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Lehren des Spiels: Die ewige Einsicht auf das große Nichts


Nach dem 1:4 (1:3) des 1. FC Köln bei RB Leipzig hat Horst Heldt angedeutet, einige Erkenntnisse aus den 90 Minuten mitgenommen zu haben. Welche, das wollte der neue Sportchef nicht verraten. Nur so viel: „Die schönsten Erkenntnisse waren es nicht.“ Das lässt hoffen, denn schön war aus Kölner Sicht am Samstagabend in der Tat nicht viel. Leipzig war mehrere Nummern zu groß für den FC.

Aus Leipzig berichtet Marc L. Merten

Geschichte des Spiels: Wenn die beste Offensive der Liga gegen den Tabellenvorletzten antritt, muss schon ein kleines Wunder passieren, damit sich der Außenseiter durchsetzt. Durchsetzen konnte sich der FC vor allem in Hälfte eins aber praktisch überhaupt nicht. Es war ein Klassenunterschied, den RB demonstrierte. Der Trainerwechsel beim FC kam überhaupt nicht zum Tragen. Und damit war die im Vorfeld der Partie erzählte Geschichte des Spiels auch schnell abgehakt – denn sie griff nicht. Neuer Trainer, alte Probleme – am Samstag war aus Kölner Sicht alles wie so häufig in dieser Saison, trotz Markus Gisdol statt Achim Beierlorzer an der Seitenlinie.

Das Ergebnis: Das Spiel ist schnell erzählt. Nach den ersten 20 Minuten in tiefer, aber halbwegs stabiler Grundordnung ließ sich der FC völlig auseinander spielen. Jonas Hector leitete das Drama mit seinem Aussetzer ein. 0:3 nach 37 Minuten – es drohte ein Debakel. Das Kopfballtor durch Rafael Czichos nach Verstraete-Ecke (39.) kam aus dem Nichts, stopfte aber zumindest mental einige Löcher, sodass sich der FC in Hälfte zwei gegen eine deftigere Klatsche stemmte und sogar, zumindest für rund zehn Minuten, ansehnlichen Fußball spielte. Das 1:4 (1:3) war am Ende in der Höhe verdient, Leipzigs Chancenwucher war noch das Beste, was der FC aus den 90 Minuten in Leipzig mitnehmen konnte.

Zweikampf des Spiels: Als Christopher Nkunku in der 30. Minute im Strafraum freigespielt wurde, hätte Sebastiaan Bornauw wohl noch eingreifen können. Doch das musste der Belgier nicht mehr. Kingsley Ehizibue war schneller. Er ließ Nkunku einfach über die Klinge springen. Viel ungeschickter hätte der Rechtsverteidiger nicht agieren können, wieder einmal. Es gab Elfmeter. Man möchte der zumeist lachenden Frohnatur aus den Niederlanden nichts Böses, doch man muss nach elf Ligaspielen als Zwischenfazit konstatieren: Mit seiner hohen Fehlerquote und dem immer wieder ungestümen Abwehrverhalten bleibt Ehizibue eine der Kölner Achillesfersen. Der FC hat weiterhin ein großes Problem auf der Position hinten rechts.

Die ewige Einsicht: Die Worte der Spieler nach der Partie klangen wieder einmal sehr einsichtig. Jonas Hector sprach über die vielen individuellen Fehler, die dem FC das Genick gebrochen hätten, und monierte das strukturlose und „blinde“ Aufbauspiel. Rafael Czichos stellte fest, Köln habe „mutlos“ nach vorne gespielt und in der Defensive die nötige Aggressivität und Konzentration vermissen lassen. Worte, die man in dieser Saison schon häufig gehört hat. Doch wenn Einsicht der erste Schritt zur Besserung ist, dann muss man sich fragen, warum beim FC seit Wochen keine Besserung eintritt. Einsicht ja, Besserung nein: Das war schon 2017/18 ein Problem. Das Ergebnis ist bekannt.

Zitat des Spiels: „Klar, Union hat jetzt gepunktet. Aber Düsseldorf und Bremen haben verloren. Jetzt kommt der berühmte Satz: Wir müssen nur auf uns schauen. Das tue ich aber nicht“, sagte Horst Heldt nach der Partie. „Ich schaue auch auf die Anderen, weil wir nicht abreißen lassen dürfen. Auf Andere können wir uns nicht verlassen, deswegen ist es wichtig, jetzt schnell Punkte zu sammeln. Heute war noch nicht der Moment für Wunder.“

Erkenntnis des Spiels: Der 1. FC Köln darf das Spiel in Leipzig nicht zu hoch hängen. Die Jungs vom Rasenballsport haben in dieser Saison schon ganz andere Mannschaften in Grund und Boden gespielt, nicht zuletzt den VfL Wolfsburg im DFB-Pokal (6:1). Wolfsburg, zur Erinnerung, ist in der Bundesliga das Team mit der besten Abwehr der Liga. Dennoch müssen Heldt und Gisdol die richtigen Schlüsse ziehen. Der Kader ist defensiv sicher nicht üppig besetzt. Im Mittelfeld und gerade in der Offensive hat der Klub aber zahlreiche Optionen. Ob es an der Zeit ist, alte Zöpfe abzuschneiden, müssen die neuen Verantwortlichen nun klären. Das 1:4 in Leipzig war kein Beinbruch und auch kein Wermutstropfen für den Trainereffekt, aber es war eine Warnung. Denn jetzt kommen Augsburg und Union – und da gibt es keine Ausreden mehr.

Schema zum Spiel

RB Leipzig – 1. FC Köln 4:1 (3:1)

Tore: 1:0 Werner (22.), 2:0 Forsberg (31.), 3:0 Demme (37.), 3:1 Czichos (39.), 4:1 Forsberg (79.)

RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Ilsanker, Upamecano, Halstenberg (82. Saracchi) – Laimer, Demme – Sabitzer, Werner, Forsberg (80. A. Haidara) – Nkunku (76. Schick)

Effzeh: Horn – Ehizibue, Bornauw, Czichos, Hector – Skhiri (46. Kainz), Höger (70. Terodde), Verstraete –  Schindler (59. Risse), Jakobs – Modeste

Schiedsrichter: Robert Schröder

Gelbe Karten: – / Verstraete, Kainz, Terodde

Zuschauer: 42.036

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