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„Keine Eintagsfliegen“: Gisdols Glaube an die Talente

Der Aufschwung des 1. FC Köln hat auch mit den guten Leistungen seiner Talente zu tun. Die jungen Spieler haben sich nahtlos in das System von Markus Gisdol eingefügt und sorgen für eine Portion Unbekümmertheit. Der Trainer ist davon überzeugt, dass sich die Youngsters dauerhaft in der Bundesliga durchsetzen können. Gleichzeitig kündigte er an, ihren Entwicklungsprozess richtig steuern zu wollen.

Köln – Jan Thielmann dürfte sich dieser Tage hin und wieder verwundert die Augen reiben, wenn der Youngster auf die letzten Wochen zurückblickt. Der 17-jährige wurde am 15. Spieltag gegen Bayer 04 Leverkusen ins kalte Bundesliga-Wasser geworfen. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Geißböcke mit acht Punkten auf dem letzten Tabellenplatz und hatten bereits vier Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz und Fortuna Düsseldorf. Inzwischen stand das Nachwuchstalent vier Mal in Folge in der Startelf. Dabei konnte der FC alle vier Parten für sich entscheiden. Mittlerweile ist das Punktekonto auf 20 Zähler angewachsen und der FC hat Fortuna Düsseldorf fünf Punkte hinter sich gelassen.

Youngsters verdrängen arrivierte Kräfte

Freilich ist der Kölner Aufschwung nicht alleine Thielmanns Verdienst und auf seine Hereinnahme zurückzuführen. Doch der junge Außenbahnspieler steht sinnbildlich für die Entwicklung des FC in den vergangenen Wochen. Gemeinsam mit Noah Katterbach und Ismail Jakobs sorgt das Trio für eine Portion Unbekümmertheit im Kölner Spiel. Dazu bringen die Youngsters den absoluten Einsatzwillen, die Laufbereitschaft und Leidenschaft mit, die es als junger Spieler nicht nur im Kampf um die Bundesliga-Startelfplätze, sondern auch im Abstiegskampf benötigt. Und so ist Katterbach hinten links längst nicht mehr nur eine Alternative zu Nationalspieler Jonas Hector. Der 18-jährige erledigt seine Aufgaben so abgeklärt und souverän, dass der Kölner Kapitän ohne Bedenken die Strippen in der Zentrale ziehen kann. Jakobs hat sich derweil, als eigentlich gelernter Linksverteidiger, längst an arrivierten Stammkräften wie Florian Kainz vorbei- und auf der linken Außenbahn festgespielt. Und letztendlich scheint Jan Thielmann Routiniers wie Marcel Risse und Kingsley Schindler auf die Bank und sogar Tribüne zu verdrängen.

Das sind keine Eintagsfliegen

Dass die Youngsters ihre Qualitäten noch nicht konstant und ohne Fehler in jedem Spiel auf den Platz werden bringen können, dürfte in der Natur der Sache liegen. Dennoch wurde Markus Gisdol bislang für seinen Mut, im Abstiegskampf die Bundesliga-unerfahrenen Nachwuchstalente aufzubieten, noch nicht bestraft. Vielmehr beeindruckten die Spieler in den letzten Wochen mit ihren Leistungen. Für Gisdol jedoch keine Überraschung: „Das sind keine Eintagsfliegen. Die sollen nicht nur für ein, zwei Spiele funktionieren. Es geht ja auch um ihre Entwicklung. Es freut mich, dass sie so funktionieren.“ Dass zwischen den drei Siegen im Dezember und dem Erfolg gegen den VfL Wolfsburg eine kurze Pause lag, kam den Spielern dabei aber auch zu Gute. Nicht nur, um sich von den deutlich höheren körperlichen Belastungen der Bundesliga zu erholen. Sondern auch, um die letzten Wochen und Monate mental zu verarbeiten. „Ihnen hat die Winterpause gut getan, um mal Luft zu holen. Wir tun gut daran, das in der Rückrunde sauber zu steuern“, kündigte Gisdol bereits an, dass die drei Youngster vermutlich nicht in allen verbleibenden 16 Ligaspielen auf dem Platz stehen werden. Dafür haben die Geißböcke im Winter auch noch zusätzlich Qualität verpflichtet. „Wir haben mit Mark und Elvis zwei Spieler für unsere Breite im Kader hinzubekommen, durch die wir wechseln können, ohne das Gefühl zu haben, dass wir einen spürbaren Qualitätsverlust haben. Das muss ein Pfund für die Rückrunde sein“, hofft Gisdol darauf, ohne merklichen Verlust rotieren zu können.

Jakobs an zwei Toren indirekt beteiligt

Wie wichtig aber insbesondere Jakobs und Katterbach aktuell für die Mannschaft sind, konnte man am Samstag wieder eindrucksvoll in Müngersdorf beobachten. Vor dem 1:0 eroberte Ismail Jakobs seinen zuvor gegen Mbabu verlorenen Ball mit unbändigem Einsatz wieder zurück, schirmte ihn im Liegen ab und spielte weiter auf Katterbach. Dieser wurde bei seinem Versuch in die Mitte zu ziehen von Schlager zu Fall gebracht. Der folgende Freistoß von Mark Uth führte bekanntermaßen durch Jhon Cordoba zum 1:0. Und auch beim 2:0 war Jakobs beteiligt: Mit seinem Gegenpressing zwang der 20-jährige den erfahrenen Wolfsburger Innenverteidiger Marcel Tisserand zu dem folgenschweren Fehlpass auf Skhiri. Dass Jakobs aber nicht auf seiner eigentlich angestammten Position als Linksverteidiger zum Einsatz kommt, liegt an den starken Leistungen von Katterbach. Bis auf seinen Quer-Fehlpass auf Schlager spielte der 18-jähriger beinahe fehlerfrei und agierte mutig im Zweikampf.

Auch Jan Thielmann leistete bis zu seiner Auswechslung in der 73. Minute einen wichtigen Beitrag gegen den VfL Wolfsburg. Zwar konnte der Youngster keinen Assist oder eine Torchance für sich verbuchen, dennoch spielen seine Laufstärke und seine Schnelligkeit vor allem in der Arbeit gegen den Ball aktuell eine entscheidende Rolle im Spielsystem von Gisdol. Sollte der U17-Meister in den kommenden Wochen seine Nervosität noch weiter ablegen können und das Selbstvertrauen aus der U19 finden, wo er vor allem aus der zweiten Reihe mit starkem Schuss und guten Flanken für Torgefahr sorgte, dürfte er die Gegner auch in der Defensive vor die ein oder anderen Probleme stellen können.

20 Kommentare
  1. Frank Buschmann says:

    Das ist der Weg den ich schon seit Jahren fordere.
    Wir haben eine exzellente Jugendarbeit, doch lassen diese dann nicht in der 1. Liga zum Einsatz kommen.
    Horn, Hector, Sinkewiecz, Podolski, Gerhardt, Helmes sind als junge Spieler gefördert worden.
    Özcan, Handwerker, Narty, Churlinow, Bisseck, Yano, Ishak hingegen nicht.

    Und bevor ich vermeintliche etablierte Spieler einkaufe, die nicht zum Stamm gehören, aber Kaderplätze beanspruchen, würde ich erstmal versuchen junge Spieler einzubinden.

    • FC Neukoelln says:

      Natürlich ist das toll. Und natürlich hat man es in der jüngeren Vergangenheit viel zu oft versäumt, auf diese Karte zu setzen.
      Evtl. hat sich da aber mal eine Weile nicht so wirklich jemand aufgedrängt. Zu sagen, dass Özcan nicht gefördert wurde ist einfach falsch. Leider hat er sich meiner Meinung nach einfach nicht weiterentwickelt, hat bis zum Schluß zu viele Fehlpässe in vielversprechenden Umschaltsituationen gespielt. Verglichen mit der Besetzung im defensiven Mittelfeld heute hat er einfach nicht die Klasse. Handwerker spielt zweite Liga, Nartey dritte (beide mit 50-60% Startelfeinsätzen). Churlinov (auch zweite Liga) hatte sämtliche Optionen im Knabenchor um Bornauw, Katterbach, Jakobs, Thielmann mitzusingen und zog es aber leider vor, sich selbst ins Abseits zu stellen. Zu den anderen kann ich nichts sagen, aber meines Erachtens ist uns 2012 das letzte Mal jemand aus der eigenen Jugend durch die Lappen gegangen, dessen Karriere danach ziemlich Fahrt aufnehmen sollte: Mark Uth.
      Vielleicht kann man sich deswegen umso glücklicher schätzen, dass die vier so ausserordentlich gut einschlagen. Vielleicht ist das nämlich gar nicht so selbstverständlich.

      • Boom77 says:

        She ich auch so. Und wo spielt eigentlich der hochgelobte Bisseck heute? Der war sogar für Holstein Kiel zu schlecht…. Bei allen Podolskis, Hectors, Gerhardts und Helmes´… es ist nicht alles Gold, was glänzt (ich bin jetzt mal so frech und bediene mich der geistigen Schaffenskraft unseres „hochkreativen Philosophen“ hier im Forum). Denn nicht alle der von Frank Buschmann genannten Namen sind wirkkliche Talente… schon ein Sinkiewicz war für mich eher… naja… und Özcan, Bisseck und Nartey fallen für mich aus den von FC Neukoelln angesprochenen Gründen auch nicht unter die „großen Talente“.

        • FC Neukoelln says:

          Irgendwie habe ich das Gefühl dieses schöne Bonmot schon mal gelesen zu haben, komme aber nicht drauf bei wem.
          Marc Merten… Mads Mikkelsen… Marylin Manson… Markus Merk… Mothar Matthäus…
          Irgendwie sowas muss es gewesen sein.

    • BM says:

      Nur zur Info: Hector, Helmes, Handwerker und Ishak haben nie in der FC-Jugend gekickt, die beiden letzteren haben aktuell Probleme, selbst in Nürnberg Stammspieler zu sein. Ausnahmetalent Yabo ist durch die vielen Verletzungen nie in Schwung gekommen, zudem hat Stanislawski ihn nur überschwänglich gelobt statt ihn spielen zu lassen (Yabo ist nach wie vor sehr verletzungsanfällig). Und Bissek steht ja noch beim FC unter Vertrag. Ob es bei großem Talent aber immer zur Bundesliga reicht, ist von vielen Faktoren abhängig. Nartey etwa scheint auch jemand zu sein, wo der Körper sehr schnell negativ auf die hohen Belastungen reagiert, in Rostock war er auch schon wieder nicht spielfähig.

  2. Wilhelm Steven says:

    Die Zukunft liegt in dem Einbau der jungen Spieler – im Gegensatz zum Festhalten an den sog. Arivierten, die ihre Leistung nicht abrufen können.
    Wer allerdings das letzte Spiel kritisch beurteilt, der wird trotz aller Freude über den Sieg feststellen, dass sich in der Deckung bedenkliche Lücken auftaten.
    Vor Allem die linke Seite war oft vollkommen verwaist. Der an sich sehr gute Katterbach hatte seine Gegner nicht ausreichend im Blick.
    Gegen Dortmund kann man sich diese Lücken nicht leisten.
    Wer soll den geschickten und superschnellen Haaland decken?

  3. Immerfc says:

    „Dazu bringen die Youngsters den absoluten Einsatzwillen, die Laufbereitschaft und Leidenschaft mit, die es als junger Spieler nicht nur im Kampf um die Bundesliga-Startelfplätze, sondern auch im Abstiegskampf benötigt…“ Diese drei Attribute braucht ein jeder Profi…

  4. Susanne Lex says:

    Jetzt müssen dringend die Verträge von Katterbach und Jakobs verlängert werden, sonst sehe ich, besonders bei Katterbach, S04 ist wohl sehr interessiert, pessimistisch in die Zukunft. Hoffentlich passiert das zeitnah

    • FC Neukoelln says:

      Das wird bei einer Laufzeit bis ’21 wahrscheinlich nach der Saison geschehen. Er sagt ja selber im Interview, dass er davon zur Zeit nichts wissen will. Wäre ja auch ganz in seinem Interesse bzw. dem seiner Berater da nochmal kurz abzuwarten: mit 16 weiteren Startelfeinsätzen in seiner ersten Saison lässt es sich doch für einen neuen Vertrag viel besser verhandeln.

      • Klio says:

        Katterbach hat meiner Erinnerung nach gesagt, dass er das momentan seinem Berater und dem FC überlassen würde. Das hieße, dass Katterbach sich nicht persönlich kümmert, aber zumindest Vorgespräche laufen, in denen die prinzipiellen Leitplanken gesetzt werden.

  5. kalla lux says:

    Ich find es richtig gut das die Jungs spielen. Liegt wohl an der Laufbereitschaft die MG
    fordert und die von etablieren Spieler wohl nicht so gebracht werden!
    Ich bin trotzdem der Meinung das auch mal eine Flanke von außen kommen sollte .
    Die hab ich leider selbst bei den 4 Siegen nicht gross reinkommen gesehen.
    Unter MG ist das Flügelspiel ja auch nicht so ausgeprägt,weshalb das nicht so auffällt.
    Trotzdem würden Flanken von der Außenbahn dem Spiel nicht Schaden!
    Damit mein ich aber auch nicht „nur“ die Jungen.Aber wie gesagt MG lässt auch anders spielen!

    • Bob Brown says:

      Würde nicht schaden das stimmt, aber bei Flanken hast du jetzt nicht gerade viele Abnehmer in der Box, bisher war da eigentlich nur Cordoba sofort anspielbar. Kommt da die Flanke ungenau oder sind da 2 gute Innenverteidiger dann ist der Ball oftmals hergeschenkt. Ich denke auch deshalb wird das Spiel durch die Mitte forciert. Cordoba kannst du da immer anspielen und der Rest rückt nach. Ich glaube schon dass das der Matchplan ist. Ein paar Flanken aus dem Halbfeld kommen aber ja doch schon wie ich finde.
      Wenn Thielman mal seine Pause bekommt hoffe ich dass Risse eine Chance bekommt, er ist Fit, hat eine gute Vorbereitung gespielt und er kann solche Flanken mit richtig Schmackes schon schlagen.

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