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Schmadtkes Niederlage dank der Geister Cordoba und Uth


Jörg Schmadtke hatte sich seine Rückkehr nach Müngersdorf wohl gänzlich anders vorgestellt. Weniger dürfte ihn überrascht haben, dass aus der Südkurve erneut jene Schmäh-Gesänge zu hören gewesen waren, die es bereits in der Hinrunde in Wolfsburg gegeben hatte. Das sportliche Ergebnis ärgerte den VfL-Manager dagegen deutlich mehr.

Aus Müngersdorf berichten Sonja Eich und Marc L. Merten

Wer Jörg Schmadtke noch aus Kölner Zeiten kennt, der weiß, dass der 55-Jährige zu unangenehmen Themen zunächst gerne sagt, es sei für ihn unerheblich, ein Thema oder eine Person spiele für ihn keine Rolle, das lasse er nicht an sich heran. Mitunter kommt es dann aber doch vor, dass Schmadtke in den dann folgenden Sätzen eingesteht, sich mit der Materie doch zumindest sehr genau auseinander gesetzt zu haben.

So war es auch am Samstag in Müngersdorf. Nachdem der VfL Wolfsburg mit 1:3 beim 1. FC Köln verloren hatte, wurde Schmadtke auf die Fan-Gesänge und sein ungemütlichen Empfang der FC-Fans angesprochen. „Auf mich bezogen muss man darüber keine Silbe verlieren. Das war für das Spiel unerheblich“, sagte Schmadtke. Dann fügte er jedoch an, er finde gewisse Randthemen dabei viel spannender. Damit meinte er die Berichterstattung im Vorfeld des Spiels in den Kölner Medien. „Ich finde es interessanter zu sehen, wie gewisse Leute damit umgehen. Es sind da Leute am Werk, die als Brandbeschleuniger agieren.“

Jhon Cordoba ist halt ein anderer Spieler. Ich kenne den ganz gut

Wen er genau meinte, spielte dabei unter dem Strich eine untergeordnete Rolle. Tatsächlich ließ Schmadtkes Bemerkung aber den Schluss zu, dass der Wolfsburger Sportchef noch immer sehr genau beobachtet und verfolgt, was in Köln über ihn geschrieben und berichtet wird. Freilich bekommt der Manager dies von seiner Medienabteilung routinemäßig berichtet, das gehört zu einer professionellen Medienarbeit eines Fußballklubs dazu, die automatisch alle Medienberichte rund um einen Verein und seine handelnden Personen sammelt und den Chefs zur Verfügung steht. Doch Schmadtke, das war auch schon zu Kölner Zeiten so, liest diese auch und schließt sie in seine Bewertungen mit ein.

Zu den Fans wollte er schließlich nichts mehr sagen. Er betonte stattdessen, dass er von den FC-Verantwortlichen „freundlich empfangen“ worden sei. „Es waren gute Gespräche. So, wie sich das gehört. Gäste empfängt man freundlich, und das ist hier geschehen“, sagte Schmadtke und fügte an die Journalisten gewandt hinzu: „Ich kann euch leider nichts liefern, aus dem ihr eine Geschichte machen könntet.“ Dies war auch nicht nötig. Dafür hatte der 1. FC Köln selbst gesorgt: mit einem 3:1-Sieg, mit zwei Toren von Jhon Cordoba, mit einem sportlichen Kraftakt, der dazu führte, dass die Geissböcke in der Tabelle mit 20 Punkten nur noch vier Zähler hinter Wolfsburg stehen. Zwar spielt der VfL in der Kölner Konstellation keine Rolle. Doch dass der FC den ambitionierten Wölfen mit europäischen Ansprüchen ein Bein stellte, ärgerte Schmadtke. „Wir haben verdient verloren“, gab der Manager daher auch unumwunden zu.

Nicht nur Cordoba, sondern auch Uth

Die Geschichte des Spiels war denn auch, dass ausgerechnet Jhon Cordoba der überragende Mann auf dem Platz und von Wolfsburgs bester Abwehr der Liga nie zu stoppen war. „Jhon Cordoba ist halt ein anderer Spieler. Ich kenne den ganz gut“, sagte Schmadtke mit einem Lächeln, hatte er ihn damals doch für 17 Millionen Euro aus Mainz geholt. „Der ist schon speziell und muss etwas anders bearbeitet werden. Das haben wir heute nicht hinbekommen. Das spricht für die Qualität von Jhon Cordoba.“ Freilich gilt Cordoba heute noch als Sinnbild für das Kölner Scheitern 2017/18 und als Fehler Schmadtkes. Dabei war der Transfer an sich nie ein Fehler gewesen, sondern dass Schmadtke damals keinen zweiten Stürmer verpflichtete, an dessen Seite Cordoba hätte agieren können. Schmadtke wollte damals übrigens einen gewissen Mark Uth verpflichten, bekam ihn aber nicht. Dieser Uth bereitete gegen Wolfsburg zwei Tore vor. So schließt sich manchmal eben erst einige Jahre später der Kreis.

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