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Hochtalentierter FC-Nachwuchs: Wer schafft es in die Bundesliga?


Das Nachwuchsleistungszentrum des 1.FC Köln gehört deutschlandweit zu den ersten Adressen. Die gewonnene B-Junioren-Meisterschaft in 2019, die beiden Staffelsiege der U19 und U17 dieses Jahr sowie die hohe Anzahl der Talente, die zuletzt den Sprung in die Bundesliga geschafft haben, beweisen: Am Geißbockheim haben Nachwuchskicker wieder beste Perspektiven. Doch wie geht es weiter? Welche Talente haben das Potenzial, den Sprung in den Profifußball zu schaffen?

Von Lars Tetzlaff 

Köln – Die Bilanz kann sich sehen lassen: Tim Lemperle, der erst im Mai seinen ersten Profi-Vertrag unterschrieb, war nach Darko Churlinov (19), Ismail Jakobs (20), Noah Katterbach (19) und Jan Thielmann (18) das fünfte FC-Eigengewächs, das in dieser Saison für den FC in der Bundesliga debütierte. Ebenfalls bei den Profis angekommen ist Robert Voloder, der bereits mit einem Profi-Vertrag ausgestattet ist und mehrfach zum Bundesliga-Kader gehörte, aber noch auf sein Debüt wartet. Zudem schafften es mit Florian Wirtz (17) und Can Bozdogan (19) noch zwei weitere Ex-Kölner bei anderen Klubs im Oberhaus durchzustarten.

Cestic und Akalp: Auch international begehrt

Neben den oben genannten Spielern hofft derzeit ein Defensiv-Duo aus der FC-U19 auf die Beförderung zu den Profis: Sava Cestic (19) und Erkan Akalp (18) durften zwar bereits mehrfach mit dem Bundesliga-Team trainieren, Cestic gar im Winter mit ins Trainingslager fahren, sind aber zunächst für die U21 eingeplant. Während der Kontrakt des wuchtigen, 1,92 Meter großen Deutsch-Serben Cestic 2021 ausläuft, wurde das Arbeitspapier von Linksverteidiger Erkan Akalp in der Corona-Pause bis 2022 verlängert. Dass Cestic und Akalp das Zeug für den Profi-Fußball mitbringen, ist auch der Konkurrenz nicht entgangen. Beide wecken auch international Begehrlichkeiten. Cestic soll gerüchteweise beim französischen Spitzenklub LOSC Lille auf dem Wunschzettel stehen, Akalp in den Fokus von Trabzonspor in der Türkei gerückt sein.

Adamczyk, Sponsel, Obuz: 2002er-Jahrgang im Fokus

Dahinter ist der erfolgreiche 2002er-Jahrgang, der letztes Jahr die Deutsche Meisterschaft nach Köln holte, in den Mittelpunkt gerückt: Nach Thielmann und Lemperle drängen weitere Talente ins Rampenlicht. Den ersten Schritt hat Daniel Adamczyk schon gemacht. Der gerade 18 Jahre alt gewordene Torwart der U17-Meistermannschaft war auch in der diesjährigen Saison der U19 die Nummer eins zwischen den Pfosten. Die verdiente Belohnung für starke und konstante Leistungen des Junioren-Nationalspielers: die vorzeitige Berufung in die U21 und eine Vertragsverlängerung bis 2023. Zwar wird sich Adamczyk nach einer Verletzung im Frühjahr erst wieder auf sein altes Niveau zurückkämpfen müssen, dennoch soll er sich als Nummer zwei hinter Julian Krahl für höhere Aufgaben empfehlen. Adamczyk besticht durch gute Reflexe, sicheres Stellungsspiel und hohe fußballerische Qualitäten. Den Verantwortlichen gefällt zudem die professionelle Einstellung des frisch gebackenen Einser-Abiturienten.

Ähnliches gilt für Meiko Sponsel (18). Der Siegtorschütze des U17-Finales gegen Borussia Dortmund ist eigentlich auf der rechten Abwehrseite zu Hause, schaltet sich aber immer wieder in die Offensive ein. Eigentlich wenig spektakulär in seiner Spielweise, jedoch zweikampfstark und schnell, wurde seine gute Entwicklung durch eine schwere Schulterverletzung gestoppt. Umso bemerkenswerter, mit welcher Dynamik und Zielstrebigkeit er kurz vor der Corona-Pause sein Comeback feierte. Auch Sponsel wird weiter im Fokus bleiben. Ein ganz anderer Spielertyp ist Marvin Obuz. Der in der Hürther Nachbarschaft aufgewachsene Junioren-Nationalspieler gehört in die Kategorie Techniker. Als Links- oder Rechtsaußen besticht der ebenfalls 18-jährige durch seine enge Ballführung im Tempo-Dribbling und seinen guten Schuss. Sollte es Obuz gelingen, seine letztjährige Trefferquote (sechs Treffer in 18 Spielen) weiter zu verbessern, ist auch er ein Kandidat für höhere Aufgaben.

Urbig, Castrop, Wydra, Diehl: Mit diesen jungen Wilden ist zu rechnen

Noch ein Jahr jünger, aber mindestens ebenso talentiert und ehrgeizig, präsentierten sich die Top-Talente der U17 in der zurückliegenden Saison. Auch wenn die mannschaftliche Geschlossenheit mit Sicherheit der Garant für die starke Saison war, stachen hier einige Ausnahmespieler heraus. In die Reihe der starken FC-Nachwuchskeeper der letzten Jahre hat sich Jonas Urbig eingereiht. Der 16-jährige debütierte bereits im letzten Jahr in der U17-Nationalmannschaft und hielt seinen Kasten in der Bundesliga-Saison 13 Mal in 21 Spielen sauber. Urbig überzeugt mit seinen Reflexen und wird in der kommenden Saison bei der U19 unter Beweis stellen müssen, dass er sein Tor und den Strafraum gegen physisch andere Kaliber zu verteidigen weiß. Ausreichend Erfahrung gegen ältere Gegenspieler bringt dagegen Jens Castrop schon mit. Der ebenfalls 16-jährige gehörte bereits in der Saison 2019/20 zum Kader der U17-Meistermannschaft und entwickelte sich unter U17-Trainer Markus Daun von einem bissigen und zweikampfstarken zentralen Mittelfeldspieler zum dominantesten Sechser der Liga. Kein Wunder, dass Daun den „aggressive leader“ nach dem Abgang von Florian Wirtz in der Winterpause zum Kapitän machte.

Für die spielerischen Highlights sorgte derweil ein junger Österreicher: Philipp Wydra (von Daun persönlich bei Rapid Wien entdeckt und zum FC gelotst) begeisterte durch seine filigrane Technik, seine Spielintelligenz und die herausragende Abschlussstärke. Mit 17 Treffern in 16 Spielen avancierte der österreichische Nationalspieler, der flexibel auf den Außenpositionen oder im offensiven, zentralen Mittelfeld einsetzbar ist, zum besten Torjäger der Liga. Wydra, der auch schon zwei Einsätze bei der U19 hatte und mit den Profis trainieren konnte, wird an seiner Physis arbeiten müssen, gehört aber ohne jeden Zweifel zu den hoffnungsvollsten Talenten im Verein. Dasselbe gilt für Justin Diehl. Der gerade einmal 15 Jahre alte Angreifer gehört schon länger zu den besten Torschützen seiner jeweiligen Liga. Eigentlich bei der U16 in der Mittelrheinliga im Einsatz (elf Treffer in sechs Spielen), beförderte ihn Trainer Daun noch während der laufenden Saison zur U17. Das Resultat: neun Treffer in zehn Spielen! Der 1,70 Meter große Diehl begeistert durch seine Schnelligkeit und seinen Torinstinkt. Sollte Diehl (Vertrag bis Sommer 2021) von Rückschlägen verschont bleiben und weiter gezielt von seinen Trainern aufgebaut werden, wird mit ihm zu rechnen sein. Vorausgesetzt, dem FC gelingt es den Vertrag mit dem umworbenen Talent zu verlängern.

Das Fundament aus hochtalentierten Nachwuchsspielern beim FC ist groß. Neben den genannten Akteuren haben zahlreiche andere Spieler im Verein das Zeug, den Sprung in den Profi-Fußball zu schaffen. Aus sportlicher oder finanzieller Perspektive muss es den Verantwortlichen jedoch gelingen, die besten Talente möglichst lange im Verein zu halten. Nur dann wird sich ihre Entwicklung auch für die Geißböcke auszahlen.

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