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Abstiegskampf 2020/21: Es wird eng im Tabellenkeller

Nur der Klassenerhalt zählt

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Das Ziel des 1. FC Köln in der kommenden Saison ist klar formuliert: Nur der Klassenerhalt zählt. Mit dem FC werden sich mehr als ein halbes Dutzend andere Vereine an der unteren Tabellenregion orientieren müssen. Darunter sind unter anderem die beiden Aufsteiger, zwei Vereine, die sich selbst den Stempel des „ewigen Abstiegskandidaten“ verpasst haben und ein Bundesliga-Schwergewicht, das in Schieflage geraten ist.

Von Cedrik Kaiser 

„Es geht in der nächsten Saison nur um den Klassenerhalt. Es geht um nichts anderes. Klappt das, wäre es wieder eine gute Leistung“, hat FC-Geschäftsführer Horst Heldt die Marschrichtung vorgegeben. Auch wegen der unerklärbaren Leistungsschwankungen der Geißböcke während der Saison baute Heldt im Hinblick auf die Saison 20/21 schon einmal vor. Schließlich könnte der Abstiegskampf in der kommenden Spielzeit noch umkämpfter werden als dieses Jahr. Dafür sorgt nicht nur die angespannte finanzielle Lage bei vielen Erstligisten – eingeschlossen den Effzeh–, sondern auch zwei gegensätzliche Aufsteiger.

Bielefeld auf den Spuren von Union Berlin?

Zweitliga-Meister Arminia Bielefeld schloss die Saison mit 68 Punkten ab. Zehn Punkte bzw. vierzehn Punkte Vorsprung hatten die Ostwestfalen am Ende auf die Aufstiegsfavoriten aus Stuttgart und Hamburg. Eine beachtliche Leistung des Teams von Uwe Neuhaus, das vor allem von seiner mannschaftlichen Geschlossenheit lebt. Die Arminia kassierte nur 30 Gegentore, vorne knipste Torjäger Fabian Klos sein Team zum Aufstieg. Ein weiterer wichtiger Spieler war der Ex-Kölner Marcel Hartel, der mit 13 Torvorlagen ebenso einen großen Anteil am Aufstieg hatte. Die Bundesliga ist für die meisten Bielefelder Spieler Neuland. Außer Ersatzstürmer Sven Schipplock (149 BL-Spiele) verfügt kein Akteur über nennenswerte Erstliga-Erfahrung. Deswegen wird es für die Arminia in der kommenden Saison äußerst wichtig werden, sich auf die eigene Stärke in der Defensive zu konzentrieren. Bis auf Flügelstürmer Jonathan Clauss gibt es bislang keinen Abgang eines Stammspielers zu beklagen. Auf der Zugangsseite stehen vorerst eher unbekannte Spieler aus dem Ausland: Nathan de Medina (Royal Mouscron), Christian Gebauer (SCR Altach) und Jacob Barrett Laursen (Odense BK) sollen der Mannschaft mehr Tiefe verleihen. Kann das Team von Uwe Neuhaus ihre Defensivstärke über den langen Sommer konservieren und mit erfahrenen Bundesligaspielern verstärkt werden, wird die Arminia eine ähnlich unangenehme Truppe sein wie Union Berlin in der vergangenen Saison.

Weniger souverän wurschtelte sich der VfB Stuttgart zum Aufstieg. Trotz des ligaweit größten Etats (40 Mio) wirkte das Schwergewicht aus Baden-Württemberg sehr wacklig auf den Beinen. Die Unbeständigkeit kostete Tim Walter den Job an der Seitenlinie, für ihn übernahm Pellegrino Matarazzo in der Winterpause. Schlussendlich fing sich das Team gegen Ende der Saison und machte den Aufstieg perfekt, konnte aber kaum einmal seine individuelle Klasse aufs Feld bringen. Genau so wie der FC im letzten Jahr wird der VfB angesichts seines Potenzials nicht als „normaler“ Aufsteiger gesehen werden. Stuttgart verfügt über einen Mix aus Bundesliga-erfahrenen Spielern wie Gonzalo Castro (34), Daniel Didavi (30) oder Marc-Oliver Kempf (25) und jungen Talenten wie Silas Wamangituka (20), Orel Mangala (22) oder dem argentinischen Nationalspieler Nicolas Gonzalez (22).

Dass der 1. FC Union Berlin am Ende der Bundesliga-Saison auf dem 11. Platz stand, hätten wohl wenige vor der Spielzeit angenommen. Doch der Aufsteiger präsentierte sich die gesamte Saison als unangenehmer Gegner, der selbst Mannschaften wie Dortmund (3:1) und Gladbach (2:0) zu Hause an der Alten Försterei bezwingen konnte. Die Ruhe, die durch Trainer Urs Fischer in den Verein gebracht wurde, gilt als Schlüssel zum Erfolg. Wie unaufgeregt Union auch in sein zweites Bundesliga-Jahr gehen wird, hängt davon ab, ob Stammspieler wie Rafal Gikiewicz (32, geht nach Augsburg) Keven Schlotterbeck (23, nach Leihe zurück nach Freiburg) oder der stark umworbene Sebastian Andersson ersetzt werden können. Eine Verstärkung wäre Max Kruse für die Köpenicker. Gerüchteweise arbeitet Union an einer Verpflichtung des ehemaligen Nationalspielers (14 Spiele). Allein der Gedankengang sich mit einem solchen Kaliber zu befassen, zeigt, dass Union Berlin nicht unvorbereitet in das viel zitierte „schwere zweite Jahr“ gehen will.

Augsburg als ewiger Abstiegskandidat

Der FC Augsburg feierte nach der Rettung am vorletzten Spieltag sein persönliches „La Decima“. Angelehnt an den zehnten Champions-League-Triumph von Real Madrid im Jahr 2014 freute man sich über die zehnte Bundesliga-Saison in Folge. Dies ist angesichts der bescheidenen Mittel des Vereins aller Ehren wert, veranschaulicht allerdings auch, wie sich der Verein selbst wahrnimmt: als ewiger Abstiegskandidat. Die Fuggerstädter beendeten die Saison auf dem 15. Rang, punktgleich mit dem Effzeh. Manager Stefan Reuter konstatierte nach dem letzten Spieltag: „Wir hatten Phasen, die uns zu denken geben. Es ist anstrengend, wenn du immer bis Saisonende um den Klassenerhalt spielst.“ Um diesem Szenario vorzubeugen, gab der FCA bereits den Transfer-Dreierpack von Rafal Gikiewicz (32), Daniel Caligiuri (32) und Tobias Strobl (30) bekannt. Die Routiniers sollen dem Team von Heiko Herrlich mehr Stabilität verleihen und Stützen im Kampf gegen den Abstieg sein.

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