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Hamstern statt Harakiri: Konkurrenz zeigt, wie es gehen kann


Der zwölfte Bundesliga-Spieltag verlief für den 1. FC Köln ernüchternd. Nach dem Trainerwechsel hatten sich die FC-Verantwortlichen eine Reaktion der Mannschaft erhofft, bekamen aber den nächsten Totalausfall. Dagegen zeigte die Konkurrenz, wie es als Underdog gegen Favoriten funktionieren kann. Die Geissböcke geraten so unter immer größeren Druck.

Köln – Was hatten die Spiele des 1. FC Köln bei RB Leipzig (1:4), des SC Paderborn in Dortmund (3:3), Union Berlin gegen Gladbach (2:0) und Mainz 05 mit Achim Beierlorzer bei 1899 Hoffenheim (5:1) gemein? Vier Abstiegskandidaten trafen auf vier Topteams der Liga. Dazu kam noch die Begegnung Fortuna Düsseldorfs gegen den FC Bayern (0:4). Fünf solcher Duelle also sah man am Wochenende. Die Resultate: Leipzig und Bayern feierten ungefährdete Siege, die weiteren Favoriten patzten jedoch.

Während sich der FC von Leipzig und Düsseldorf von den Bayern vorführen ließen, gelang Paderborn, Union und Mainz jeweils eine Überraschung. Die individuelle Klasse des Gegners konnte durch ein Kollektiv besiegt oder zumindest an den Rande einer Niederlage gebracht werden. Siegesserien wie jene aus Gladbach und Hoffenheim konnten durch Wille, Mut, Konzentration und Glaube beendet werden. Wer jedoch das Spiel in Leipzig beobachtete, der bekam vor Augen geführt: Beim FC gibt es aktuell weder ein funktionierendes Kollektiv noch Glaube, Willen oder Mut.

Punkt für Punkt, nicht Sieg für Sieg

Daran wird Trainer Markus Gisdol nun arbeiten müssen. Ab Dienstagvormittag bittet der neue FC-Coach zur ersten vollständigen Trainingswoche mit seiner neuen Mannschaft. In Leipzig hatte der 50-Jährige vor allem die fehlende Stabilität in der Defensive sowie die strukturlosen Offensivbemühungen moniert – kurzum das Grundpaket für erfolgreichen Fußball. Darüber hinaus, das dürfte dem Schwaben nun klar sei, wird er auch an der mentalen Konstitution seiner Spieler arbeiten müssen.

Dabei wird interessant sein zu beobachten, welche Vorgaben Gisdol und Sportchef Horst Heldt machen werden. Im Abstiegsjahr 2017/18 verlor sich der 1. FC Köln auch darin, unter Interimscoach Stefan Ruthenbeck nur noch auf Sieg zu spielen, anstatt auch mal ein Unentschieden mitzunehmen. Ob gegen den SC Freiburg (3:4), Borussia Dortmund (2:3), Werder Bremen (1:3) oder Hertha BSC (1:2) – die Geissböcke gingen immer aufs Ganze, riefen ein Endspiel nach dem nächsten aus, anstatt auch mal einen Punkt zu sichern, um Selbstvertrauen zu tanken.

Unter Stöger war die Hamstertaktik lange erfolgreich

Auch in dieser Saison spielt der FC bislang Hopp oder Top – und wurde wie im letzten Spiel unter Beierlorzer in der Nachspielzeit bestraft. Nur ein Unentschieden, dafür zwei Siege und neun Niederlagen sprechen eine deutliche Sprache. Die Hamstertaktik, die viele andere Klubs im Abstiegskampf schon so häufig erfolgreich angewendet haben, scheint den Geissböcken fremd geworden. Dabei war es diese Taktik, die einst unter Peter Stöger zwar zu vielen, häufig unansehnlichen Torlos-Unentschieden führte, letztlich aber in Stabilität und Selbstvertrauen kulminierte, wie seit drei Jahren in Köln nicht mehr gesehen. Erst in seiner letzten Saison gelang es dem Österreicher nicht mehr, in einer schwächeren Phase sich zur Not mal einen Punkt zu ermauern, um wieder auf die Füße zu kommen.

Das muss der 1. FC Köln nun wieder lernen. Auch mit Blick auf die kommenden Spiele gegen den FC Augsburg (gewann mit 4:0 gegen Hertha BSC) und Union Berlin. Denn eines ist sicher: Verlieren ist aus Kölner Sicht gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf verboten. Denn dann würde passieren, wovor Horst Heldt bereits nach dem Spiel in Leipzig gewarnt hat. „Wir dürfen nicht abreißen lassen.“ Dazu bedarf es auch der Erkenntnis, dass ein Unentschieden gegen Augsburg oder Union im Zweifel besser ist als das Risiko einer weiteren Niederlage. Der Druck auf dem FC ist durch den zwölften Bundesliga-Spiel gewachsen. Doch in den verbliebenen 22 Spieltagen ist noch genug Zeit, die nötigen Punkte einzufahren.

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