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Jorge Meré: Ein Symbol für den Effzeh von 2017 bis heute


So sehr Jorge Meré in seiner Heimat Spanien als großes Defensivtalent geschätzt wird, so schwer hat es der Spanier auch in seinem dritten Jahr beim 1. FC Köln. Nach Roter Karte und Muskelverletzung ist der 22-Jährige am Dienstag wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Unter Markus Gisdol startet der Innenverteidiger einmal mehr von vorn, um sich einen Stammplatz zu erkämpfen.

Köln – Als Jorge Meré sich im Frühsommer 2017 über den 1. FC Köln informierte, ehe er aus Gijon in die Domstadt wechselte, klang alles nach einem vielversprechenden Abenteuer. Der FC wurde seit vier Jahren von dem gleichen Sportchef und dem gleichen Trainer geführt, hatte sich aus der Zweiten Liga bis hin in die Europa League gearbeitet. Die Mannschaft hatte den Ruf einer verschworenen Gemeinschaft guter Freunde. Alles sah danach aus, als ob sich Meré einem der vielversprechendsten Klubs Deutschlands anschließen würde, einem Klub mit Tradition, dessen Kraft gerade erst wieder geweckt worden sei.

Zweieinhalb Jahre später ist Meré ein Teil der tristen Kölner Realität, wie man sie nie wieder erleben wollte. Die Trainer hießen seither Peter Stöger, Stefan Ruthenbeck, Markus Anfang, interimsweise André Pawlak, Achim Beierlorzer und nun Markus Gisdol. Die Sportchefs hießen Jörg Schmadtke, Armin Veh, interimsweise Frank Aehlig und nun Horst Heldt. Im Präsidium wechselte man von Werner Spinner über interimsweise Stefan Müller-Römer zu Werner Wolf. Und die Liga wechselte man auch gleich zweimal von der Bundesliga in die Zweite Liga und zurück. Ob für die Bundesliga oder die Zweite Liga das Wort „interimsweise“ gilt, wird diese Saison entscheiden. In all dieser Zeit war Meré mit dabei, aber auch seine Rolle wechselte ständig. Erst war er ein Hoffnungsträger in der Defensive, dann ein Streitapfel zwischen Trainer und Manager, später Stammspieler, dann wieder draußen, dann wieder dabei, in dieser Saison mehrheitlich wieder draußen – und wenn er spielte, war der Spanier kaum wiederzuerkennen.

Wenn wir da unten stehen, muss etwas falsch laufen

Ob gegen Saarbrücken im Pokal oder gegen die Hertha – aus Meré schrie der pure Frust über seine Situation beim FC, aber auch eine gewisse Lustlosigkeit ob des ständigen Aufs und Abs. In dieser Saison hatte sich Meré das freilich auch selbst zuzuschreiben. Nach dem Gewinn des EM-Titels mit Spaniens U21 war Meré mit etwas zu viel Gewicht und nicht ausreichender Fitness aus dem Sommerurlaub nach Köln gekommen und musste daraufhin erst einmal wieder körperlich in Form kommen. Diese Undiszipliniertheit war Achim Beierlorzer nicht entgangen, und so blieb Meré mehrheitlich nur die Rolle des Zuschauers.

„Die Saison ist bislang nicht so gelaufen, wie ich mir das gewünscht hätte“, gestand Meré am Dienstag. „Die letzten Wochen waren sehr schwer für mich.“ Er sei „sehr motiviert“ gewesen mit dem FC in die Bundesliga zurückzukehren, dann aber setzte sich der 22-Jährige in der Innenverteidigung nicht durch, saß nach der Verpflichtung von Sebastiaan Bornauw mehrheitlich nur auf der Bank, durfte gegen die Hertha ran, sah die Rote Karte, durfte im Pokal in Saarbrücken ran, erlebte dort aber einen alptraumhaften Abend und zeigte erst in seinem bislang letzten Spiel – als zentraler Mann der Dreierkette gegen Hoffenheim -, was eigentlich in ihm stecken könnte.

Meré fühlt sich fit – reicht es für Union?

Meré kommt dieser Tage wie das Symbol für einen Klub daher, der eigentlich höhere Ansprüche hat, sich aber entweder immer wieder selbst ein Bein stellt oder durch unglückliche äußere Umstände ins Straucheln gerät. So passt es, dass der FC einmal mehr im Tabellenkeller steckt und auch Meré mit seiner Situation alles andere als zufrieden ist. „Damit hatte vor der Saison niemand gerechnet“, sagte Meré und meinte zunächst nur die Situation des Klubs, insgeheim aber wohl auch seine eigene. „Wir waren alle sehr positiv. Aber wir machen etwas falsch. Wenn wir da unten stehen, dann muss ja etwas falsch laufen. Das müssen wir schleunigst verbessern.“

Dabei soll er am kommenden Sonntag bei Union Berlin mithelfen. Weil Rafael Czichos gesperrt ist, ist die Position neben Bornauw in der Viererkette freigeworden. Meré wäre die logische Alternative, sollte er denn fit sein. „Ich fühle mich sehr gut und habe keine Beschwerden mehr“, sagte der Spanier am Dienstag. „Ob ich am Wochenende spielen werde, weiß ich noch nicht. Das hat man mir noch nicht gesagt. Ich konzentriere mich in dieser Woche nur darauf, für Union Berlin bereit zu sein.“ Der einzige Konkurrent im Kampf um den zweiten Platz in der Defensivzentrale heißt Lasse Sobiech. Der Hüne hat noch gar keine Minute in dieser Saison gespielt, seine Art würde aber durchaus gut zu Union Berlin und dessen Stürmern passen. Man darf gespannt sein, wie Markus Gisdol am Sonntag entscheiden wird. Alles andere als eine Nominierung Merés wäre zwar eine Überraschung. Doch zur Situation des Spielers (und des Klubs) würde es durchaus passen.

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