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Gisdol über Geisterspiele: „Man coacht sich gegenseitig mehr aus“


Die Bundesliga kann in dieser Saison nur noch mit Geisterspielen fortgesetzt und zu Ende gespielt werden. Markus Gisdol ist dabei neben Marco Rose der einzige Trainer, der Spiele ohne Zuschauer in dieser Saison bereits erlebt hat. Dabei bringen laut Gisdol leere Stadien noch einmal eine ganz neue Herausforderung mit sich. 

Köln – Ob sich der Fußball angesichts der verbotenen Großveranstaltungen bis zum 31. August durch die Corona-Pandemie eine Sonderstellung erlauben darf oder nicht, wird aktuell viel diskutiert. Während die Vereine durch ein Ausbleiben der Fernsehgelder um ihr Überleben kämpfen würden, hat sich die aktive Fanszene in Deutschland gegen Geisterspiele ausgesprochen. Am 23. April will die DFL mit den Vereinen schließlich über das weitere Vorgehen beraten.

Erfahrungen sind immer gut

Für die Trainer in der Bundesliga macht die Ungewissheit das Arbeiten schwierig, wie auch Markus Gisdol am Freitag bestätigte. Trotzdem ist man sich beim FC seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. „Natürlich ist es kritisch zu hinterfragen, ob wir wieder spielen können. Aber es wäre auch ein Schritt zurück in die Realität. Wir dürfen aber nichts machen, was der Gesellschaft schaden würde“, erklärte der Trainer.

Dabei gehört Markus Gisdol gemeinsam mit Gladbachs Marco Rose zu den beiden einzigen Trainern in der Bundesliga, die in dieser Saison bereits ein Geisterspiel absolviert haben. Für alle anderen Mannschaften wird das erste Spiel unter Ausschluss von Zuschauern eine neue Herausforderung werden. „Ich glaube, dass es aus diesem Spiel bereits Erfahrungen gibt, alleine was das Geräuschverhalten und das Coaching angeht. Erfahrungen sind immer gut“, sagte Gisdol hinsichtlich des Geisterderbys zwischen der Borussia und Köln.

Detailcoaching über den ganzen Platz verlockend – aber gefährlich

Insbesondere das Coaching während eines Spiels verändert dabei die Arbeit der Trainer, wenn die Geräuschkulisse von vielen Tausend Zuschauern fehlt. „Bei mir war es der erste Reflex rüberzuschauen, wenn der Kollege mal einen Spieler gerufen und ihm was gesagt hat“, erinnerte sich Gisdol am Freitag. „Dabei war mein erster Impuls: Vorsicht, der andere hört auch was du sagst.“ Umso wichtiger sei dabei, die genauen Abläufe und Mechanismen vorher in der Kabine genau zu besprechen. Auch wenn die Verlockung groß sei, einem Spieler an der anderen Seitenlinie Kommandos zu geben, sollten die Detailcoachings nicht über den gesamten Platz gerufen werden. Denn diese kann selbstverständlich nicht nur die eigene Mannschaft verstehen, sondern auch der Gegner. „Es ist natürlich dann alles gläsern. Aber das ist auch spannend, weil man sich gegenseitig mehr auscoacht“, erklärte der FC-Trainer.

Doch nicht nur die Anweisungen an die eigenen Spieler sind in einem fast leeren Stadion deutlich zu hören, auch die üblichen Nickligkeiten zwischen den Trainerbänken sind ohne Zuschauer wesentlich besser zu verstehen. „Man reagiert ein bisschen gereizter, weil man mehr hört. Dann blökst du vielleicht auch mal rüber, wie der gegnerische Trainerstab aber auch“, berichtete Gisdol von den Erfahrungen aus seinem ersten Geisterspiel. Ob dem Trainer diese dann aber im ersten Spiel nach der Pause einen Vorteil gegenüber seinen Trainerkollegen ohne Geisterspiel-Erfahrung verschaffen, wird erst das nächste Spiel zeigen.

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