenn der 1. FC Köln unbedingt an etwas arbeiten muss, dann an seiner Chancenverwertung. Defensiv spielte der FC gegen Schalke nun deutlich besser. Doch offensiv versiebten die Geissböcke beste Möglichkeiten. Nach drei torlosen Partien in Folge wäre beinahe auch das vierte Spiel in Folge ohne eigenen Treffer ausgegangen, ehe Hector traf. Zuvor hatte Kingsley Ehizibue die beste aller Möglichkeiten vergeben und gezeigt, wo der Schuh beim FC drückt. Ein schöner Angriff über Katterbach und Schaub brachte Kainz auf links in Position. Dieser ließ seinen Gegenspieler mit einer Finte ins Leere laufen und flankte an den Fünfmeterraum. Dort kam Ehizibue angerauscht – und köpfte Nübel an. „Ich hatte schon zum Jubel angesetzt“, sagte später Rafael Czichos. Will der FC in der Bundesliga bestehen, müssen solche Chancen künftig zwingend zu Toren führen.

Duell des Spiels: Am 6. Juli 2008 wurden Marcel Risse und Bastian Oczipka gemeinsam Europameister. Mit der deutschen U19 feierte das Duo den Titel durch einen Finalsieg über Italien. Am Samstagabend wurde Rechtsaußen Risse in der Schlussphase für Ehizibue eingewechselt und spielte fortan gegen Linksverteidiger Oczipka. Ein Wiedersehen, das mit einer Flanke von Risse endete, die perfekt in den Strafraum segelte, Anthony Modeste fand, der den Ball mit der Brust aus der Luft pflückte, seinen Gegenspieler aussteigen ließ und Alexander Nübel zu einer Glanzparade zwang. Die anschließende Ecke führte zum 1:1-Ausgleich durch Hector – eingeleitete durch Risses Flanke auf Modeste.

Pfiffe des Spiels: Nach der Partie überlegte man beim FC kurz, ob man mal wieder darauf hinweisen sollte, dass der Vorlagengeber zum 0:1 (Salif Sané) zum Zeitpunkt des Tores eigentlich gar nicht mehr auf dem Platz hätte stehen dürfen. Sané hatte in Hälfte eins Louis Schaub unsanft umgerissen und Gelb gesehen. In der zweiten Hälfte ging er dann mit offener Sohle in einen Zweikampf mit Ellyes Skhiri. Eine klare Gelbe Karte und damit die Ampelkarte – doch Sané kam mit einer letzten Ermahnung davon. Der VAR hatte nicht eingreifen dürfen, weil es singulär nur um eine Gelbe Karte (und nur in der Folge um eine Gelb-Rote Karte) ging, nicht um eine glatt Rote Karte. So zeigte diese Situation mal wieder die unausgegorene Regelung des Videoassistenten auf. Zu der Geschichte gehört aber auch, dass der FC selbst Glück hatte, dass Kingsley Ehizibue nach seiner wüsten Attacke gegen Harit (Gelb) und einem späteren Foul im Mittelfeld ebenfalls nicht Gelb-Rot sah, obwohl auch dies durchaus möglich gewesen wäre.

Zitat des Spiels: „Wenn man nach so einem Spielverlauf doch noch einen Punkt holt, brechen danach alle Dämme. Wir wissen aus der letzten Abstiegssaison, wie wichtig so ein Punkt sein kann“, sagte Timo Horn. „Heute haben wir gesehen, dass wir auch gegen die großen Mannschaften mithalten oder sogar besser sein können. Das gibt uns Rückenwind.“

Schema zum Spiel

FC Schalke 04 – 1. FC Köln 1:1 (0:0)

Tore: 1:0 Serdar (71.), 1:1 Hector (90.+1)

FC Schalke 04: Nübel – Kenny, Stambouli, Sané, Oczipka – Serdar, Mascarell – Caligiuri (61. Kutucu), Harit – Uth (46. McKennie), Burgstaller

1. FC Köln: Horn – Ehizibue (80. Risse), Bornauw, Czichos, Katterbach – Skhiri, Hector – Schindler, Schaub (78. Modeste), Kainz – Terodde (70. Cordoba)

Schiedsrichter: Tobias Welz

Gelbe Karten: Kenny, Sané, Oczipka, Serdar / Ehizibue, Katterbach, Terodde

Zuschauer: 61.883 (ausverkauft)

7 Kommentare
  1. Matthias says:

    Bis auf einen Punkt sehr ich es so wie Herr Merten. Dieser eine Punkt betrifft die Chance von Ehizibue. Wer selbst Fußball gespielt hat, weiß wie schwer dieser Ball einzunetzen ist. Ehizibue läuft mit höchstem Tempo in den Strafraum und liegt dann waagerecht in der Luft. Bei dieser Körperhaltung ist es aber extrem schwer, den Kopf so zu bewegen, dass der Ball eine gewünschte Flugrichtung nehmen kann. meines Erachtens sollten wir ihn loben, dass es überhaupt zu dieser Chance gekommen ist.

    • NICK says:

      Stimmt genau! Ich lobe ihn auch für diesen Kopfball – der Express gibt ihm deswegen die Note 5. Bei vier von fünf solcher Kopfbälle ist der Ball drin, jetzt stand der Torwart halt mal genau richtig. Vier von fünf anderen Spielern köpfen in der Position den Ball auf die Tribüne…

  2. Immerfc says:

    Sehe ich auch so wie meine vorredner, als rechtsverteidiger im fünfer einen kopfball / flugkopfball zu sehen ist doch herrlich… zudem stand nübel sehr gut und hatte auch das notwendige glück… herr merten wie oft haben sie miso brecko so köpfen gesehen…

  3. Stephan says:

    Ich sehe die Aussage das Eazy auch vom Platz muss anders. Es ist ziemlich irrelevant wenn Sane zuvor geht.
    Weil dann steht es 1. Nicht 1:0 und 2. Macht der FC nicht hinten auf um dem Ausgleich zu erzielen.
    Somit käme es auch nicht zum verhindern des Konters.
    Für mich eine spielentscheidende Fehlentscheidung von Schiri Welz. Der sollte seine Berufung nochmal überdenken.

  4. Gerd Mrosk says:

    Ok,ich lag jedenfalls falsch damit,das der VAR wegen möglichem gelbrot auch hätte eingreifen können,aber sonst hab ich ja immer zu 1948% Recht.Einerlei ,ob man Easy jetzt da nen Strick draus dreht,wichtig ist ,das man sich das Glück erkämpft weiterhin.Daran glaube ich,das man sich das ein Stück weit erkämpfen kann.Ab dem Nicht Platzverweis für Sane,für das der Schiri sich niemals den Spielraum nehmen durfte,lief es glücklich nur noch für den FC.Easy hätte er definitiv vom Platz gestellt nach Sane,Mo wurde eingewechselt und holt den Eckball wenigstens raus,wo Nübel mit Glück wieder angeköpft wird.War aber aufgebraucht,also alles gut.Kurios,hab gar nicht viele Auswärtsspiele gesehen in letzter Zeit,aber selbst bei Stögers Abgesang war ich dabei,nur nicht so geil nah dran wie am Samstag ,als alles auf mich(uns) zulief.Ich hab Hector nie auch nur annähernd so jubeln sehen.Ich denke er hat sich grenzenlos vertraut und ist bestätigt worden,das er der Mannschaft ein guter Kapitän sein kann noch.Ich hoffe weiter ,das wir näher ans Mittelfeld kommen,denn da wird man nicht mehr so benachteiligt wie unten in der Tabelle.Is so.COME ON EFFZEH !!!!!

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