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Sportchef-Suche: Darum nutzt der FC einen Personalberater

Der 1. FC Köln sucht einen neuen Geschäftsführer Sport und greift dabei auch auf die Hilfe einer Personalberatung zurück. Ein Vorgehen, das nicht bei allen Fans auf Verständnis stößt. Warum ist die externe Hilfe eines Headhunters bei der Suche nach einem neuen Sportchef nötig? Die Erklärung findet sich auch im Selbstverständnis des Fußball-Business.

Köln – Es war einer der Sätze in der Pressemeldung vom Dienstag, die hinterher heiß diskutiert wurden: „Wir haben die Anforderungen an die neue Sport-Geschäftsführung herausgearbeitet und eine Personalberatung mit der Suche des Nachfolgers von Armin Veh beauftragt“, ließ der FC-Vorstand wissen. Nebst einigen Fans in den Foren kommentierte die Bild diesen Vorgang mit den Worten: „Klingt mehr nach der Wirtschafts-Welt, aus der Kölns Klub-Bosse kommen, als nach Bundesliga-Alltag.“

Tatsächlich kommen Werner Wolf, Eckhard Sauren und Jürgen Sieger aus der freien Wirtschaft, waren bzw. sind Unternehmer, Geschäftsführer, Juristen und arbeite(te)n in Großkonzernen, in denen offene Stellen häufig in Zusammenarbeit mit professionellen Headhuntern besetzt werden. Personalberater, die in Abstimmung mit dem Unternehmen auf Basis eines ausgearbeiteten Profils eine Kandidatenliste erstellen und erste Sondierungsgespräche führen, abklopfen, ob Kandidaten überhaupt zur Verfügung stehen, wenn ja, unter welchen Bedingungen, die also die Vorarbeit leisten, ehe die entscheidenden Gespräche von der Unternehmensführung selbst übernommen werden auf Basis der Empfehlungen und Bewertungen der Kandidaten durch die Personalberater.

Personalberater beim FC keine Neuheit

Auch beim 1. FC Köln haben Personalberater in der Vergangenheit bereits Posten besetzt, nicht nur auf der Ebene der Geschäftsführung, sondern auch auf anderen Ebenen in nicht öffentlichkeitsnahen Abteilungen. So teilte 2012 der damalige Präsident Werner Spinner mit, dass der künftige Geschäftsführer Alexander Wehrle „von einer achtköpfigen Auswahlkommission mit Vertretern aller FC-Gremien und einem professionellen Assessment-Verfahren ausgewählt worden“ sei. Mit im Boot waren damals auch Personalexperten. Headhunter wurden auch 2017 ins Boot geholt auf der Suche nach einem Nachfolger für Jörg Schmadtke. Zwar hatte Finanzboss Wehrle erst Horst Heldt und später Armin Veh intern vorgeschlagen. Doch Heldt erklärte später öffentlich, über einen Personalberater Gespräche mit und über den FC geführt zu haben.

Das Vorgehen des FC ist also keineswegs neu, zumal der Vorstand ebenfalls bereits erklärte, wie der Prozess bislang verlaufen sei. Ein Anforderungsprofil sei in Abstimmung mit dem Sport-Kompetenzteam (Jörg Jakobs und Erich Rutemöller) erstellt worden. Darüber hinaus wurde „eine Vorauswahl von Kandidaten bereits getroffen“. Die Namen auf dieser Liste im Erstkontakt abzuarbeiten, ist nun die Aufgabe des Headhunters. Ein Vorgang, der in anderen Branchen gang und gäbe ist, auch, um Vetternwirtschaft zu vermeiden. Eine neutrale Instanz soll als Puffer dienen, um den Prozess zu einem professionellen Abschluss zu bringen.

Videobeweis zeigt die Ignoranz der Fußballbranche

Freilich ist ein solches Vorgehen in der Bundesliga selten. Häufig werden Jobs, gerade in sportlicher Verantwortung, über persönliche Kontakte und Verbindungen vergeben. So gelangen von außen nur selten echte Neulinge in die Branche, Quereinsteiger werden im Fußball-Business mit Argusaugen betrachtet. Der Fußball, aus Tradition gut darin sich selbst zu schützen und nach außen hin abzukapseln, bleibt auf diese Art und Weise möglichst unter sich. Das Beispiel des Videobeweises zeigte in den vergangenen Jahren, wie der Fußball sich den Erkenntnissen aus anderen Sportarten verschloss, obwohl dort die Technologie bereits seit Jahren erfolgreich eingesetzt wurde. Das Ergebnis war ein unausgegorenes Produkt, das dem Fußball bislang mehr schadet als nützt.

Der 1. FC Köln versucht das Motto „Das haben wir schon immer so gemacht“ zu durchbrechen. Ob es gelingt, wird erstens der Name des Nachfolgers von Armin Veh und zweitens dessen künftiger Erfolg oder Misserfolg zeigen. Klar ist aber: Der FC bräuchte für die bekannten, großen Namen eigentlich keinen Personalberater. Doch selbst die würden, wie das Beispiel Heldt aus 2017 zeigt, von dem externen Partner abgedeckt. Weil der Klub aber keine großen finanziellen Spielräume hat, müssen die Verantwortlichen auch alternative Pfade zu dem schmalen und allzu ausgetretenen Weg des Offensichtlichen suchen, um im Zweifel einen neuen Sportchef aus dem Hut zu zaubern, mit dem in der Öffentlichkeit nicht unbedingt zu rechnen war. So wie 2012 mit dem damals erst 37-jährigen Alexander Wehrle. Seine Geschichte ist bekannt.

22 Kommentare
  1. OlliW says:

    Schön erklärt. Es soll ja Leute geben, die Probleme mit dem Verständnis marktüblicher Vorgänge haben, die bei einem Fußballclub nichts zu suchen hätten. Als Nörgler hat man dann die Wahl: Lehnt man diese Wirtschaftsfuzzis mit ihren aus der dem normalen Arbeitsleben stammenden Gepflogenheiten ab oder wünscht man sich stattdessen „Golfplatz-Abmachungen“ unter Klüngel-Brüdern?
    Wir werden es sehen. Kommt ein völlig neuer Name ins Spiel, heiß es: Kenn ich nit, dä kann nix! Wird es am Ende doch ein bekannter Name heißt es, warum dafür erst ein Profil schreiben und Geld für eine Personalfirma „veruntreuen“ ;-)

  2. mcwolli77 says:

    Dieses Vorgehen ist in der Wirtschaft ein nicht mehr weg zu denkendes Konstrukt der Mitarbeiterrekrutierung.
    Und mal ganz ehrlich, im Grunde ist der FC nichts anderes als ein Wirtschaftsunternehmen. Der Unterschied ist lediglich das sich jedes zweite Wochenende 50000 Menschen live die Errungenschaften und Ergebnisse anschauen und danach bei einem Bier beurteilen.
    Ob man Headhunter im Fussball wirklich braucht , kann ich auch nicht wirklich beurteilen, jedoch das Vorgehen als solches, zur Besetzung einer Führungsposition, leuchtet dann doch ein.

    Hoffen wir das Beste für unseren FC. Verdient hätte er es. Und wir auch.
    LG an euch alle.

    • Boom77 says:

      Die Frage ist auch, können Headhunter Fußball überhaupt. Es ist ja nicht so, als wären auf der Position des GF Sport ausschließlich die gleichen Kenntnisse notwendig, die es auf den verschiendenen stellen in der wirtschaft gibt. Was bei einem Finanzvorstand einer Bank mit Headhuntern noch funktionieren mag, geht vielleicht bei einem GF Sport über das hinaus, was die landläufig in ausschließlich in der wirtschaft tätigen Headhuntern gar nicht beurteilen und leisten können.

      Gut, wenn man selbst das Profil (mit Kompetenzteam) erstellt und die Namen aufgeschrieben hat, mag dies etwas anderes sein. Tatsächlich fragt man sich dann aber, warum man zum Telefonieren noch einen Headhunter braucht. Um „Vetternwirtschaft“ auszuschließen? Ob ich jetzt meine „Spezies“ auf eine Liste schreibe und diese einem Headhunter zum „abtelefonieren“ gebe oder diese „Spezies“ gleich selbst anrufe, ist, was die „Vetternwirtschaft“ betrifft, doch völlig wuppe.

  3. Karl Heinz Lenz says:

    Mich persönlich würde es interessieren, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen sportlichem Erfolg und dem Einsatz von Personalberatern. Also: Setzen die Vereine, die seit vielen Jahren sportlichen Erfolg haben (Bayern, BVB, Gladbach, Leverkusen, Werder, Mainz, Eintracht, Freiburg und zuletzt Leipzig) nachweisbar Personalberater ein? Habe ich nie von gehört. Oder kann man nachweisen, dass die Vereine, die dauerhaft in der Krise sind, allesamt keine Personalberater haben – im Unterschied zu den erfolgreichen Klubs. Keine Ahnung. Barca, Real, ManU, ManCity, Liverpool, und wie alle heißen, setzen diese Erfolgsklubs Personalberater ein? Keine Ahnung.
    Wenn jemand nachweisen könnte, dass es einen Zusammenhang zwischen sportlichem Erfolg und Personalberatung gäbe, wäre ich sofort dabei. Allgemeine Aussagen: „Das ist aber in der Wirtschaft allgemein üblich!“ reichen mir nicht. Ich vermute eher, dass Dr. Wolf das deshalb macht, um sich gegen mögliche Kritik durch angebliche Objektivität abzusichern. Denn jede Personalentscheidung des FC wird in Köln immer kritisiert werden.

  4. Franz-Josef Pesch says:

    Jetzt wird sogar ein Haedhunter gesucht der dem FC einen Sportdirektor vorschlägt. !!?? Warum nimmt man keine „Glaskugel“, warum zieht man nicht eine Karte mit einem Namen ? Da sieht man erst die Unfähigkeit des Vorstandes und der Entscheidungsgremigen. Keiner will Schuld haben an einer Entscheidung, wie erbärmlich ist das denn ? Der FC wird immer mehr zur Lachnummer der Bundesliga.

    • mapema says:

      Ähm ja. So ein Kommentar kommt raus, wenn man emotional an die Sache ran geht. Glaskugel oder Karten nimmt man nicht, weil dann der Zufall entscheidet. Daher wählt der Headhunter die in Frage kommenden Kandidaten aus und der Vorstand lädt diese zu den Gesprächen ein. Danach wird der/die passende Person genommen. Also kein Zufall.
      Wir können es ja aber nochmal so machen wie der alte Vorstand bei der Nachfolgersuche von Schmadtke. Der zweite GF fragt einen alten Kumpel, ob er Lust auf einen Trainerjob hat. Falls nicht, dann bieten wir ihm den Geschäftsführerposten an.
      Welche Vorgehensweise bevorzugen Sie?
      Nur weil es bisher nicht üblich bzw nicht bekannt war, dass auch Fußballvereine Personalagenturen nutzen, ist dieses Vorgehen nicht grundsätzlich schlecht und peinlich. Ich finde es eher sachlich und professionell, wie unser Vorstand. Trotzdem ist dies natürlich auch keine Garantie für eine erfolgreiche Lösung.
      Aber Sie haben wahrscheinlich auch auf Trainer wie Nagelsmann, Tuchel oder Kohfeldt geschimpft, da diese keine Spielerkarriere mit mindestens 300 erste Liga Spiele und 100 Länderspiele vorzuweisen haben. So etwas geht doch nicht im heiligen Fußball.
      Und heute ist man froh über die neue Generation, statt wie immer auf Neururer zurückgreifen zu müssen.
      Andere Beispiele sind noch die neuen Trainingsmethoden die Klinsmann etabliert hat. Früher verspottet, heute nicht wegzudenken.
      Also vielleicht sollte sich der Fußball weiter öffnen um sich weiter zu optimieren.

    • lamps8 says:

      Ein klassischer Fall von erst lesen dann schreiben.

      Zitat aus dem Artikel: „Ein Anforderungsprofil sei in Abstimmung mit dem Sport-Kompetenzteam (Jörg Jakobs und Erich Rutemöller) erstellt worden. Darüber hinaus wurde „eine Vorauswahl von Kandidaten bereits getroffen“. Die Namen auf dieser Liste im Erstkontakt abzuarbeiten, ist nun die Aufgabe des Headhunters.“

  5. mapema says:

    Was ich mich frage, was das für eine Agentur ist. Ob sie Erfahrungen im Fußballgeschäft hat. Einen GF für Finanzen kann jede Agentur finden. Dieser muss nicht mal Ahnung vom Fußball haben. Aber ein GF Sport ist doch schon speziell. Hat die Agentur dafür eine Datenbank mit geeigneten Kandidaten oder zumindest gute Quellen? Ich wüsste jetzt nicht auf Anhieb, wo ich gucken könnte, um nicht nur die üblichen Personen anzusprechen.

    • Karl Heinz Lenz says:

      Berechtigte Frage! Ein Personalberater muss sich doch in der sehr kleinen Branche Profifußball auskennen. Gibt es denn solche Personalberater? Kann man sich vorstellen, dass Hoeneß und Rummenige vor der Berufung von Kahn einen Personalberater beauftragt hatten? Oder Watzke bei der Berufung von Kehl? Oder Völler bei der Berufung von Bosz, oder Werder bei der Berufung von Baumann? Das glaubt doch kein Mensch!!!

      • mapema says:

        Es kommt drauf an. Manche Vereine haben das Glück, dass sie dafür fähige Spieler hatten. Wir eben nicht. Trotzdem werden sich auch andere Vereine Meinungen einholen. Vielleicht haben diese auch schon Headhunter benutzt.
        Werner Spinner zum Beispiel hat sich bei Uli Hoeneß über Schmadtke erkundigt.

        • Boom77 says:

          „Personalberatung Hoeneß“… die ist ja landläufig bekannt. Ich hoffe, die haben wir wieder beauftragt. Was hatte denn der Hoeneß über den Schmadtke zu sagen, würde mich mal interessieren? Der Schmadtke war doch nie in irgendeiner Art und Weise dort tätig, wo der Hoeneß wirkte… Oder hat der Schmadtke ein Praktikum in Der Würstlefabrik vom hoeneß gemacht?

    • Boom77 says:

      Im Artikel heißt es doch, die Namen hätte man vorher mit dem Kompetenzteam ausgesucht und den Heahuntern gegeben. Die Telefonieren jetzt mal. um da mal bei der „Vetternwirtschaft“ zu bleiben, die im Artikel genannt wird… ich gehe schwer davon aus, dass die beauftragte Personalberatung das ganz kostenfrei für den FC macht und keiner aus dem Vorstand irgendwen von dieser Personalberatung kennt ;)

  6. Boom77 says:

    Mal was anderes… aber auch zum Thema. Haben wir eigentlich auch eine Personalberatung beauftragt, um den neuen Vorstand zu finden oder hat der Herr Müller-Römer sich über diese drei Herren auch zuvor beim Herrn Hoeneß informiert?

  7. Norbert Neuheisel says:

    Warum macht man keine öffentliche Ausschreibung um zu sehen, wer überhaupt an diesem Schleudersitz-Posten interessiert ist? Oder traut man sich selbst eine fachliche Beurteilung beim FC nicht mehr zu – den Vorstand mal ausgenommen?

  8. Mike Quincy says:

    Ich glaub die Personalsucher haben den Calli in der Hinterhand. Der machts. Däffenetiff. Und der bringt zur Unterstützung den äh, äh, äh Christoph Daum mit. Der eine ist gut vernetzt in die Türkei und der andere nach Brasilien und in den Balkan. Und als Trainer installieren die beiden Toni Polster.

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