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So viel kostet der Abstieg: Künftig über zwei Millionen für FC-Frauen?


Eigentlich wollte der 1. FC Köln in der nächsten Saison so richtig angreifen: Mindestens um einen Mittelfeldplatz wollten die Geißböcke kämpfen. Mit großen Transfers kündigte man die Offensive im Frühjahr an. Doch dann stiegen die FC-Frauen wieder einmal aus der Bundesliga ab. Alte Fehler hat man zu spät korrigiert. Die Zeitdruck wächst, will man sich vor anderen Klubs irgendwann als Erstligist etablieren.

Köln – Die Enttäuschung saß tief, als die FC-Frauen am letzten Spieltag trotz eines Sieges über Sand den Abstieg Schwarz auf Weiß hatten. Wieder geht es im Fahrstuhl eine Etage tiefer. Aufstieg 2015, Abstieg 2016, Aufstieg 2017, Abstieg 2018, Aufstieg 2019, Abstieg 2020 – zu gut für Liga zwei, zu schlecht für Liga eins. Dabei hatte Interimsvorstand Stefan Müller-Römer vor einem Jahr noch vollmundig erklärt, man werde die Frauen nun endlich ernst nehmen und eine Bundesliga-taugliche Mannschaft aufstellen. Das Ergebnis ist ein Jahr später ernüchternd.

Auch, weil der FC die Veränderungen zu langsam vorangebracht hat. Zwar agiert Nicole Bender inzwischen als Teammanagerin und seit 2019 hat die erste Frauen-Mannschaft einen eigenen Physiotherapeuten. Darüber hinaus laufen die Kölnerinnen dem Geschehen noch immer weit hinterher. Die FC-Spielerinnen betreiben ihren Sport weiterhin nebenberuflich. Manchen Spielerinnen studieren, anderen wurde vom FC Jobs vermittelt. Während in Wolfsburg oder München praktisch alle Spielerinnen als hauptberufliche Fußballerinnen engagiert sind, täglich ein- bis zweimal trainieren und für ihren Sport leben, war man beim FC auch nach dem dritten Aufstieg im Sommer 2019 noch nicht bereit, seinen Bundesliga-Spielerinnen echte Gehälter und damit mehr als Aufwandsentschädigungen zu zahlen. Darüber hinaus ging man erneut mit Willi Breuer als Cheftrainer in die Saison, weil dieser es noch einmal in der Bundesliga versuchen wollte. Man scheute den vorzeitigen Schnitt mit dem verdienten Coach. Andere Klubs dagegen setzen auf professionelle Trainerteams inklusive Live-Videoanalyse während der Spiele.

Der Abstieg kostet rund 300.000 Euro

Im Winter erkannte man die erneuten Fehler und versuchte sie zu korrigieren: Mit Sascha Glass kam ein neuer Trainer aus Sand nach Köln. Doch personell traute man sich nicht umfassend nachzulegen. Dabei kosten im Frauenfußball Transfers mitunter nur rund 30.000 Euro. Der FC leistete sich diese nicht – und stieg am Ende der Saison einmal mehr ab. In dem Wissen, dass der Abstieg durch fehlende TV-Gelder und Sponsoren-Rückgänge rund 300.000 Euro kosten wird. Kein unbekanntes Problem beim FC, schließlich waren auch die Männer in der Saison 2017/18 sehenden Auges in die Zweite Liga gegangen, anstatt im Januar 2018 noch einmal umfassend nachzurüsten. Die FC-Frauen machten zwei Jahre später den gleichen Fehler und müssen nun in Liga zwei wieder neu beginnen.

Dass die Kölnerinnen dann der Top-Favorit auf den Aufstieg sein werden, steht bereits fest. Schließlich hatte der FC im März und April die Verpflichtung dreier Spielerinnen bekannt gegeben, die zur neuen Saison kommen werden – und eigentlich für die Bundesliga angedacht waren: Mandy Islacker (FC Bayern) sowie Lena Lotzen und Sharon Beck (beide SC Freiburg) unterschrieben jedoch Liga-unabhängig und sollen den FC damit im Unterhaus zum sofortigen Wiederaufstieg führen, wenngleich Lotzen mit einem Kreuzbandriss erst im Winter wird einsteigen können. Darüber hinaus verlängerten die FC-Frauen die Verträge mit Kristina Hild, Karoline Kohr, Carolin Schraa, Theresa Gosch, Yuka Hirano und Pauline Nelles, während man vier Spielerinnen den Laufpass gab und drei Talente zurück in die zweite Mannschaft versetzte. Die nächste Saison soll Trainer Glass dazu nutzen, den personellen Umbruch weiter voranzutreiben, um im Aufstiegsfall ab der Saison 2021/22 endlich in der Bundesliga konkurrenzfähig zu sein.

FC plant künftig mit zwei Millionen Euro pro Jahr

Wie wichtig dies ist, zeigt ein Blick auf Bundesliga-Klubs der Männer, die nun den Frauen-Fußball für sich entdecken. Wolfsburg, Bayern und Hoffenheim haben sich längst etabliert, in Frankfurt übernimmt die Eintracht das Ruder beim 1. FFC, Freiburg hat den erfolgreichen Weg der Männer bei den Frauen etabliert, Leverkusen will ebenfalls nachlegen. Doch darüber hinaus drängen mit RB Leipzig und Borussia Dortmund zwei neue Kräfte in den Frauenfußball, die – wenn sie einmal eine solche Entscheidung getroffen haben – den kürzesten Weg nach oben suchen werden. Viel Geld braucht es dafür im Vergleich zum Männerfußball nicht.

Wolfsburg investiert dem Vernehmen nach pro Saison rund fünf Millionen Euro, die Bayern vier, Hoffenheim drei, die meisten anderen Klubs im Mittelfeld zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro – aus Sicht der Männerabteilungen also Taschengeld. Der 1. FC Köln glaubte es in dieser Saison mit einem Etat zwischen eins und 1,5 Mio. Euro schaffen zu können. Doch einmal mehr ließ man den Worten keine Taten folgen und schaffte keine Grundlagen für den Klassenerhalt. Inzwischen wollen die Verantwortlichen dies erkannt haben und planen für die nächste Bundesliga-Saison – möglichst schon 2021/22 – mit rund zwei Millionen Euro. Jährliche Gesamtbeträge, die sich wie eine Farce ausnehmen im Vergleich zur Lizenzspieler-Abteilung der Geißböcke, wo Spieler wie Timo Horn, Jonas Hector oder Anthony Modeste alleine schon mehr verdienen als die Frauenabteilung pro Jahr kostet. Doch nach drei Aufstiegen und drei sofortigen Abstiegen will man beim nächsten Mal wohl tatsächlich ernst machen. Andernfalls dürften Leipzig und Dortmund den Kölnerinnen zeigen, wie es geht.

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