,

Nachwuchsspieler zwischen Titelträumen und Profi-Hoffnung


Um seinen eigenen Nachwuchs muss sich der 1. FC Köln aktuell keine Sorgen machen. Nicht nur, dass die U17 und U19 die Tabelle in der jeweiligen Liga anführen. Auch im Trainingslager in Benidorm hinterlassen die mitgereisten Nachwuchsspieler einen guten Eindruck. Für ein Trio steht das nächste halbe Jahr dabei besonders im Fokus. 

Aus Benidorm berichten Sonja Eich und Marc L. Merten 

Für Sava Cestic, Tim Lemperle und Leon Schneider geht aktuell ein Traum in Erfüllung. Sie alle absolvieren gerade ihr erstes Trainingslager mit den Profis des 1. FC Köln. Gleiches gilt natürlich auch für Jan Thielmann. Mit seinen drei Profi-Einsätzen kurz vor Weihnachten ist der 17-jährige allerdings schon bei der ersten Mannschaft angekommen. „In der Kürze der Zeit ist er ein vollumfängliches Mitglied geworden“, sagte FC-Geschäftsführer Horst Heldt im GBK-Interview während des Trainingslagers.

Nehme jede Chance, die ich kriegen kann

Auch Schneider, Lemperle und Cestic hoffen darauf, bald dauerhaft zu den Profis zu gehören. Während Leon Schneider im Sommer von Energie Cottbus gekommen war und sich nach längerer Verletzungspause in der Innenverteidigung der U21 festgespielt hat, kämpfen Cestic und Lemperle gemeinsam in der A-Junioren-Bundesliga um die Deutsche Meisterschaft.

Eigentlich hätte Lemperle in der vergangenen Saison schon mit der U17 die Meisterschale in die Höhe recken können, doch der Rechtsaußen wechselte nach zehn Toren in der Hinrunde bereits zur Rückserie in die U19. Dort scheiterte der 17-jährige am letzten Spieltag mit der U19 knapp am Einzug in die Endrunde um die Deutschen Meisterschaft. Eine Rückversetzung in die U17 zur Unterstützung der B-Junioren im Kampf um den Titel verweigerte ihm der FC, obwohl der Youngster gerne mitgewirkt hätte.

Bedauern will er den verpassten Titel mit der U17 aber nicht. „Ich freue mich total für die Jungs, die es geschafft haben. Ich habe bei der U19 persönlich eine super Entwicklung hingelegt“, berichtete der Youngster in Benidorm, der kurz vor Weihnachten erfahren hatte, mit ins Trainingslager reisen zu dürfen. Sollte der Angreifer, der im Testspiel gegen Sporting Charleroi gleich sein erstes Tor für die Profis erzielte, eine ähnliche Entwicklung wie Jan Thielmann nehmen und in der Rückrunde möglicherweise zum Bundesliga-Kader gehören, könnte Lemperle im Sommer das gleiche Schicksal ereilen. Die U19 liegt aktuell mit nur einer Niederlage auf dem ersten Tabellenplatz der A-Junioren Bundesliga. Für eine Chance bei den Profis würde der gebürtige Frankfurter eine erneut verpasste Chance auf einen Junioren-Titel aber in Kauf nehmen. „Damals habe ich einen Jahrgang übersprungen, jetzt wäre es wieder so. Bei den Profis ist es ein komplett anderes Niveau, aber man kann nie genug Zeit habe, sich auf diesem zu entwickeln. Ich nehme jede Chance, die ich kriegen kann.“

Cestic hält eigene Erwartungen gering

Ein ähnliches Szenario würde auch Sava Cestic blühen, sollte er sich weiterhin für die Profis, die ohnehin gerade auf der Suche nach einem weiteren Innenverteidiger sind, empfehlen können. Der 1,92 Meter große Hüne wechselte im Sommer aus der U19 vom FC Schalke 04 an den Rhein und entwickelte sich bei den A-Junioren der Geissböcke schnell zum Führungsspieler. Nur ein knappes halbes Jahr später ging es für Cestic in sein erstes Profi-Trainingslager. „Bei Schalke hatte ich noch gar keinen Kontakt zur Profi-Mannschaft“, sagte der in Offenbach geborene Serbe nun in Benidorm, nachdem er im Test gegen Mechelen gleich mit lautstarken Kommandos auffiel. „Die Lautstärke ist eine meiner Eigenschaften, die mich auszeichnet. Ich finde, als Innenverteidiger gehört das auch dazu.“

Cestic ist in Köln schnell angekommen und fühlt sich wohl. Dass es für ihn nun so schnell zu den Profis ging, hätte der Abwehrspieler aber nicht erwartet. „Es kam alles sehr plötzlich.“ Gleichzeitig fügte der Youngster hinzu: „Für uns junge Spieler gehen gerade Träume in Erfüllung, aber ich habe noch gar nichts erreicht.“ Wie es nach dem Trainingslager für Cestic weiter geht, weiß der Spieler selbst noch nicht. Grundsätzlich geht er davon aus, in der Rückrunde wieder für die A-Junioren auf dem Feld zu stehen und den ersten Platz zu verteidigen. „Das ist mein Fokus. Ich werde nicht anfangen zu träumen und zu denken, jetzt schon ein Profi zu sein. Wenn es sich ergeben sollte, wäre ich hochmotiviert. Aber ich möchte meine Mitspieler nicht im Stich lassen.“ Cestic ist genauso wie die anderen Nachwuchsspieler froh, dabei sein zu können. Erwartungen hat der Innenverteidiger nicht. „Die darfst du in so einer Situation als junger Spieler wie ich gar nicht haben. Ich nehme mit, was möglich ist und will dabei so bodenständig wie möglich bleiben.“

Es war ein Gefühlschaos

Ein Spieler, der seinen Nachwuchskollegen bereits etwas voraus hat, ist Jan Thielmann. Der U17-Meister aus dem Sommer stand in den letzten drei Hinrunden-Spielen in der Bundesliga überraschend in der Startelf. „Dass ich im Kader war, war schon ein großes Lob für mich. Als ich dann erfahren habe, dass ich tatsächlich spiele, war es ein Gefühlschaos“, erzählte der ehemalige Trierer am Rande des Trainingslagers. Dabei war es weniger eine Überraschung als eine logische Schlussfolgerung seiner guten Leistungen und seiner kontinuierlichen Entwicklung, dass er Anfang Januar auch mit nach Spanien reisen durfte.

Mittlerweile hat der Nachwuchsspieler seine Einsätze gut verarbeitet. „Die Pause über Weihnachten hat mir gut getan. Mittlerweile kann ich es schon glauben.“ Überhaupt war es für den Offensivspieler ein überaus erfolgreiches Jahr: Erst der Titelgewinn mit der U17, dann sein Debüt für die Profis. „Ich habe gedacht, den U17-Titel kann man nicht mehr toppen. Aber die drei Spiele bei den Profis waren dann doch noch einmal eine Spur größer.“ Das nächste U19-Spiel findet am 2. Februar ausgerechnet gegen den direkten Verfolger aus Dortmund statt. Möglich, dass Thielmann am gleichen Tag allerdings mit den Profis auf den SC Freiburg trifft. Für den restlichen Saisonverlauf würde der Rechtsaußen die Spielpraxis bei den Profis eindeutig vorziehen, wenngleich Thielmann sagt: „Es wäre geil, wenn wir den U19-Titel holen und ich parallel auch die Chance habe, bei den Profis zu spielen.“ Ein Spagat, den nun überraschend viele Talente hinbekommen müssen. Sie werden darüber nicht böse sein.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar