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Zu wenig Punkte, aber kein Ultimatum für Beierlorzer?


Wenn es nach Armin Veh geht, gibt es für Trainer Achim Beierlorzer vor dem Derby bei Fortuna Düsseldorf kein Ultimatum. Der Sportchef des 1. FC Köln stützt seinen Coach, beide nehmen die Mannschaft in die Pflicht. Aber reicht das jetzt noch, da Veh gar nicht mehr alleine über die Trainerfrage entscheiden kann?

Köln – Armin Veh kennt die Diskussionen, die im Misserfolg entstehen. Vielleicht kennt kaum jemand in der Bundesliga diese Diskussionen besser. Als Trainer hat er sie selbst über zwei Jahrzehnte erlebt. Als Sportchef musste er beim FC ebenfalls schon mehrere Trainer-Entscheidungen treffen und sich von zwei Übungsleitern (Ruthenbeck, Anfang) trennen. Kommt in seiner bisher nicht einmal zweijährigen Amtszeit nun eine dritte hinzu?

„Wir spielen in der Bundesliga. Es ist normal, dass solche Diskussionen anfangen“, sagt Veh am Freitag, als Beierlorzer auf der Pressekonferenz vor dem Derby in Düsseldorf neben ihm sitzt. Doch Veh lässt keine versteckten Seitenhiebe in Richtung des 51-Jährigen los, wie er es schon mal bei Ruthenbeck oder Anfang gemacht hat. Veh keilt stattdessen gegen die Spieler aus. „Die Mannschaft hat ja auch dazu beigetragen, dass es diese Diskussion gibt – zum Beispiel mit dieser dämlichen Niederlage in Saarbrücken.“ Ein Ultimatum, eine Vorgabe an Punkten für die Spiele gegen Düsseldorf und Hoffenheim vor der Länderspielpause? Nicht mit Veh. „Ein Ultimatum würde ich nie stellen. Das wäre zu oberflächlich. Ich muss doch sehen, wie die Mannschaft spielt. Die Mannschaft kann ein gutes Spiel machen und trotzdem verlieren. Was dann? Schmeiße ich den Trainer raus, weil ich ihm ein Ultimatum gesetzt habe? Das wäre Aktionismus.“

Was macht die Machtverschiebung mit dem FC?

Veh ist jedoch längst bewusst, dass er die alleine Entscheidungsgewalt über diese Frage verloren hat. Der entscheidende Satz am Freitag lautet: „Meine Position ist nicht mehr die, die sie vorher war.“ Der Geschäftsführer ist nur noch auf Abruf im Amt, soll die Geschäfte weiter führen, die sportliche Abteilung im Griff behalten, das Erreichen des Klassenerhalts mitgestalten. Zumindest, solange es keinen Nachfolger für ihn gibt. Sollte der Vorstand nach einem der nächsten Spiele jedoch zu dem Schluss kommen, dass es einen anderen, möglicherweise erfahreneren Trainer als Beierlorzer braucht, um die Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen, dürfte Veh nur noch wenig Argumente haben. Er könnte dann zwar von selbst vorzeitig seinen Hut nehmen. Doch seine Bewertung der Situation wird von nun an eben nur noch ein Teil der Gesamtbewertung sein, nicht mehr die alles entscheidende.

Und so klingt auch Beierlorzers Versuch, die Personalie als für die aktuelle Situation unwichtig abzutun, wenig glaubwürdig. „Armin unterstützt uns volle Kanne. Seine Situation ist unabhängig von unserem Handeln. Das müssen wir ausblenden“, sagt der FC-Trainer. Dabei hat er selbst in den letzten Wochen immer wieder betont, die Diskussionen im Umfeld, der Druck der Fans und der Medien, die Ergebnisse der letzten Wochen – kurzum: die gesamte Atmosphäre rund um den Klub – „macht etwas mit den Spielern“. Worte, die Beierlorzer wie eine Mahnung stets wiederholt hat, um zu zeigen, wie viel auf seine Spieler einwirken würde. Dass jetzt der Rückzug des Sportchefs und damit einhergehende Machtverschiebung am Geißbockheim keine Rolle spielen soll, klingt eher wie eine Hoffnung denn wie die Realität.

Woran sich Beierlorzer jetzt messen lassen muss

Sehr wohl dürften die Spieler am Freitag zugehört haben, als Veh und Beierlorzer die Mannschaft in die Pflicht nehmen. Drei Punkte habe man zu wenig auf dem Konto, sagen Sportchef und Trainer unisono. „Jeder Einzelne muss mit sich ins Gericht gehen und kritisch hinterfragen“, sagt Beierlorzer. Nach dem desolaten Auftritt in Saarbrücken, dem unerklärlichen Einbruch in Mainz und den teils dramatisch schlechten Auftritten einzelner Stars soll in Düsseldorf eine Trotzreaktion her, ähnlich wie vor einem Monat. Ob dieses kritische Hinterfragen aber tatsächlich erfolgt ist, muss sich erst noch zeigen. Die harte Hand werden die Spieler jedenfalls nicht zu spüren bekommen. „Wir können jetzt nicht sagen: Der muss weg oder jener muss weg. Das ist nicht unser Weg. Ein Abstrafen von Spielern wird es bei mir nicht geben“, sagt der FC-Coach. Finden sich am Sonntag also doch wieder die üblichen Verdächtigen im Kader wieder oder muss eventuell einer der formschwachen Arrivierten von der Tribüne aus zuschauen? „Wir müssen den Spielern helfen, wieder zu ihren Topleistungen zu finden. Das ist unser Job“, sagt Beierlorzer. Und genau daran wird er sich messen lassen müssen. Schon am Sonntag in Düsseldorf.

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