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Als drittletztes Team: So begründet Gisdol den späten Trainingsstart


Erst am 5. August nimmt der 1. FC Köln die Vorbereitung auf die kommende Saison wieder auf. Damit sind die Geißböcke zehn Tage später dran als beispielsweise Konkurrent Hertha BSC. Das mag überraschen, zeugte die vergangene Saison doch von einem dramatischen körperlichen Rückstand gegenüber der Konkurrenz. Für Markus Gisdol jedoch sollen die knapp fünfeinhalb Wochen bis zum ersten Pflichtspiel ausreichen. Der Trainer der Geißböcke verweist auf die kräftezehrende Saison, die hinter dem FC liegt. 

Köln – Nur der SC Freiburg (10.8.) und Arminia Bielefeld (6.8.) starten von allen Bundesligisten noch später als der 1. FC Köln in die Sommer-Vorbereitung. Die meisten Mannschaften beginnen bereits eine Woche früher, zwischen dem 25. und 31. Juli. So bittet beispielsweise Bruno Labbadia seine Hertha ganze zehn Tage früher wieder auf den Trainingsplatz als Markus Gisdol beim FC.

Das überrascht durchaus. Schließlich muss es der FC-Trainer schaffen, dem laufschwächsten Team der abgelaufenen Saison endlich Beine zu machen. Doch der FC sieht darin die richtige Maßnahme nach einer überlangen und mental wie körperlich kräftezehrenden Saison. In der am Freitag erschienenen letzten Folge der vereinseigenen Dokumentation 24/7 erklärte Gisdol seinen späten Trainingsstart. „Ganz klar: Ohne Erholung keine Leistung. Wir müssen jetzt auch richtig mutig sein mit der Art der Pause, die wir wählen, und vielleicht eine Woche länger Pause machen als andere Mannschaften.“ Der schwache Saisonstart inklusive Trainer- und Sportchefwechsel, der Kraftakt mit acht Siegen über den Winter, die Corona-Pause und schließlich der grotesk schwache Saisonabschluss hätten den Spieler ordentlich zugesetzt. „Ich weiß schon, was es mit einer Mannschaft macht, wenn du zum einen Trainerwechsel hast und zum anderen in einer aussichtslosen Situation bist, eine Kraftanstrengung hast, unglaublich viel Kritik einstecken musst und dann eine Phase hast, in der auf einmal alles läuft. Ich glaube, dass viele Spieler deutlich erschöpfter sind, als sie es nach einer normalen Saison wären“, gab der 50-jährige zu bedenken.

Spieler sollen kein Fußball spielen

Bis zum ersten Pflichtspiel, der ersten DFB-Pokal-Runde ab dem 11. September, bleiben den Geißböcken somit fünfeinhalb Wochen, um sich auf die neue Saison vorzubereiten. Nach dem Trainingsstart am 5. August geht es Ende des Monats in ein neuntägiges Trainingslager nach Donaueschingen. Die Grundlagen-Ausdauer sollte bis dahin allerdings bereits gelegt sein, sodass es im Südwesten Baden-Württembergs an den Feinschliff gehen kann. „Eine Vorbereitung von fünf bis sechs Wochen auf eine neue Saison reicht locker. Die Spieler machen ja nicht gar nichts in dieser Zeit. Sie sollen nur keinen Fußball spielen. Sie sollen zwei, drei Wochen die Seele baumeln lassen und dann mit leichten Läufen anfangen“, erklärt Gisdol die Vorgaben an die Spieler während der freien Tage. Dass sich die Spieler in der neuen Saison nicht den Vorwurf machen lassen wollen, mit dem ein oder anderen Kilo zu viel auf der Waage zurück ans Geißbockheim zu kommen, stellen sie mit zahlreichen Fitness-Videos auf den sozialen Kanälen aktuell unter Beweis. So zeigt sich beispielsweise Jorge Meré in einem spanischen Fitnessstudio, Marco Höger und Jhon Cordoba schwitzen in ihren Urlauben auf den Laufbändern und Noah Katterbach absolviert seine Läufe unter der Sonne von Mykonos.

Spieler und Trainer in der Pflicht – FC macht sich angreifbar

Dass so mancher Profi einen Urlaub dringend nötig hat, zeigten die blutleeren Auftritte nach der Corona-Pause. Dass so mancher Profi aber auch knallharte körperliche Arbeit nötig hat, ebenso. Insbesondere, da die kommende Saison durch eine engere Spieltaktung und vermehrte Englische Wochen sowie ohne Winterpause eine besondere Herausforderung für die Mannschaften darstellen wird. Darauf muss Gisdol seine Spieler vorbereiten, darauf müssen die Spieler hinarbeiten. Gisdol hofft, dass die Spieler am 5. August „heiß und scharf darauf sind, wieder zu kicken. Die Liebe zum Spiel geht nicht verloren. Die hast du und die sollst du auch leben. Wir müssen in der Pause die Gier und die Vorfreude erzeugen, wieder an den Ball zu dürfen. Dann regenerieren der Kopf und der Körper.“ Der FC geht damit aber auch ins Risiko: Es darf nichts schief laufen in der Vorbereitung, die Spieler müssen sich im Urlaub an die Vorgaben halten. Übergewicht oder schlechte Fitnesswerte zum Trainingsauftakt sind ein No Go – kamen in der jüngeren Vergangenheit aber häufiger vor. Der FC schenkt seinen Spielern mit dem späten Trainingsstart zwar einen längeren Urlaub. Das heißt aber auch, dass anschließend besonders hart gearbeitet werden muss. In jedem Fall machen sich die Geißböcke mit der Entscheidung angreifbar. Denn damit ist jetzt schon klar: Ab dem ersten Spieltag wird die Laufleistung der Spieler unter genauer Beobachtung stehen.

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