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Vorstand fordert Aufarbeitung: „Wir erwarten eine Analyse“


Nichts von dem, was der 1. FC Köln vor dem letzten Spiel gegen Werder Bremen angekündigt hatte, konnte die Mannschaft am Samstag bei der peinlichen 1:6 (0:3)-Niederlage auf den Platz bringen. Weder wurde die Mannschaft ihrer Verantwortung gegenüber der Liga gerecht, noch gelang ein versöhnlicher Abschluss vor der Sommerpause. Vielmehr müssen die Verantwortlichen am Geißbockheim nun jeden Stein umdrehen. 

Geschichte des Spiels: Das letzte Kapitel der diesjährigen Bundesliga-Saison versprach einiges an Spannung im Abstiegskampf: Im Fernduell kämpften Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen um den Relegationsplatz. Der FC war zwar bereits seit dem vorletzten Spieltag gerettet, wollte sich aber mit einem Erfolgserlebnis aus der Saison verabschieden. Das erzählte man sich am Geißbockheim zumindest vor der Partie und sprach von einer Verantwortung der Liga gegenüber. Darauf verließ sich offenbar auch die Fortuna, die ihre Partie bei Union Berlin mit 0:3 abschenkte. Die Kölner schienen sich unterdessen mit den Gedanken bereits im Urlaub zu befinden, gewehrt haben sie sich gegen ihr zehntes sieglosen Spiel in Folge zumindest nicht. Vielmehr geht es für die Geißböcke nun mit einer schallenden Ohrfeige in die Sommerpause.

Das Ergebnis: Nur neun Heimtore hatte der SV Werder Bremen bis zum 34. Spieltag erzielt. Vier Tore sollten es gegen den FC mindestens sein, um sich für die Eventualität eines Düsseldorfer Unentschiedens in Berlin zu wappnen. Wirklich wahrscheinlich war dies angesichts der bisherigen Saisonverlaufs also nicht. Doch dann kamen die Geißböcke an die Weser und luden Werder zu sechs Treffern ein, hübsch begleitet. Nur der Kölner Beifall für die gelungenen Bremer Aktionen fehlte noch. Für Werder war es der höchste Bundesliga-Sieg seit 2009.

Mann des Tages: Aus Bremer Sicht dürfte hier wohl Milot Rashica stehen. Oder vielleicht Yuya Osako. Beide trugen mit überragenden Leistungen zur Demontage der Kölner Elf bei. Aus Kölner Sicht kann man sich jedoch über das Bundesliga-Debüt von Tim Lemperle freuen. Mit seiner Einwechselung war der 18-jährige bereits das fünfte Eigengewächs, das in dieser Saison seine Premiere im Fußball-Oberhaus feiern durfte. Beinahe hätte der Youngster sogar mit seinem ersten Ballkontakt sein erstes Tor erzielt: Nach einer Ecke setzte der Offensivspieler eine Direktabnahme knapp neben den Kasten.

Comeback des Tages: Fast genau auf den Tag genau 14 Monate ist es her, dass sich Christian Clemens im Zweitligaspiel gegen Darmstadt das Kreuzband riss. Am letzten Spieltag feierte der Flügelspieler nun sein Comeback. Seine Rückkehr hatte sich der 28-jährige jedoch sicherlich anders vorgestellt.

Zitat des Spiels: „Es war scheiße, was wir hier abgerufen haben.“ (Marco Höger)

Lage der Liga: Der 1. FC Köln hat Fortuna Düsseldorf in die Zweite Liga geschickt. Nicht nur, dass die Geißböcke dem rheinischen Rivalen in buchstäblich letzter Sekunde am 27. Spieltag drei sicher geglaubte Punkte geklaut hatten. Am letzten Spieltag schenkten die Kölner mit einer indiskutablen Leistung dem SV Werder Bremen die Relegation. Auch der Zweitliga-Dritte wird wohl keinen Dankesgruß nach Köln schicken. Denn mit dem 1:6 haben die Geißböcke ganze Aufbauarbeit an der Weser geleistet und den Bremern ordentlich Selbstvertrauen geschenkt.

Erkenntnis des Spiels: Der 1. FC Köln hat ein Jahr nach dem Aufstieg die Klasse gehalten. Das ist die beste Nachricht, die es in dieser Saison am Geißbockheim zu hören gibt. Nach einem schwachen ersten Saisondrittel folgte ein überragender Zwischenspurt, nach der Corona-Pause aber ein fast noch schwächeres Ende als im ersten Saisondrittel. Der FC geht mit zehn sieglosen Spielen in Folge in die Sommerpause und wird sich in dieser einige Fragen gefallen lassen müssen. „Tagesaktuell kommentiert der Vorstand keine sportlichen Leistungen, weder nach Niederlagen noch nach Siegen“, sagte Präsident Werner Wolf am Tag nach dem 1:6 in Bremen. „Natürlich erwarten und bekommen wir aber nach dieser Saison von der sportlichen Leitung eine Analyse und welche Schlüsse daraus gezogen werden.“ Wie groß das Vertrauen in Horst Heldt und Markus Gisdol ist, zeigt die Vertragsverlängerung mit dem Sportchef und die angedachte Verlängerung mit dem Trainer. Die Hoffnung schwingt dabei mit, dass die Kölner zu den richtigen Ergebnissen kommen werden. Dann hätte die Krise das Potential reinigender Kraft. Doch klar ist auch: Heldt und Gisdol sind nun gefordert. Andernfalls muss man kein Prophet sein, um festzustellen, dass schon jetzt der Beginn der nächsten Saison unter einem Brennglas stattfinden wird.

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