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Derby-Pleite in Düsseldorf: Jetzt wird’s eng für Beierlorzer


Der 1. FC Köln hat das Rheinische Derby bei Fortuna Düsseldorf mit 0:2 (0:1) verloren und damit schon die siebte Niederlage in der laufenden Saison kassiert. Zwar hätten die Geissböcke beim Erzrivalen einen Elfmeter zugesprochen bekommen müssen. Doch die Fortuna zeigte sich bissiger, der FC dagegen vergab einmal mehr zu viele Möglichkeiten. Für Trainer Achim Beierlorzer wird es damit in Köln immer enger.

Aus Düsseldorf berichtet Sonja Eich

Wer am Sonntag aus Köln nach Düsseldorf fuhr, wurde je nach Anfahrt aus der Domstadt über die Völklinger Straße im Düsseldorfer Süden in Richtung Merkur Spiel-Arena geleitet. Böse Erinnerungen an die jüngste Pokal-Schmach beim 1. FC Saarbrücken in Völklingen kamen hoch. Dabei sollte das Derby bei der Fortuna eigentlich die Wende für den FC einläuten. Achim Beierlorzer unter Druck, beide Teams mit sieben Punkten in der Liga gleichauf, die beiden Fan-Lager bis in die letzte Pyro-Stange aufgeheizt: Im ersten Bundesliga-Derby der beiden Teams seit 1997 stand Köln deutlich stärker unter Druck als die Fortuna.

Ausgangslage

Nach dem desolaten Auftritt im DFB-Pokal wechselte Beierlorzer auf fünf Positionen. Jorge Meré, Benno Schmitz, Marcel Risse, Jhon Cordoba und Anthony Modeste mussten raus. Rafael Czichos, Kingsley Ehizibue, Kingsley Schindler, Louis Schaub und Simon Terodde rückten in die Startelf. Der FC wieder in einem 4-2-3-1, dabei aber ohne den angeschlagenen Florian Kainz (Fersenprobleme) und auch ohne Darko Churlinov, der sich nach seinem Dreierpack in der U21, den schlechten Leistungen der FC-Profis und dem Kainz-Ausfall einen Platz im Kader ausgerechnet hatte.

Moment des Spiels

Es lief die 60. Spielminute. Der 1 .FC Köln lag mit 0:1 hinten. Eine sehenswerte Kombination von Schindler und Terodde schickte den Kölner Angreifer auf Reisen. Terodde lief Adams davon und fand sich vor F95-Keeper Zackary Steffen wieder, doch der Stürmer scheiterte. Es gab nur Ecke für den FC. Doch diese ging nach hinten los. Ein Befreiungsschlag des Düsseldorfer Kaan Ayhan landete im Lauf des konternden Erik Thommy. Dieser wurde von Schindler verfolgt, ließ diesen aber aussteigen und schloss eiskalt vor Horn ab. Das 0:2 aus Kölner Sicht und die Vorentscheidung im Rheinischen Derby.

Die wichtigsten Szenen

Das Spiel hatte kaum begonnen, da musste der FC den ersten Rückschlag verkraften. Noah Katterbach verletzte sich am linken Oberschenkel und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam Marco Höger, Hector rückte auf seine angestammte Position hinten links. Sportlich ließ das Derby erstmals in der 11. Minute aufhorchen: Hector hatte Platz zum flanken, Terodde stahl sich Elfmeterpunkt frei, bekam den Ball butterweich serviert, doch sein Kopfball ging am Tor vorbei. Das hätte das 1:0 für die Geissböcke sein können, doch wieder einmal ließ Köln eine frühe Chance zur Führung liegen. Drei Minuten später versuchte es Erik Thommy frech aus der Distanz, doch Timo Horn war rechtzeitig zurück auf der Torlinie und fing den Schuss ab. In der Folge entwickelte sich eine giftige Partie mit vielen Fouls, Provokationen und Freistößen. Ein solcher brachte der Fortuna die erste Großchance ein, Rouwen Hennings verfehlte aus fünf Metern völlig frei per Kopf (25.). Jener Hennings räumte zwei Minuten später Hector mit der Schulter in dessen Gesicht übel ab, Schiedsrichter Sven Jablonski zeigte aber nicht einmal Gelb. Was danach geschah, war typisch Derby. Im Mittelpunkt immer wieder Hennings. Erst das Foul gegen Hector, dann schubste er kurze Zeit später Hector zu Boden, nachdem das Spiel abgepfiffen war. Wieder gab es keine Karte für den Angreifer. In der 38. Minute war er es dann, der das 1:0 erzielte. Der FC ließ sich nach einem Einwurf düpieren, Alfredo Morales wurde von Czichos im Strafraum gefoult und Hennings verwertete den berechtigten Strafstoß zur Düsseldorfer Führung. Auf der Gegenseite hätte Schindler einen Strafstoß bekommen können, doch Jablonski war der Schubser von Adams zu wenig. So ging der FC mit einem Rückstand in die Pause – und bereits leicht entnervt, weil die Düsseldorfer es schafften, den Kölnern unter die Haut zu gehen.

Das Niveau der Partie war gering, der FC bis dato mit immens vielen Fouls und einer dafür schlechten Zweikampfquote (38 Prozent). Dennoch verzichtete Beierlorzer in der Pause auf einen weiteren Wechsel. Köln begann nun besser. Terodde bekam die erste Gelegenheit zum Ausgleich, doch Adams rettete (48.). Eine Minute später gab es erneut Aufregung im Strafraum: Schindler lief in den Strafraum, Gießelmann schubste den Kölner Angreifer von hinten zu Boden, doch erneut blieb Jablonskis Pfeife stumm, weil er erneut keinen klaren Elfmeter gesehen haben wollte. War die Szene in Hälfte eins noch umstritten, so hätte es in der 50. Minute einen Elfmeter geben müssen. Doch auch der Videoassistent griff nicht ein. In der Folge spielte der FC endlich so, wie man sich das vorgenommen hatte. Erst verpasste Schaub per Kopf den Ausgleich (58.), dann lief Terodde auf Steffen zu, konnte den Düsseldorfer Keeper aber nicht überwinden. Die folgende Ecke wurde den Geissböcken schließlich zum Verhängnis, über Ayhan landete der Ball bei Thommy, der den Konter zum 2:0 für die Fortuna abschloss (61.). Der FC nun mit zwei Toren hinten: Beierlorzer brachte mit Cordoba einen zweiten Stürmer, später auch noch Modeste. Doch die vielen vergebenen Chancen der ersten Stunde rächten sich. Mit einem vernehmlichen „Wir haben die Schnauze voll“ machten die über 6000 FC-Fans ihrem Frust Luft. Mit dem Schlusspfiff ging es mit Unmutsbekundungen in Richtung Spieler und Trainer weiter.

Mit weiterhin nur sieben Punkten rutschten die Kölner zwischenzeitlich wieder auf Rang 17 ab. Für Beierlorzer wird die Luft damit immer dünner. Dass der 51-Jährige auch am kommenden Freitag im Heimspiel gegen Hoffenheim noch auf der Bank sitzen wird, ist nach dem Auftritt vom Sonntag nicht mehr sicher.

Fazit

Zum Freuen: Wenigstens keine Klatsche wie Mainz in Leipzig.

Zum Ärgern: Nächstes Rhein-Derby, nächste Pleite.

Stimmung: Wie beim FC brannte es auf den Rängen lichterloh.

Mann des Tages: Quo vadis, Achim Beierlorzer?

Aufstellung

Horn – Ehizibue, Bornauw, Czichos, Katterbach (7. Höger) – Skhiri, Hector – Schindler (78. Modeste), Schaub, Drexler (63. Cordoba) – Terodde

Tore

1:0 Hennings (38./FE)
2:0 Thommy (61.)

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