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Neue Verträge für Heldt und Gisdol? „Haben ein Zeitfenster definiert“

Der Klassenerhalt rückt näher. Trotz der enttäuschenden Vorstellung des 1. FC Köln gegen Fortuna Düsseldorf hat das 2:2 (0:1) die Geissböcke einen großen Schritt näher an das alles übergreifende Saisonziel gebracht, auch nächstes Jahr wieder Bundesliga zu spielen. In diesem Falle verlängern sich die Verträge mit Sportchef Horst Heldt und Cheftrainer Markus Gisdol automatisch bis 2021. Oder kommt es noch im Sommer zur Unterschrift langfristiger Kontrakte?

Köln – Der Vorstand des 1. FC Köln hatte mit seinem Amtsantritt im Herbst 2019 eigentlich auf Kontinuität setzen wollen. Gelingen wollte das bislang aber nicht. Das Präsidium selbst musste nur wenige Monate nach der Wahl in Folge des Rücktritts von Jürgen Sieger einen Vizepräsidenten ersetzen. Auch die Ankündigung mit Armin Veh weitermachen zu wollen, zerfiel in ihre Einzelteile, nachdem der eigenwillige Sportchef die Trainerfrage zwischen sich und die Vereinsführung gestellt hatte und daraufhin von seinen Aufgaben entbunden werden musste.

Nun soll es aber klappen und mit Horst Heldt sowie Markus Gisdol langfristig funktionieren. Nach dem kaum für möglich gehaltenen Erfolg und dem Sprung von Tabellenplatz 18 auf 10 plant der Vorstand nach GBK-Informationen Gespräche mit der sportlichen Führung über neue Arbeitsverträge. Zuerst hatte die Bild davon berichtet. Die im Falle des Klassenerhalts bis 2021 laufenden Kontrakte sollen verlängert werden, vor allem jener des Sportchefs. Ob bis 2022 oder 2023, steht noch nicht fest. Sicher ist, dass insbesondere Gisdol dafür belohnt werden soll, sich jenen Job zugetraut zu haben, den kein anderer der Wunschkandidaten hatte haben wollen. Hatten Bruno Labbadia und Pal Dardai aus Angst um ihren Ruf abgelehnt, hatte Gisdol in den Bewerbungsgesprächen überzeugt und sich voller Zuversicht und Ruhe in die Arbeit geschmissen. Sportchef und Trainer, beide 50 Jahre alt, bilden seit Mitte November ein funktionierendes Team. Und so soll es bleiben.

Wir brauchen sportliche Planungssicherheit

Das bestätigte am Montag auch Heldt selbst. „Ich stehe in einem sehr guten Austausch mit unserem Vorstand. Wir verfolgen einen klaren Plan und haben ein Zeitfenster definiert“, sagte der Sportchef und meinte damit wohl das Zeitfenster, wann die Vertragsfragen geklärt werden sollen. „Wir brauchen erst einmal sportliche Planungssicherheit“, fügte er hinzu, und somit dürften sich die Gespräche schnell in eine entsprechende Richtung bewegen, sobald der Klassenerhalt auch rechnerisch unter Dach und Fach ist. „Alles ist im Fluss“, meinte Heldt.

Der Vorstand wird sich allerdings die Frage stellen müssen, welche Rahmenbedingungen für diese Vertragsgespräche im Frühsommer herrschen werden. Die Geissböcke mussten in dieser Saison finanziell nicht nur durch die Coronakrise heftig bluten. Viel Geld ist nicht mehr übrig, weder für üppige Manager- oder Trainergehälter noch für Transfers, Kader-Veränderungen oder Abfindungen im Falle des Misserfolgs. Der FC muss sich erst einmal wieder konsolidieren, nachdem in der jüngeren Vergangenheit nur allzu freizügig mit dem Geld um sich geworfen worden war. Der Vorstand hatte bei seinem Amtsantritt erklärt, Vernunft walten lassen zu wollen und sich nicht von kurzfristiger Euphorie oder Depression verführen zu lassen. Die Personalien Heldt und Gisdol werden die ersten sein, bei denen sie dieses Fingerspitzengefühl werden beweisen müssen.

4 Kommentare
  1. Michael H says:

    Man muss ja nun wirklich nichts überstürzen. Falls es im November oder Dezember immernoch läuft, kann man sich mal zusammensetzen.

    Wir haben schließlich in den vergangenen Jahren keine guten Erfahrungen damit gemacht, Trainer oder Sportmanager langfristige Verträge zu geben. Und ich sehe nicht, warum das bei den beiden nun zwingend notwendig sein sollte.

  2. OlliW says:

    Sehe ich ganz genau so. Bei Klassenerhalt beiden beide ja bis 2021 fest und können die neue Saison angehen. Das wird, angesichts der vielen offenen Spieler-Fragen und Kaderplanungen sowie wohl noch länger ausbleibenden Einnahmen durch fehlende Zuschauer schwer genug. Wenn man im Juni schon verlängert und die Mannschaft im November wieder auf einem Abstiegsplatz steht, ist alles wieder hinfällig und es wird unnötig teuer. Wenn man hingegen halbwegs gut in die neue Saison startet, ist für eine Verlängerung mit den beiden erstens früh genug, zweitens perspektivisch sicherer und drittens finanziell besser abzusehen. Aber was weiß ich schon! ;-)
    Wie oft jedoch haben wir es auch bei anderen Clubs gesehen, dass sie abstürzten, sobald der Trainer, der sowieso noch ein Jahr gehabt hätte, verlängert hat (Schmidt bei Leverkusen, Tedesco bei S04 etc.) Also: Ruhig bleiben, weiterarbeiten, die neue Saison vorbereiten und selbstbewusst angehen und dann gerne im Herbst verlängern.

    • Boom77 says:

      Zumal ein Jahr Restvertragslaufzeit ja auch ein Grund ist, dass der Trainer nicht dem „Schlendrian“ verfällt. Ich bin weit davon entfernt, Herrn Gisdol oder auch den von dir benannten Schmidt und Tedesco da Absicht zu unterstellen. Aber unbewusst, kann sich da immer etwas von – sagen wir mal – „Bequemlichkeit“ einschleichen. Ist eine ganz andere Situation, wenn einer weiß, er muss dauernd gute Leistungen erbringen, um im nächsten Jahr noch den Job zu haben. Bei Herrn Gisdol, der es bisher wirklich richtig gut gemacht hat – keine Frage -, muss man auch immer im Hinterkopf behalten, dass in seinen bisherigen Stationen nach durchaus beachtlichen Erfolgen immer ein erheblicher Leistungsabfall seiner Mannschaften zu erkennen war. Das muss bei uns nicht auch so sein, aber Vorsicht ist da besser als Nachsicht und das wird Herr Gisdol, den ich für einen sehr vernünftigen und reflektierten Menschen halte, sicherlich auch nachvollziehen und verstehen können. Er kennt seine eigene Vita ja auch. Und er weiß auch, dass er bis zu dem Engagement bei uns lange Zeit keinen Job im Profifußball mehr bekommen hat.

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