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Beharrlich und selbstbewusst hat Gisdol den FC geweckt


Nur wenige FC-Fans dürften nach dem erschreckenden Auftritt der Geissböcke bei Union Berlin vor zwölf Tagen für möglich gehalten haben, dass der 1. FC Köln in den folgenden Spielen gegen Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt zwei verdiente Siege einfahren würde. Auch, weil die Zweifel des Umfelds an Markus Gisdol vom ersten Tag an den neuen FC-Trainer begleiteten. Nun aber hat der 50-Jährige eine erste Duftmarke gesetzt.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Selten ist ein Trainer mit derartiger Skepsis bei einem Bundesligisten empfangen worden wie Markus Gisdol am 19. November beim 1. FC Köln. Während Achim Beierlorzer beim 1. FSV Mainz 05 freundlich empfangen, Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC gar wie der Messias erwartet wurde, muss sich Gisdol vorgekommen sein wie die Sau, die schon durchs Dorf getrieben wurde, noch ehe sie die Stadtmauern erreicht hatte.

Die Skepsis hatte viele Gründe. Neben Gisdols langer Arbeitslosigkeit und dessen letzter Referenz (Hamburger SV) gingen viele der negativen Gefühle dem 50-Jährigen gegenüber jedoch auf die Unzulänglichkeiten innerhalb des 1. FC Köln zurück. Der Verein selbst hat in den letzten zweieinhalb Jahren nicht gerade dafür gesorgt, dass man den Entscheidungen der Verantwortlichen großes Vertrauen entgegen bringen konnte. Und so waren die Vorurteile gegenüber Gisdol groß – und sie schienen sich in den ersten Spielen gegen Leipzig, Augsburg und vor allem bei Union Berlin zu bestätigen.

Der FC-Trainer als Vorbild für die Mannschaft

Es kann Markus Gisdol nicht hoch genug angerechnet werden, dass er sich von all dem nicht aus der Ruhe bringen ließ. Der Schwabe vermittelte stets das Gefühl, dass ihn die Geschehnisse nicht aus der Fassung bringen konnten. Stattdessen brauchte es offenbar drei Wochen, ehe der 50-Jährige genügend Eindrücke von seinen Spielern gesammelt hatte, um Stück für Stück eine bessere Mischung auf dem Rasen zu finden. Gegen Augsburg hatte dies nach der Halbzeitpause schon ordentlich funktioniert. Dass Gisdol gegen Union das Rad noch einmal zurückdrehte, gehörte womöglich zu der Entwicklung dazu, die die Mannschaft unter dem neuen Trainer durchlaufen musste.

Seit dem personellen Schnitt gegen Leverkusen läuft einiges anders beim FC – im wahrsten Wortsinn. Nicht nur, dass die Spieler erstmals in dieser Saison 3,5 Kilometer mehr liefen als der Gegner. Gisdol hat offenbar einen Weg gefunden, den FC-Profis klar und deutlich zu vermitteln, was es im Abstiegskampf braucht. Einsatzwille, Glaube und Moral waren gegen Leverkusen und Frankfurt klar auf Kölner Seite. Das hat man in dieser Form beim FC länger nicht mehr erlebt. Womöglich konnte Gisdol diese Qualitäten auch deswegen so glaubhaft vermitteln, weil er sie selbst vorlebt, nachdem er mit so viel Gegenwind gestartet war. Die Spieler konnten an ihrem Trainer beobachten, wie man sich einer solchen Hürde stellt. Der FC-Trainer fungierte so als bestes Vorbild für die Mannschaft.

Wird Bremen das bislang schwerste Spiel?

Der Abstiegskampf zeichnet sich allerdings auch dadurch aus, dass jedes Spiel aufs Neue wieder ein Test der gerade erst gewonnenen Qualitäten darstellt. Gefestigte Mannschaften stehen bekanntlich nur höchst selten im Tabellenkeller. Und so wird der FC in der Partie am Samstag gegen den SV Werder Bremen beweisen müssen, dass die letzten zwei Spiele wirklich etwas bewirkt haben. Zudem galt der Effzeh gegen Bayer und die SGE als Außenseiter. Nach den zwei Kölner Siegen und den beiden jüngsten Klatschen des SVW (1:6 und 0:5) könnte man nun aber auf die Idee kommen, Köln wäre leicht favorisiert. Auch damit wird die Gisdol-Elf umgehen müssen, und so könnte der Abschluss der Hinrunde am Samstag für Gisdol und seine Mannschaft zum vielleicht bislang schwersten Spiel werden. Erstmals unter dem neuen Coach gilt es eine Aufwärtstendenz zu verteidigen. Da trifft es sich gut, dass Gisdol in der letzten Woche eine erste Duftmarke gesetzt und sich somit eine gehörige Portion Glaubwürdigkeit und Stärke erarbeitet hat.

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