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Patzer, VAR und Passivität: Der unglückliche Bundesliga-Auftakt


Die 2:3 (1:2)-Niederlage des 1. FC Köln gegen die TSG 1899 Hoffenheim war so ärgerlich wie vermeidbar. Ein individueller Patzer zu Beginn, eine mehr als zweifelhafte Entscheidung nach Videobeweis und zu große Passivität nach eigentlich starkem Comeback machten die Auftaktpleite des FC am Ende perfekt. 

Aus Müngersdorf berichtet Sonja Eich 

Geschichte des Spiels: Es schien, als hätte der 1. FC Köln eine Dreiviertelstunde lang Anlaufzeit gebraucht, ehe die Mannschaft für die neue Saison bereit war. Einen zu kurz geraten Rückpass von Kapitän Jonas Hector auf Timo Horn nutzte die TSG 1899 Hoffenheim eiskalt aus und ließ die anfängliche Verunsicherung der Geißböcke noch weiter anwachsen. Im ersten Durchgang hatten die Kölner dabei durchaus Glück, dass die Partie nicht bereits frühzeitig entschieden war. Die einzige Torchance in Hälfte eins konnte Neuzugang Sebastian Andersson zum zwischenzeitlichen Ausgleich nutzen. Ein mehr als fragwürdiger Elfmeter (dazu später noch mehr) brachte die Gäste schließlich zur Pause wieder in Führung. Dann aber schienen auch die Kölner in der Bundesliga-Saison 20/21 angekommen. Deutlich aggressiver und mutiger erspielte sich die Gisdol-Elf Chance um Chance und wurde kurz vor Spielende auch mit dem erneuten Ausgleich belohnt. Doch anstatt fortan stabil zu stehen und den Punkt zu sichern, agierte der FC erneut zu passiv und lud Andrej Kramaric zum dritten Mal an diesem Tag zum Toreschießen ein.

Das Ergebnis: Am Ende unterlag der FC der TSG mit 2:3. Dabei wäre ein Unentschieden nach dem Spielverlauf durchaus gerecht gewesen. Doch nicht nur das: Fast in jeder Statistik lagen die beiden Mannschaften am Samstagnachmittag gleich auf. 13:14 Torschüsse, 356:358 angekommene Pässe, 80:79 Prozent Passquote, 50:50 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von 52:48 Prozent. Diese Daten zeigen: Das Spiel hatte eigentlich keinen Verlierer verdient gehabt.

Pfiff des Spiels: Der Videobeweis geht in der Bundesliga nun in seine vierte Saison. Doch noch immer ist der Kölner Keller so streitbar wie unverständlich. Das musste auch der 1. FC Köln am Samstag wieder am eigenen Leib erfahren. Kurz vor der Halbzeitpause ging Christoph Baumgartner im Zweikampf mit Rafael Czichos zu Boden. Schiedsrichter Daniel Siebert entschied zunächst nicht auf Foulelfmeter und auch der VAR in Deutz schien die Entscheidung nicht treffen zu wollen. Die Ansicht der TV-Bilder schienen dem Unparteiischen zunächst auch keine allzu große Hilfe zu sein, dauerte es doch einige Minuten, ehe er sich durchringen konnte, doch noch auf den Punkt zu zeigen. Sehr zum Unverständnis aller Kölner: Baumgartner war eigentlich Czichos auf den Fuß gestiegen, in den Bildern auch deutlich zu erkennen. Erst dann ging der Hoffenheimer zu Boden. Eine klare Fehlentscheidung lag hier zweifelsohne also nicht vor. „Entweder hast du einen dominanten Mann in Köln oder nicht. Die Situation war schon eigenartig“, wunderte sich auch Trainer Markus Gisdol hinterher über die Unsicherheit von Siebert und fügte hinzu: „Einigen wir uns darauf, dass Hoffenheim sich nicht hätte beschweren müssen, wenn es ihn nicht gegeben hätte.“

Zitat des Spiels: „Wenn er ihn nicht pfeift, dann braucht er es auch nicht mehr umändern. Wenn er dann auch noch zehn Minuten guckt, ob ich Rot kriege und dann noch nicht mal Gelb bekomme, dann verstehe ich die Welt nicht mehr.“  (Rafael Czichos)

Einwechslung des Spiels: Seit knapp einer Woche trainiert Frederik Sörensen nach seiner Rückkehr aus Bern wieder dem FC. Am Samstag stand der Innenverteidiger auch erstmals wieder im Kader der Geißböcke. In der 86. Minute feierte der Däne dann schließlich auch sein Comeback. Allerdings war Sörensen nicht für die Innenverteidigung vorgesehen, sondern als Brecher und zusätzlich kopfballstarke Option im Angriff. „Wenn ich Freddy im Sturm bringen muss, weil wir keinen anderen Stürmer hatten, zeigt das, dass wir personell nicht so gut aufgestellt sind“, bilanzierte Gisdol nach der Partie.

Erkenntnis des Spiels: Nach einer schwachen ersten Halbzeit steigerte sich der FC in den zweiten 45 Minuten und agierte mit dem Europa League-Teilnehmer mindestens auf Augenhöhe. Auch die Neuzugänge erwiesen sich für das Team von Trainer Markus Gisdol direkt als Verstärkung. Am Ende brachten sich die Kölner mit ihrer Passivität in der Nachspielzeit jedoch selbst um den verdienten Lohn. Doch an die Leistung der zweiten Hälfte gilt es für den FC nun beim Aufsteiger aus Bielefeld anzuknüpfen.

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