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Gisdols richtige Entscheidungen – Risses Achterbahn bis zur Verletzung


Marcel Risse erlebt im Derby des 1. FC Köln gegen Bayer Leverkusen erst die schönsten Momente eines Fußballers, um sich dann aber zu verletzen. Markus Gisdol reagiert auf die letzten Wochen und setzt personell auf genau jene Qualitäten, die zuletzt fehlten. Und dann ist beim 2:0-Derbysieg sogar der Schiedsrichter dem FC gut gestellt. Die Lehren aus dem Spiel.

Aus Müngersdorf berichten Sonja Eich und Marc L. Merten

Achterbahn des Spiels: Als Marcel Risse kurz vor Schluss ausgewechselt wurde, ahnte er offenbar schon, was tags drauf kommuniziert werden würde: Der Rechtsaußen hat eine Muskelverletzung erlitten. Für ihn ist das Jahr beendet. Das gab der FC am Tag nach der Risse-Gala gegen Bayer bekannt. Denn der Rechtsaußen hatte eine wahre Achterbahn der Gefühl gegen Leverkusen erlebt. Erst hatte Trainer Markus Gisdol einen 17-Jährigen (Jan Thielmann) ihm vorgezogen. Dann kam Risse nach knapp einer Stunde in die Partie und erlebte zunächst einige missglückte Aktionen. Schließlich aber war er es, der alle drei spielentscheidenden Situationen einleitete: die Aktion von Jhon Cordoba mit einem Pass in die Spitze, die zur Gelb-Roten Karte für Dragovic führte; das 1:0 mit einem Lupfer in den Lauf von Jonas Hector, der daraufhin Cordoba bediente; und schließlich das 2:0 von Sebastiaan Bornauw mit einem perfekt getretenen Freistoß. Umso verärgerter war Risse anschließend über seine Muskelverletzung, nachdem er entscheidend zum Derbysieg beigetragen hatte.

Das Ergebnis: Der 1. FC Köln besiegt Bayer Leverkusen mit 2:0 (0:0) und kann sich auf die Fahnen schreiben, einer der offensivstärksten Mannschaften der Liga praktisch keine echte Torchance ermöglicht zu haben. Bei Moussa Diaby und Kevin Volland musste Timo Horn zwar aus seinem Tor eilen, beim Schuss von Kai Havertz aus 22 Metern die Fäuste zur Abwehr benutzen. Darüber hinaus aber blieb Horn praktisch beschäftigungslos. Die Tore von Cordoba und Bornauw in der zweiten Hälfte sorgten für einen überraschenden wie auch verdienten Kölner Erfolg, den nur die größten Optimisten für möglich gehalten hatten.

Geschichte des Spiels: Neben einer überragenden Defensivleistung, insbesondere im Zentrum von Jonas Hector, Ellyes Skhiri, Sebastiaan Bornauw und Rafael Czichos war es der Mut von Trainer Markus Gisdol, der dem Spiel den Stempel aufdrückte. In einem emotional aufgeladenen Derby, in Zeiten einer tiefen Krise, unter dem Druck des Abstiegskampfes und nach Wochen des Misserfolgs und der personellen Diskussionen bot der 50-Jährige eine in Teilen blutjunge Mannschaft auf, brachte drei junge Eigengewächse (Jakobs, Katterbach, Thielmann), wechselte mit Risse und Cordoba den Sieg ein und lebte an der Seitenlinie jene Energie vor, die die Spieler von der ersten Minuten an in das Spiel einbrachten. Bei jeder guten Aktion feierte Gisdol seine Spieler, feuerte sie an, ballte Fäuste, klatschte ab und rannte nach dem 2:0 erlöst auf das Spielfeld. Gisdol demonstrierte am Samstag erstmals, warum die FC-Verantwortlichen glauben, dass er die Geissböcke tatsächlich retten kann.

Tempo des Spiels: Viel war in den letzten Wochen über die läuferischen Probleme der Geissböcke gesprochen worden. Die Laufleistung stimmte nicht, das Tempo stimmte nicht, die Leidenschaft auch nicht. Am Samstag zog Gisdol klare Konsequenzen. Er bot auf den Flügeln die schnellsten Spieler im Kader auf (Ehizibue und Thielmann rechts, Katterbach und Jakobs links). Dazu setzte er im Zentrum vor der Abwehr auf die drei laufstärksten Mittelfeldspieler: Jonas Hector lief in den 90 Minuten insgesamt 12,5 Kilometer, Ellyes Skhiri kam auf 12,9 Kilometer und Dominick Drexler auf 11,8 Kilometer. Das Trio lief vor der Abwehr alle Lücken zu und Schlüsselspielern wie Kai Havertz entnervend hinterher. Auf den Flügeln zogen Ehizibue und Co. den pfeilschnellen Diaby, Bailey und Co. die Zähne. Am Samstag passten Aufstellung, Qualitäten der Spieler und kämpferischer Einsatz zusammen. Die Belohnung war der Derbysieg.

Pfiff des Spiels: Es lief die 40. Spielminute. Kai Havertz, ansonsten in besten Händen bei den Kölner Defensivarbeitern, hatte für einmal etwas mehr Platz. Der Leverkusener Youngster zog mit Tempo in den Strafraum und legte sich den Ball an Sebastiaan Bornauw vorbei. Der Belgier leistete sich seinen einzigen Fehler und grätschte am Ball vorbei. Havertz wollte das Geschenk ausnutzen und hob ab. Allerdings kam es zu keiner Berührung. Schiedsrichter Manuel Gräfe pfiff – und für einen langen Augenblick fürchteten die Geissböcke, dass es so laufen würde wie zumeist in dieser Saison: Elfmeter gegen den FC. Doch der umsichtige Gräfe entschied zurecht auf Schwalbe und zeigte Havertz die Gelbe Karte. An diesem Tag hatten die Geissböcke die entscheidenden Pfiffe auf ihrer Seite. Dragovics erste Gelbe Karte war eine Fehlentscheidung, das 1:0 durch Cordoba wurde zur Zentimeter-Abseitsentscheidung zugunsten der Kölner, Bailey sah zurecht Rot, Dragovics Gelb-Rote war

Zitat des Spiels: Markus Gisdol resümierte nach dem Derbysieg: „Was der Sieg für uns bedeutet? Dass ich hoffe, dass wir den Blick jetzt nicht verstellt bekommen wie nach Niederlagen. Nach Niederlagen ist nicht alles aus, jetzt ist aber auch nicht alles gut. Der Sieg tut uns gut, mehr aber nicht. Wir müssen weiter, weiter, weiter unglaublich hart an uns arbeiten. Es gehört ganz viel dazu, dieses Ding umzubiegen, aber heute haben wir ein gutes Signal ausgesendet.“

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