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Gisdol weiß: Jetzt muss er seinen Spielstil umsetzen


Der 1. FC Köln sucht sein System. Diese Suche dauert nun schon wieder mehrere Jahre an, weil sich mehrere Jahre lang mehrere Trainer probieren durften. Auch Markus Gisdol hat sein System nicht gefunden. Zwischenzeitlich schien es zwar so, doch dann verlor der Trainer seine Linie. Findet er sie wieder, können alle davon profitieren. Das Personal steht ihm nun zumindest größtenteils zur Verfügung. Für welchen Fußball wird sich der FC-Coach entscheiden? Das Spiel gegen Eintracht Frankfurt wird Aufschluss geben.

Köln – Dass der 1. FC Köln erst am Sonntag gegen Eintracht Frankfurt spielen muss, ist ein Segen für die Geißböcke. Jedes Training hilft dem FC gerade, sich einzuspielen. Die Nationalspieler kehrten teilweise erst Freitag ins Mannschaftstraining zurück. Wieder einmal alles andere als optimale Bedingungen als Vorbereitung auf eine so wichtige Partie wie gegen die SGE. Doch die Zeit der Ausreden und des Abwartens ist vorbei. Der FC muss funktionieren, muss punkten, muss endlich in die Saison finden.

In den vergangenen Wochen gab es noch gute und nachvollziehbare Gründe für den holprigen Start. Verletzte Spieler und erst kurzfristig verpflichtete Neuzugänge, Unterbrechungen im Training durch Länderspielpausen mit teilweise nur elf Profis auf dem Rasen, abgesagte Testspiele und dann diese ewig wiederkehrenden individuellen Patzer in der Bundesliga, die nur bedingt etwas mit taktischen oder spielerischen Defiziten zu tun hatten. Markus Gisdol hatte es wahrlich nicht leicht. Doch jetzt, da das Transferfenster geschlossen und die meisten Spieler wieder im Training sind, muss der FC beginnen zu funktionieren und den Spielstil umsetzen, den sich Gisdol wünscht.

Haben jetzt Möglichkeiten, die vor zwei, drei Wochen noch nicht denkbar waren

„Wir mussten in den ersten Wochen Abstriche machen. Das hat man gesehen“, gab Gisdol am Freitag zu, dass vor allem der Ausfall der offensiven Außenbahnspieler den FC getroffen hatten. „Wir haben den Kader jetzt aber zusammen und Möglichkeiten, die vor zwei, drei Wochen noch nicht denkbar waren.“ Jetzt wolle man die Spielidee umsetzen, die man schon länger im Kopf habe „und daraus Kapital schlagen“. Gedanken um seinen Job, sagte Gisdol, mache er sich trotz der 13 nicht gewonnenen Bundesliga-Spiele in Folge nicht. Es zählte nur diese Saison, und man habe intern die drei Niederlagen gegen Hoffenheim, Bielefeld und Gladbach „gut analysiert“. Die Aufgabe an seine Spieler laute nun: „weniger Fehler machen und das Umschaltspiel verbessern, dann werden wir wieder punkten, weil die Basis stimmt“.

Doch Gisdol weiß auch, dass auch er jetzt keine Fehler mehr machen darf. Er muss eine Mannschaft finden, deren individuelle Stärken zu den Aufgaben passen, die er von den Spielern erwartet. Jan Thielmann und Ismail Jakobs sind beispielsweise fraglos große Talente des 1. FC Köln. Die beiden Offensivspieler sind enorm schnell, aggressiv gegen den Ball, harte Arbeiter und Fußballer, die Raum benötigen, in dem sie ihre Qualitäten ausspielen können. Was man von ihnen dagegen nicht erwarten kann, sind fußballerische Kabinettstückchen oder Kombinationsfußball. Wer einen solchen Fußball spielen lassen will, muss auf andere Spieler setzen. Wer dagegen auf Konter setzt, auf aggressives Pressing und Gegenpressing, auf Ballgewinne und schnelle Angriffe, der findet in Jakobs und Thielmann die richtigen Spieler.

Sebastian Andersson wiederum ist ein guter Stoßstürmer mit einem der besten Kopfballspiele der Liga. Die Mannschaft, die ihn mit Flanken versorgt, ob aus dem Spiel heraus oder durch Standards, kann ähnlichen Erfolg haben wie Union Berlin in der vergangenen Saison. Dafür aber braucht Andersson Nebenmänner, vor allem auf den Außen, die gut flanken können, sowie gute Standardschützen. Wer mit Andersson spielt und zudem bei Standards noch auf Spieler wie Sebastiaan Bornauw zurückgreifen kann, muss den gegnerischen Strafraum in 90 Minuten mit Dutzenden hohen Bällen eindecken. Wer aber sind die besten Flankengeber beim FC, nicht nur in der offensiven Reihe, sondern auch auf den Außenverteidiger-Positionen? Dominick Drexler gehört – statistisch nachgewiesen – zu den besten Flankengebern der Bundesliga. Jannes Horn schlägt gute Flanken, Jakobs und Marius Wolf ebenfalls. Noah Katterbach oder Kingsley Ehizibue haben dagegen andere Stärken. Ondrej Duda ist ein guter Standardschütze, dahinter wird es ohne den verletzten Florian Kainz hingegen dünn.

Gisdol muss nun, da er den Kader größtenteils beisammen hat, diese Puzzleteile zu einer stimmigen Startelf zusammenfügen. Gegen Eintracht Frankfurt, eine der körperlich stärksten Mannschaften der Liga, braucht es zudem schiere Kraft und Körpergröße, um sich den robusten Hessen in den Weg zu stellen. Die noch ungeschlagenen Frankfurter kommen mit viel Selbstvertrauen ins RheinEnergieStadion. Zumindest mit einer guten Erinnerung können die Kölner auf die letzte Partie zurückblicken. Das 1:1 am 33. Spieltag im Juni sicherte den Geißböcken den Klassenerhalt. Es war der letzte Punkt, den Köln in der Bundesliga holte. Gisdol ließ damals in einer 3-4-1-2-Formation spielen. Dies dürfte dieses Mal anders sein. Denn jetzt geht es darum, einen neuen Weg zu finden, einen erfolgreichen für die Zukunft.

So könnte der FC spielen: Horn – Schmitz, Sörensen, Bornauw, Katterbach – Skhiri, Rexhbecaj – Wolf, Özcan (Duda), Jakobs – Andersson

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