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Sturm-Tief: Hoffnung auf Andersson – Zweifel bei Zirkzee?


Der 1. FC Köln hat ein Sturm-Problem: Sebastian Andersson mussten Gelenkkörper aus dem Knie entfernt werden. Anthony Modeste plagen Bandscheiben-Probleme. Tolu Arokodare ist weit entfernt von einem Bundesliga-tauglichen Niveau. Und so trauert der FC scheinbar Simon Terodde nach sowie der verpassten Chance Joshua Zirkzee vom FC Bayern zu verpflichten. Ein Blick auf das Kölner Sturm-Tief.

Köln – Eines ist klar: Beim 1. FC Köln darf im Sturm aktuell nichts passieren. Sebastian Andersson muss sofort wieder fit werden und gegen Union Berlin einsatzbereit sein. Denn Anthony Modeste und Tolu Arokodare sind aktuell und auch auf Sicht nicht die erhofften Stürmer Nummer zwei und drei. Auf sie kann Markus Gisdol nicht zählen. Wie steht es um den Kölner Angriff nach sieben Spieltagen?

Sebastian Andersson: Dass der Schwede mit großen und schon länger bekannten Knieproblemen aus Berlin gekommen sein soll, ist eine Mär. Andersson ist in den letzten drei Jahren nur in zwei (!) Ligaspielen nicht zum Einsatz gekommen – eines wegen einer Gelbsperre, bei einem zweiten saß er auf der Bank. Wäre er wirklich so verletzungsanfällig, wie ihm nun nachgesagt wird, wäre diese Bilanz unmöglich gewesen. Fakt ist allerdings: Andersson klagte bereits in der Vorbereitung bei Union über Knieprobleme. Dann grätschte ihn Salih Özcan im Kölner Training vor dem zweiten Spieltag um. Seitdem spielte der Angreifer mit Schmerzen. Jetzt wurden ihm Gelenkkörper an der Außenseite des Knies entfernt. Es war kein großer Eingriff, und vor allem kein Eingriff ins Zentrum des Knies. So zumindest schildert es der FC. Andersson soll nächste Woche Mittwoch wieder voll ins Mannschaftstraining einsteigen und gegen Union Berlin fit sein. Wie wichtig der Eingriff gewesen sein könnte, sagte Trainer Markus Gisdol nun mit Blick auf einen gänzlich anders aufgelegten Andersson: „Sebastian geht es jetzt so gut wie noch nie, seit er hier ist.“ Die Hoffnung ist also da, dass der Stürmer nun frei ist in seinen Bewegungen und nicht mehr so gehemmt, wie er zuletzt gewirkt hatte.

Anthony Modeste: Ein fitter Andersson ist jedoch dringend vonnöten. Denn Anthony Modeste ist erst einmal wieder raus beim FC. Kaum hatte sich der Franzose nach seinen Knieproblemen zurückgekämpft, macht nun sein Rücken Sorgen. Eine Bandscheibe schmerzt, Modeste lässt sich physiotherapeutisch behandeln. Niemand weiß aktuell, wann der Stürmer wieder mittrainieren kann. Doch Gisdol macht sich keine Illusionen: „Tony hatte sich gerade angekämpft. Jetzt wirft ihn sein Rücken wieder mehrere Wochen zurück.“ Heißt: Selbst im Bestfall wird Modeste nicht vor Anfang Dezember einsatzfähig sein. Und selbst das steht aktuell in den Sternen.

Tolu Arokodare: Um so bitterer ist es, dass das Experiment Tolu Arokodare noch nicht funktioniert. Der Nigerianer mag ein schneller und robuster Spieler sein. Mit Bundesliga-Niveau haben seine fußballerischen Qualitäten aber noch nichts zu tun. Doppelt bitter: Weil er nicht in der U21 eingesetzt werden darf, kann er außer in Testspielen wie gegen Bochum keine Spielpraxis sammeln. Der 19-jährige schiebt zwar Extra-Schichten im Training wie niemand sonst. Nach GBK-Informationen verlangt er sogar die Videos der Trainingseinheiten, um privat zu studieren, woran er arbeiten muss. Das mag zwar langfristig vielversprechend sein, doch für den FC im November 2020 ist Arokodare nur eine Notlösung.

Simon Terodde: Eine Notlösung, die her musste, weil der FC Simon Terodde abgeben musste. Finanziell steht außer Zweifel, dass die Geißböcke das Über-zwei-Millionen-Euro-Jahresgehalt aus den Büchern kriegen mussten. Der HSV sagte Danke und erfreut sich gerade an den erwarteten Terodde-Toren (8 Tore in 7 Spielen) in Liga zwei. Mancher FC-Fan murrt nun, wie man den 32-jährigen gehen lassen konnte. Dabei wird jedoch vergessen, dass Terodde in der vergangenen Saison auf Bundesliga-Niveau kaum noch hatte mithalten können (nur noch 67 Einsatz-Minuten in der Rückrunde). Terodde konnte seine große Qualitäten, das Lauern im Strafraum, in der Bundesliga nicht mehr zur Geltung bringen. In der Zweiten Liga funktioniert er weiterhin wie kein zweiter Stürmer, zumal der HSV die Spiele dominiert und Terodde im Strafraum auf seine Chancen warten kann. Doch beim FC war man sich sicher gewesen: In dieser Saison wäre T-Rod für die Geißböcke kein Gewinn mehr gewesen – egal ob als Stürmer Nummer eins, zwei, drei oder vier.

Joshua Zirkzee: Das große Problem ist, dass der FC seinen Wunschstürmer neben Andersson und Modeste nicht bekam. Dies war Bayern-Youngster Joshua Zirkzee, wie Sportchef Horst Heldt längst bestätigt hat. „Im Sommer haben uns die Bayern gesagt, dass wir keine Chance auf ihn haben“, sagte nun auch Gisdol. Der FC hätte einzig am letzten Transfertag noch einmal zuschlagen können, da waren die Sturm-Positionen beim FC aber vermeintlich vergeben. Klar ist: Das war eine Fehleinschätzung. Man hatte sich mit einem Experiment (Arokodare) die so wichtige Kaderstelle hinter Andersson und Modeste unnötig verbaut. Längst ist klar: Der FC hätte Zirkzee trotzdem noch holen müssen. Dass man sich dessen inzwischen bewusst ist, zeigt sich daran, dass sich die Verantwortlichen längst wieder mit Zirkzee beschäftigen – für einen Winter-Transfer. „Jetzt werden wir überlegen, was wir im Winter machen“, sagte Gisdol. „Klar darf im Sturm gerade nichts mehr passieren.“ Ob es dann tatsächlich Zirkzee werden wird, ist allerdings unklar. Schließlich müsste der 19-jährige anerkennen, nicht als Nummer-eins-Stürmer zu kommen. Nicht selbstverständlich, wie es heißt, denn das Bayern-Talent sieht sich bereits derart ambitioniert, dass nicht klar ist, ob er eine Joker-Rolle beim FC akzeptieren würde. Der FC wird sich also sicher mit einem neuen Stürmer im Winter befassen – aber ob es Zirkzee wird, muss sich erst noch zeigen.

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