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30 Spiele, 30 Punkte: Die große Herausforderung wartet jetzt


So ein Jahr wie dieses hat Markus Gisdol noch nie erlebt. Das gilt für den 51-jährigen wie für wohl fast alle Menschen aufgrund der Corona-Pandemie. Für den 1. FC Köln verlief 2020 selbst für FC-Verhältnisse in außergewöhnlichen Wellen, sodass der Cheftrainer ein Fazit noch scheut. Er weiß nur: Es hat viel Kraft gekostet. Kraft, die alle Beteiligten bei den Geißböcken in 2021 brauchen werden, um das Saisonziel zu erreichen.

Köln – Rein sportlich liest sich die Bilanz des 1. FC Köln unter Markus Gisdol im Jahr 2020 wie folgt: 30 Bundesliga-Spiele, sieben Siege, neun Unentschieden, 14 Niederlagen bei einem Torverhältnis von 45:58. In den 30 Spielen holte der FC also 30 Punkte. Ein Schnitt, der knapp an der Grenze zum Abstieg gelegen hätte, gewöhnlich zum Relegationsplatz gereicht hätte, zu mehr in der Regel aber auch nicht. Dazu gab es zwei Pokalspiele, beide wurden gewonnen, weshalb der FC in 2021 im Achtelfinale steht.

Wir sind auf dem Weg den Turnaround zu schaffen

Man darf das Jahr 2020 aus Kölner Sicht also durchaus als durchwachsen bezeichnen. Doch gibt es positive Signale. Das große Tal, das 18 sieglose Spiele in Folge umfasste, scheint durchschritten. Zuletzt gab es drei Siege in sechs Pflichtspielen, acht Punkte für die Bundesliga und eben jenen Einzug in die letzten 16 im DFB-Pokal. Im Vergleich zu so manchem anderen Bundesligisten können die Geißböcke also optimistisch in den nächsten Wochen blicken. Die richtigen Lehren aus der Krise scheinen gezogen. Und auch, wenn sich erst zeigen muss, wie stabil der jüngste Erfolg wirklich ist, darf sich Gisdol als einer der Gewinner der jüngeren Entwicklungen fühlen. Schließlich musste er arg um seinen Job bangen, bekam dann mit seiner Mannschaft aber doch noch die Kurve.

„Wir sind auf dem Weg den Turnaround zu schaffen“, sagte der 51-jährige am Dienstag nach dem Sieg über Osnabrück. „Wir sind lange den ersten drei verlorenen Spielen der Saison hinterher gelaufen. Der Pokal tut uns jetzt gut.“ Ein Fazit mochte der FC-Trainer nicht ziehen. Dafür gehe es nach Silvester zu sehr Schlag auf Schlag weiter, als dass überhaupt Zeit für so etwas wie eine Zwischenbilanz sei. „Die große Herausforderung wartet erst noch“, mahnte Gisdol. „21 Spiele in viereinhalb Monaten ohne Pause – das gab es eigentlich noch nie in der Bundesliga. Das wird eine ganz neue Situation, die es zu meistern gilt.“

Hinweise auf einen überraschend breiten Kader

Aufgrund des zeitlich verschobenen Spielplans erwartet den FC alleine in den ersten sechs Wochen im neuen Jahr acht Pflichtspiele. Bis Mai sieht der Spielplan nur noch eine einzige Woche Ende März während einer Länderspielpause ohne Pflichtspiele vor. Der Rest ist eine Aneinanderreihung von Spieltagen. Gut für den Rhythmus, ungewohnt für die Spieler, zumal es keine Winterpause gibt. Und vermeintlich gut für Mannschaften wie die Geißböcke, die sich bislang in dieser Saison als eines der laufstärksten Teams präsentiert haben. „Der Spielplan war bereits so eng, dass es sich so anfühlt, als hätten wir schon alle 25 Spiele gemacht“, sagte Gisdol. Das Trainerteam werde darauf achten müssen, die Belastung der Spieler über die Wochen zu kontrollieren und im Zweifel, wie gegen Leipzig bei Jakobs und Cestic geschehen, auch mal auf Spieler verzichten, um keine Verletzungen zu riskieren.

Insofern waren die letzten Spiele bereits die ersten Tests für die kommenden Wochen. Gisdol tauschte trotz funktionierenden Systems immer wieder durch. Ob in der Defensive, im zentralen Mittelfeld, auf den Flügeln oder im Sturm: Gisdol setzte in den letzten sechs Pflichtspielen insgesamt 21 Spieler ein, ohne dass (Leverkusen ausgenommen) die Leistung und die Ergebnisse allzu sehr schwankten. Nur wenige FC-Profis (Arokodare, Clemens, Höger, Sörensen sowie die ganz jungen Talente aus U19 und U21) spielten überhaupt keine Rolle. Ein Hinweis auf einen überraschend breiten Kader? Der FC-Trainer konnte jedenfalls auch mal wechseln, wenn nötig. Eine Erkenntnis, die für 2021 helfen sollte. Und vielleicht zu einem etwas ruhigeren Jahr führen wird als das endende 2020.

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