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Vorstand erkauft sich Zeit für „grundlegende Entscheidungen“


Der neue Vorstand des 1. FC Köln steht vor der ersten Bewährungsprobe seiner noch jungen Amtszeit. Die FC-Bosse müssen nicht nur über die Zukunft von Achim Beierlorzer beim FC entscheiden, sondern damit gleichzeitig auch über jene von Sportchef Armin Veh und wohl auch von Lizenzspieler-Leiter Frank Aehlig, damit also über die gesamte sportliche Führung. Kein Wunder, dass sich das Präsidium mit der Galgenfrist für Beierlorzer zunächst Zeit erkauft hat, aber auch von „vielen grundlegenden Entscheidungen“ sprach, die es zu treffen gelte.

Köln – Die Fans des 1. FC Köln waren am Dienstag entgeistert. Nachdem am Montag alles nach einem Rauswurf von Trainer Achim Beierlorzer aussah, hieß es tags drauf: Kommando zurück, Beierlorzer bekommt gegen Hoffenheim noch einmal eine Chance auf die Wende. Jene FC-Anhänger, die für einen sofortigen Trainerwechsel waren, konnten es nicht fassen. Jene Fans, die dagegen für Beierlorzer waren, sahen den FC-Coach durch das Hin und Her nur noch mehr beschädigt und geschwächt. Doch der Vorstand wusste wohl, dass er in der jetzigen Situation nicht hätte gewinnen können.

Das Problem schimmerte am Dienstagmittag in der Pressemitteilung durch, die der Klub verschickte. Es gehe darum, „nicht mit Schnellschüssen und nicht über Nacht“ zu handeln, denn es seien „viele grundlegende Entscheidungen zu treffen“. Dass damit nicht nur die Trainerfrage gemeint sein konnte, war sofort klar. Der Vorstand ließ vielmehr durchscheinen, dass auch eine sofortige Ablösung von Armin Veh nicht mehr ausgeschlossen ist. Denn Veh hatte sich intern offenbar trotz des sportlichen Absturzes vehement für Beierlorzer ausgesprochen und dem Willen des Vorstands nicht folgen wollen, Beierlorzer sofort zu entlassen. Dies machte die Meldung deutlich, in der es hieß, dass „Geschäftsführung und Sportkompetenzteam“ – nicht aber der Vorstand – davon überzeugt seien, dass der 51-Jährige doch noch die Wende schaffen könne. Ob die sportlichen Berater des Vorstands (Jörg Jakobs, Erich Rutemöller) tatsächlich weiterhin von Beierlorzer überzeugt sind, steht auf einem anderen Blatt. Sicher ist lediglich, dass Veh und offenbar auch Alexander Wehrle für Beierlorzer eintraten.

Veh-Demission würde auch Aehligs Zukunft betreffen

Womit das zweite Problem in diesem Schreiben offenkundig wurde: Nur die Geschäftsführung hat die formale Berechtigung, einen Angestellten der KGaA – und das ist Beierlorzer – von seinen Aufgaben zu entbinden. Würde der Vorstand sich über die Geschäftsführung hinwegsetzen, müsste er diese erst abberufen, also ebenfalls entlassen. Ob Veh es inzwischen genau darauf anlegt, ist nicht bekannt. Auch nicht, welche Position Wehrle dabei einnimmt. Klar ist nach dem Gremien-Marathon am Montag und der Mitteilung am Dienstag jedoch: Der neue Vorstand und die Geschäftsführung sprechen keine gemeinsame Sprache.

Auch deswegen hat das Präsidium die Suche nach einem Veh-Nachfolger intensiviert, wohl wissend, dass auch die Zukunft von Frank Aehlig trotz dessen Vertragsverlängerung im Falle einer Veh-Demission fraglich wäre und somit die gesamte sportliche Führung zur Debatte stünde. „Eine Vorauswahl von Kandidaten wurde bereits getroffen“, teilte das Trio um Präsident Werner Wolf mit. Man werde nun Kontakt zu den jeweiligen Kandidaten aufnehmen und Gespräche führen. Und das wohl schon sehr bald, denn das Vertrauen der FC-Führung in Beierlorzer gilt bekanntlich nur noch für das Spiel gegen Hoffenheim. Sollte der FC erneut verlieren, würde die Länderspielpause wohl einen Personalwechsel erleben. Allerdings müsste dann Sportchef Veh mitspielen – oder ebenfalls den Hut nehmen.

Wehrles Einfluss auf Veh-Nachfolge gesunken

Abschließend verwies der Vorstand in seiner Mitteilung explizit auf eine Personalberatung als Partner bei der Suche nach einem neuen Geschäftsführer Sport. Dies kann als Hinweis in Richtung Alexander Wehrle verstanden werden. Der Finanzboss hatte sich im Herbst 2017 darin hervorgetan, seinen Co-Geschäftsführer selbst aussuchen zu wollen. Zunächst nahm er Kontakt zu Horst Heldt auf. Als der Deal scheiterte, stellte Wehrle den Kontakt zu Veh her. Den Anspruch eines Mitspracherechts auf die Veh-Nachfolge hat Wehrle auch jetzt wieder formuliert. Dass nun aber nicht Wehrle, sondern eine Personalberatung die Ansprache der Kandidaten übernimmt, dürfte darauf hindeuten, dass Wehrles Einfluss auf die Entscheidung deutlich gesunken ist. Dem FC steht also ein Winter mit „vielen grundlegenden Entscheidungen“ bevor.

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