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Gisdols Glück: Es ist nicht alles Gold, was glänzt


Dass der 1. FC Köln bei Eintracht Frankfurt eine bemerkenswerte Leistung hingelegt hat, kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die Geissböcke weiter viel Arbeit vor sich haben. Das 4:2 (1:2) bei der SGE war ein verdienter Sieg. Doch wie schon gegen Leverkusen führten besondere Umstände zu dem Dreier. Der FC hat noch einen langen Weg vor sich, hat nun aber das Rüstzeug zur Verfügung, um die Saison erfolgreich zu bestreiten.

Geschichte des Spiels: Es waren die Standards, die das Spiel entschieden. Erst hätte Frankfurt beinahe die Partie bereits zu Gunsten der Adler in Richtung eines Sieges gelenkt. Zwei Ecken, zwei Tore. Doch das konnte am Mittwoch auch der 1. FC Köln. Florian Kainz zeigte nach seiner Einwechslung das vielleicht beste Spiel im FC-Dress, seine Ecken waren brandgefährlich, seine zweiten Bälle perfekt. Und so kippte ein Spiel, das nach 30 Minuten schon so gut wie entschieden schien.

Das Ergebnis: Das 4:2 für den 1. FC Köln war letztlich auch in der Höhe verdient. Je länger die Partie dauerte, desto weniger Kraft hatte Frankfurt, desto stärker überpowerte der Effzeh die SGE. Die frühen Treffer durch Hinteregger und Paciencia reichten einer völlig übermüdeten Eintracht nicht. 30 Spiele in einem halben Jahr waren einige zu viel, und so ging Frankfurt in der zweiten Halbzeit ein wie eine zunächst noch strahlende, aber dann nicht mehr gewässerte und arg vernachlässigte Blume. Sie verwelkte zusehends, während der FC in Folge des Anschlusstores von Jonas Hector aufdrehte. Bornauw, Drexler und Jakobs stellen das Spiel auf den Kopf und bescherten dem Effzeh den zweiten Dreier in Folge.

Szene des Spiels: Sechs Tore – aber die eigentliche Szene des Spiels lieferte Timo Horn. Man muss dem Torhüter des 1. FC Köln zugute halten, dass er sich wieder zu fangen scheint. Es lief die 74. Minute in der Commerzbank-Arena. Köln hatte gerade zum 2:2 ausgeglichen, da brach die Eintracht noch einmal durch. Kamada zog von halbrechts in den Strafraum. Skhiri ließ sich allzu leicht austanzen und plötzlich tauchte der Japaner zehn Meter vor dem Kölner Tor alleine vor Timo Horn auf. Doch der Torhüter der Geissböcke eilte aus seinem Kasten und wehrte den Schuss des Frankfurters mit großem Einsatz ab. Horn verhinderte den erneuten Rückstand und ermöglichte so den Geissböcken den Schlussspurt zum Sieg. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte der Effzeh nach der Aufholjagd und dem Ausgleich postwendend das 2:3 kassiert. Es hätte dem FC womöglich das Genick gebrochen. Doch auf Horn war am Mittwoch Verlass.

Duell des Spiels: Es waren zwei gänzlich unterschiedliche Halbzeiten, die Filip Kostic und Benno Schmitz gemeinsam verbrachten. In Hälfte eins hatte man größte Sorgen um den Kölner Rechtsverteidiger. Seine Beine waren nicht schnell genug, seine Richtungswechsel behäbig, sein Gegner eine Klasse besser, man konnte die Alpträume für Schmitz kommen sehen. Kostic machte mit dem Kölner, was er wollte. Doch nach der Pause änderte sich dies. Zwar sah Schmitz auch da nicht in allen Situationen gut aus, doch weil der FC gesamthaft besser verteidigte, aggressiver und offensiver zu Werke ging, war Schmitz von vorne herein näher an Kostic dran und ließ den Serben über dessen Seite nicht mehr so beliebig zum Zuge kommen wie noch in Hälfte eins. Dennoch ließ dieses Spiel keinen Zweifel daran, dass der FC hinten rechts ein Problem hat, sofern Kingsley Ehizibue seine Leistungen nicht irgendwann auf einem für ihn durchaus möglichen hohen Niveau stabilisiert.

Zitat des Spiels: In der vierten Minute der Nachspielzeit lief Ismail Jakobs zum Glück. Von Anthony Modeste bedient, rannte er allen davon und traf zum 4:2-Endstand. Es war sein erstes Bundesliga-Tor und der richtige Zeitpunkt, sich seines Trikots zu erledigen. Offenbar wusste er genau, wie das geht. Denn später sagte er der Sportschau: „Manchmal habe ich vor dem Spiegel geübt, wie ich mein Trikot ausziehe.“ Nur hatte er daheim vor dem Spiegel keinen Schiedsrichter, der ihm dafür die Gelbe Karte zeigte. Das übernahm in Frankfurt Deniz Aytekin.

Erkenntnis des Spiels: Markus Gisdol kann sich doppelt freuen. Das 4:2 bescherte seiner Mannschaft nicht nur den Sprung auf Rang 15, den zweiten Sieg in Folge und somit eine breite Brust mit viel Selbstvertrauen. Der FC-Coach hat auch einige Punkte, die er ansprechen kann, um seine Spieler gleich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Wie es Sportchef Horst Heldt am Tag nach dem Sieg ausdrückte: „Wir müssen es richtig einordnen. Wir dürfen jetzt nicht denken, dass das Spiel am Samstag gegen Bremen leichter wird. Es war ärgerlich und da müssen wir nicht drum herumreden, dass wir wieder zu einfache Gegentore bekommen haben und zu leichte Fehler machen. Das muss sich wirklich ändern. Wenn wir auch nur ein Prozent weniger investieren, werden wir eines Besseren belehrt werden.“ Beim FC ist also längst nicht alles Gold, was glänzt. Doch es ist inzwischen auch nicht mehr alles Billigware aus China. Wobei China ein ganz anderes Thema ist.

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