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Kölns Transfer-Nachteil: Wertverfall, teure Verträge und die Cordoba-Falle


Dem 1. FC Köln sind die Hände gebunden: Alexander Wehrle und Horst Heldt haben bestätigt, dass die Geißböcke erst in der Lage sein werden auf dem Transfermarkt zuzuschlagen, wenn der Kader deutlich verkleinert wurde. Zwar könnte es noch in dieser Woche zu weiteren Abgängen kommen. Doch der Weg bis zu Verstärkungen für die kommende Saison ist weit – und das Transferfenster weit offen.

Köln – Der 1. FC Köln ist im Nachteil. Weil das Transferfenster in diesem Sommer aufgrund der Corona-Krise bis in den Oktober hinein verlängert wurde, droht den Geißböcken eine monatelange Hängepartie auf dem Spielermarkt. Bis zum 5. Oktober können die Deals unter Dach und Fach gebracht werden, also noch geschlagene zwölf Wochen. Zwar beginnt die nächste Bundesliga-Saison erst in zwei Monaten, weshalb der Zeitdruck den FC-Kader zusammenzustellen nicht immens ist. Doch das Warten kostet Geld.

Aktuell liegen dem 1. FC Köln insgesamt 30 Profis auf der Tasche, von denen nur 20 bis 22 Spieler gehalten werden sollen. Acht bis zehn Spieler sollen den Klub noch verlassen. Dazu kommen die beiden Leihspieler Frederik Sörensen und Tomas Ostrak, die jeweils bis Mitte August noch in Bern und Hartberg unter Vertrag stehen. Die Konditionen dieser 30 Verträge liegen problematischerweise weit über dem, was der FC eigentlich in der Lage ist in der aktuell angespannten Situation zu zahlen. Viele Gehälter stammen noch aus der Europa-Zeit, dazu zeigte sich Ex-Manager Armin Veh nicht gerade zimperlich, wenn es um das Verteilen des Lizenzspieleretats ging. Und so tut jedes Monatsgehalt weh, das die Geißböcke für ihren übergroßen Kader zahlen müssen. Doch die Kölner haben noch ein weiteres Problem: Sie sitzen in Transferfragen nur auf dem Beifahrersitz.

Tribünenplätze werden vom FC sehr gut bezahlt

Zwar erklärte Finanz-Boss Alexander Wehrle dem GEISSBLOG.KOELN: „Horst Heldt und Markus Gisdol haben mit den betroffenen Spielern schon klare Gespräche geführt. Jeder Spieler hat Klarheit.“ Man werde alles tun, für jene Spieler, die keine Zukunft beim FC mehr haben, „individuell Lösungen zu finden“. Doch Wehrle musste auch eingestehen: „Die Spieler haben bei uns Arbeitsverträge und die werden wir einhalten.“ Und das ist das große Problem: So mancher FC-Spieler hatte auch in der Vergangenheit schon keinen Grund, sich mit seinem Berater ein Bein auszureißen, um einen neuen Klub zu finden. Denn der Tribünenplatz beim FC wird vielen Spielern vom Geißbockheim derart fürstlich bezahlt, dass ein Abgang die Profis deutlich schlechter stellen würde. Spieler wie Lasse Sobiech, Louis Schaub oder Vincent Koziello – selbst Joao Queiros – mögen zwar keine Zukunft mehr beim FC haben. Doch sie kassieren derart gute Erstliga-Gehälter, dass sie praktisch keinen neuen Verein finden werden, der ihnen annähernd das Kölner Gehalt bieten wird, zumal in Corona-Zeiten kaum ein Klub bereit ist sich finanziell weit für Neuzugänge aus dem Fenster zu lehnen.

Der Transfermarkt in diesem Sommer ist noch mehr von einem drastischen Wertverfall jener Spieler geprägt, die bei ihren Klubs auf dem Abstellgleis stehen. Jeder Marktteilnehmer weiß zudem, dass der FC sich diese Spieler eigentlich nicht mehr leisten kann. Und so werden sich die Geißböcke an den meisten Abgängen sogar noch einmal finanziell beteiligen müssen, um die Spieler überhaupt von der Payroll zu bekommen.

Ein Cordoba-Ultimatum würde dessen Marktwert zerstören

Horst Heldt meinte auch jüngst wieder, der FC sei auf dem Transfermarkt in diesem Sommer nicht die treibende Kraft, sondern müsse abwarten. Wie schon im Winter, als man kaum finanzielle Mittel zur Verfügung hatte und erst einmal jene Player im Markt aktiv werden mussten, die über ausreichend Geld verfügen konnten. Erst diese setzten eine Dynamik in Gang, die den FC letztlich ebenfalls ins Spiel brachte. Darauf gilt es aus Kölner Sicht nun erneut zu warten – doch bei dem noch sehr lange geöffneten Transferfenster wird es wohl einige Zeit dauern, ehe die Geißböcke ihren Kader durch Ausleihen und Verkäufe soweit verschlankt haben, um selbst für Zugänge sorgen zu können.

Das beste Beispiel ist Jhon Cordoba: Dessen Berater Christian Wein spielt auf Zeit, denn er weiß um den Wert seines Stürmers und die Begehrlichkeiten im Markt. Will Wein seinen Spieler verkaufen, wird er einen Käufer finden. Das gilt als sicher. Ob das Wolfsburger und Berliner Interesse real ist, spielt dabei zunächst einmal keine Rolle. Denn die Entscheidung wird sowieso nicht in den nächsten Tagen fallen. Aktuell testen die Berater allerorten nur das Wasser. Die Zukunft des Kolumbianers könnte sich womöglich erst im September entscheiden. Ein für die Geißböcke extrem später Zeitpunkt, stehen und fallen doch mit einem Verbleib oder einem Abschied des besten FC-Stürmers die Kölner Aktivitäten auf dem Transfermarkt. Nur was können die Geißböcke tun? Sie wollen Cordoba halten. Ein Ultimatum im Vertragspoker würde einen Abschied jedoch nur noch wahrscheinlicher machen – und den Stürmer billiger. Das können sich die Geißböcke nicht leisten. Und somit müssen Heldt und Co. in den kommenden zwölf Wochen noch sehr viel Geduld aufbringen müssen, damit der FC nicht zum Spielball der Transferkräfte wird.

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