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Mannschaftsrat, Taktik: Gisdol kündigt Veränderungen an


Wie wird das Gesicht des 1. FC Köln in der kommenden Saison aussehen? Klar scheint, dass für große personelle Veränderungen durch Transfers die finanziellen Möglichkeiten fehlen. Doch innerhalb der bestehenden Mannschaft sollen künftig andere Spieler ein gewichtigeres Wort bekommen. Auch taktisch will der FC flexibler reagieren können. 

Köln – Der 1. FC Köln kann in diesem Sommer keinen Stein auf dem anderen lassen. Nach der überwiegend enttäuschenden letzten Saison und verschwenderischen Jahren braucht es am Geißbockheim Veränderungen. Zwar setzt man beim FC mit der Verlängerung mit Markus Gisdol auf der entscheidenen Position auf Kontinuität. Darüber hinaus wollen die Geißböcke jedoch alteingefahrene Strukturen aufbrechen und auch innerhalb der Mannschaft neue Reize setzen.

Die Hierarchie soll sich verändern

Die von außen betrachtet durchaus überraschende Ablösung von Chef-Physiotherapeut Klaus Maierstein war dabei beispielhaft für die beginnende Veränderung. Der Oberbayer war am Mittwoch nach neun Jahren bei den Profis abgelöst worden. Vorausgegangen waren offensichtlich Missstimmungen zwischen dem Physiotherapeuten und dem Trainerteam. Maierstein galt als Vertrauter der alten Spieler-Garde und hatte schon unter Markus Anfang für Irritationen gesorgt. Dass Maierstein nicht mehr Teil der Profi-Abteilung ist, darf daher durchaus als Wink in Richtung einer Neuausrichtung in der Betreuung des Teams gesehen werden. Schließlich sind Physiotherapeuten nicht selten auch persönliche Ansprechpartner und Vertraute der Spieler. Für die mentale Betreuung wurde derweil Sportpsychologe Moritz Anderten installiert. Der Psychologe wird die Mannschaft ab sofort begleiten und versuchen, in bestimmten Situationen positiv auf sie einzuwirken. Bei anderen Vereinen wie allgemein im Leistungssport ist das Arbeiten mit einem Sportpsychologen bereits gang und gäbe. Beim FC scheint man damit nun auf die erschreckend schwachen Auftritte nach der Corona-Pause zu reagieren, bei der die Mannschaft teils überfordert mit sich selbst und den ungewöhnlichen Umständen wirkte.

Doch auch innerhalb der Mannschaft, in der nach wie vor die Spieler aus der Zeit vor dem Abstieg 2018 über einen enormen Status verfügen, sollen die Rollen neu besetzt werden. Zwar dürfte der personelle Umbruch aufgrund des geringen Transferbudgets und des schwierigen Transfermarkts kleiner ausfallen als erhofft. Trotzdem will man am Geißbockheim neue Strukturen schaffen. „Die Hierarchie soll sich verändern. Das ist ein Prozess, den wir anstoßen wollen“, erklärte Markus Gisdol am Donnerstag. Dabei soll auch der seit Jahren kaum veränderte Mannschaftsrat neu aufgestellt werden. Während Markus Anfang in der Zweitliga-Saison seinen Mannschaftsrat noch selbst bestimmte und mit Rafael Czichos zumindest einen damaligen Neuzugang einbaute, ließ Achim Beierlorzer die Spieler selbst ihre Vertreter wählen. Zur Folge war, dass Czichos aus dem Rat flog und mit Timo Horn, Thomas Kessler, Jonas Hector, Marco Höger und Anthony Modeste ausschließlich Spieler der älteren Generation dort vertreten waren. Weder ein Neuzugang noch ein Spieler der jüngeren Garde konnten ihre Anliegen im Rat vertreten. Das soll sich zur kommenden Saison ändern. „Das gehört zu einer Aufbruchsstimmung dazu. Schon in der letzten Saison hat sich etwas am Gesicht der Mannschaft geändert.“ Dass sich Markus Gisdol nicht vor solch einem Umbruch scheut, hat der Trainer in der letzten Saison unter Beweis gestellt. Einstige Leistungsträger fanden sich nur noch auf der Bank oder der Tribüne wieder, während Talente, die ihre Bundesliga-Tauglichkeit erst noch unter Beweis stellen müssen, von Gisdol ins kalte Wasser geschmissen wurden.

Erste richtige Vorbereitung für Gisdol und sein Team

Allerdings dürfte es für die kommende Saison kaum ausreichen, ausschließlich neben dem Platz für neue Strukturen zu sorgen. Auch auf dem Platz werden sich Gisdol und seine Spieler Alternativen überlegen müssen, um deutlich stabiler agieren und auf den Gegner besser reagieren zu können. „Wir wollen uns flexibler aufstellen, wollen am Wechsel von Vierer- auf Dreierkette während des Spiels arbeiten, an verschiedenen Anlaufhöhen“, erklärte der 50-jährige seine Vorstellungen für die am Samstag beginnende Vorbereitung auf dem Platz. Dafür bleiben dem Trainer mit seiner Mannschaft nun fünf Wochen bis zum ersten Pflichtspiel. Zeit, die ihm nach seinem Amtsantritt im November mit einem kurzen Winter und dem Abstandstraining wegen Corona verwehrt blieb. „Jetzt haben wir das erste Mal eine vernünftige Vorbereitung und Zeit, gemeinsam an diesen Dingen zu arbeiten.“

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