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Uths Anschlusstreffer kommt zu spät: Derby-Pleite in bizarrem Geisterspiel


Vor einer Derby-unwürdigen, durch das Coronavirus jedoch nötig gewordenen Geister-Kulisse hat der 1. FC Köln das Nachholspiel bei Borussia Mönchengladbach mit 1:2 (0:1) verloren. Die Geissböcke erarbeiteten sich zu spät gute Torchancen, ließen diese bis auf den Anschlusstreffer durch Mark Uth liegen. Am Ende war ein Punkt noch möglich, doch es sollte nicht sein. 

Aus dem Borussia-Park berichtet Marc L. Merten

Es war ein skurriles Bild schon vor dem Anpfiff. Dezente Musik aus den Lautsprechern des nahezu menschenleeren Stadions. Die Spieler machten sich wie üblich warm, doch man hörte oben auf der Pressetribüne jeden Ballkontakt, jeden Zuruf, jedes motivierende Klatschen, jedes Klappen eines Schalensitzes und das Lachen der umstehenden Betreuer. Der Stadionsprecher gratulierte verrückterweise sogar noch einigen Sponsoren, die am Mittwoch ihren Geburtstag feierten. Im Stadion waren sie aber wohl nicht. Denn hier waren die Vorgaben klar gewesen: Neben den Mannschaften, Trainern und Betreuern hatten neben den Dienstleistern für den Stadionbetrieb und den Medienvertretern jeweils nur eine begrenzte Zahl an Mitarbeitern der beiden Vereine Zutritt erhalten. Der FC erhielt eine Loge für rund ein Dutzend Vereinsvertreter, darunter neben dem Vorstand und der Geschäftsführung die verletzten Thomas Kessler und Rafael Czichos.

Ausgangslage

Markus Gisdol hatte seiner Mannschaft eingetrichtert, sich auf nichts anderes zu konzentrieren als auf dieses Spiel, Umstände und Zustandekommen hin oder her. Gisdol blieb seiner Linie auch personell treu, brachte im Vergleich zum Sieg in Paderborn nur den zurückgekehrten Jhon Cordoba für Anthony Modeste in der Sturmspitze. Noah Katterbach kehrte überdies in den Kader zurück, nicht aber in die Startelf. Bei den Gladbachern fehlten Florian Neuhaus und Denis Zakaria, zudem saßen Rami Bensebaini und Lars Stindl auf der Bank. Die Fohlen wollten in der Tabelle mit einem Sieg bis auf zwei Punkte an Rang zwei herankommen. Der FC hingegen witterte mit einem Dreier die Chance sich wohl endgültig aller Abstiegssorgen zu entledigen und womöglich doch noch nach mehr zu schielen als nur nach dem Klassenerhalt.

Moment des Spiels

Es lief die Nachspielzeit. Jhon Cordoba legte eine Flanke per Kopf auf Uth ab. Dieser nahm den Ball mit der Brust ab und zog Volley aus zehn Metern ab. Doch der Ball landete genau in den Armen von Yann Sommer. Es war die Chance zum Ausgleich, doch es sollte nicht sein.

Die wichtigsten Szenen

Der FC machte es von Beginn an gut. Die Vorgabe war klar. Mit Tempo über Ismail Jakobs auf links und Florian Kainz auf rechts sollte es nach vorne gehen. Wie in der zweiten Minute, als Jakobs auf Kainz quer legte, dessen Schuss aus der zweiten Reihe aber misslang. In der 10. Minute rutschte Cordoba in eine Jakobs-Flanke, brachte aber nicht genügend Druck hinter den Ball. Uth verzog einen Freistoß aus 19 Metern nur um wenige Zentimeter über das Tor. Die Gladbacher hatten ebenfalls Möglichkeiten, doch bis auf einen Schuss von Plea aus der zweiten Reihe kamen zunächst nur Flanken in Richtung des Tores von Timo Horn. Dann machte es die Borussia über links gut, Patrick Herrmann passte aus der Mitte nach rechts. Dort war Embolo Skhiri entwischt und die Gastgeber gingen mit 1:0 in Führung. Eine Führung, die bis zur Pause hielt. Als der Abpfiff der ersten Halbzeit ertönte, kam Applaus aus der Gladbacher Mitarbeiter-Loge. Anschließend trotteten 16 Rasenpfleger mit Harken auf den Platz. Diese waren ebenso im Stadion wie die Balljungen am Spielfeldrand. Einlaufkinder hatte es dagegen nicht gegeben.

Die zweite Hälfte begann mit viel Druck der Gladbacher. Die Borussia ging auf das zweite Tor, doch Horn hielt stark gegen Herrmann und seine Mannschaft so im Spiel. Der FC aber zunächst zu passiv, erst nach zehn Minuten ging wieder etwas nach vorne. Kainz hätte in der 63. Minute den Ausgleich erzielen können, verzog aber aus 16 Metern. Die Geissböcke spürten, dass hier noch etwas gehen würde. Dann aber landete ein Fehlpass von Schmitz bei Plea, der Embolo über rechts schickte. Dessen scharfe Hereingabe wollte Meré klären. Mit einer Grätsche fälschte der Spanier den Ball jedoch für Horn unhaltbar ins eigene Netz ab. Das 0:2 (70.) und die Vorentscheidung – das wusste jeder hier im weiten Rund. Zumindest diejenigen, die da waren. Doch der FC gab sich nicht geschlagen. Einen Fehler von Sommer nutzte Uth. Der Keeper rutschte bei einem Abschlag weg, Uth nahm den Ball auf und jagte ihn aus 17 Metern in den Winkel. Das 1:2 sorgte zwar noch mal für eine Schlussoffensive der Geissböcke, doch der Ball wollte weder bei Cordoba, Uth noch Drexler über die Linie gehen. Am Ende stand eine unglückliche 1:2-Niederlage in Gladbach.

Fazit

Zum Freuen: Der FC kämpfte bis zum Schluss.

Zum Ärgern: Auch das Derby-Rückspiel ging verloren.

Stimmung: Das wohl bizarrste Derby aller Zeiten.

Aufstellung

Horn – Ehizibue, Meré (85. Modeste), Leistner, Schmitz – Skhiri, Hector – Kainz (66. Drexler), Uth, Jakobs (72. Thielmann) – Cordoba

Tore

1:0 Embolo (32.)
2:0 Meré (70.)
2:1 Uth (81.)

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