,

Thielmanns Rettungstat verhindert Kölner Pokal-Kater


Mit dem letzten Pflichtspiel des Jahres hat der 1. FC Köln eine weitere Negativserie des Jahres 2020 beendet. Darüber hinaus verhinderte das 1:0 (1:0) gegen den VfL Osnabrück eine Fortsetzung unschöner Erinnerungen an den DFB-Pokal. Die Liste an peinlichen Auftritten ist schließlich lang genug. Gut, dass es gegen den Zweitligisten am Dienstagabend Jan Thielmann gab, der kurz vor Schluss den verdienten Sieg mit der Szene des Spiels sicherte.

Aus Müngersdorf berichtet Marc L. Merten

Geschichte des Spiels: Es war der 29. Februar 2020, als der 1. FC Köln in Müngersdorf zuletzt gewann. Vor 50.000 Zuschauern, in einer Zeit vor Corona, vor der herannahenden Pandemie. Ein berauschendes 3:0, das viele Hoffnungen weckte. Doch es blieb der letzte Heimsieg in einem Pflichtspiel der Geißböcke. Bis Dienstagabend: Das 1:0 gegen Osnabrück war zwar kein Sieg in der Bundesliga, aber immerhin ein Pflichtspiel-Sieg. Jetzt mag man erklären: Moment, der Sieg in Runde eins gegen Altglienicke geschah doch auch daheim. Doch der DFB führt dieses Spiel trotz Heimrecht-Tausch als Kölner Auswärtsspiel. Der FC gewann also als Gast im heimischen Stadion. Statistisch gesehen war der Sieg über den VfL vor Weihnachten also der erste Heimsieg seit Ende Februar.

Das Ergebnis: Das 1:0 entsprach dem Spielverlauf. Der FC war in allen Belangen überlegen – auf dem Feld wie auch in den Statistiken. Mehr Ballbesitz (63%), bessere Zweikampf- (52%) und Passquote (85%), 23 zu 8 Torschüsse, 10 zu 3 Ecken, und obwohl der FC aus dieser Überlegenheit nur ein Tor machte, reichte es doch. Denn ein erfreulicher Nebeneffekt war: Der FC blieb zum zweiten Mal in Folge und zum dritten Mal in vier Spielen ohne Gegentor. Was schon bemerkenswert ist, gelang dies den Kölner doch vorher 21 Spiele in Folge nicht. Wer ahnt, in welchem Spiel (außer natürlich gegen Altglienicke) der FC letztmals ohne Gegentreffer geblieben war? Klar, beim 3:0 gegen Schalke am 29. Februar 2020.

So sicherte Thielmann den Sieg

Szene des Spiels: Klar, das 1:0 durch Anthony Modeste war der Moment des Spiels. Aber die Szene, die ein vollbesetztes RheinEnergieStadion zum Überkochen gebracht hätte, war jene in der 84. Minute. Ein Kölner Ballverlust in der Vorwärtsbewegung brachte Osnabrück plötzlich in perfekte Konterlage. Sechs VfLer gegen drei Kölner. Ein Pass und der eingewechselte Marc Heider war auf und davon, nicht mehr einzuholen auf dem Weg zum Tor, zum Ausgleich, nur noch Timo Horn stand ihm im Weg. Doch dann passierten zwei Dinge gleichzeitig: Heider legte sich den Ball einen Tick weiter vor als geplant, und Jan Thielmann holte noch einmal alles aus sich heraus. Der eigentliche Rechtsaußen war einer der drei übrig gebliebenen Verteidiger gewesen, er hatte absichern sollen. Und tat es. Thielmann, der in der Spitze rund 34 km/h schnell ist, rannte um sein Leben und um das seiner Mitspieler und spitzelte Heider im Strafraum doch noch den Ball vom Fuß. Gerade, als der VfL-Angreifer in Abschlussposition gekommen war, rettete der FC-Youngster und klärte gar zum Abstoß für die Geißböcke. Die überragende Aktion des Abends, und wären 50.000 Fans vor Ort gewesen, sie hätten Thielmann hochleben lassen.

Zitat des Spiels: „Vorne hätte ich mir ein Tor mehr gewünscht, aber wir haben unser Ziel erreicht in den Topf der letzten 16 Klubs reinzukommen. Deswegen sind wir glücklich und können zufrieden in die Weihnachtstage gehen.“ (Markus Gisdol)

Kölns peinliche Pokal-Bilanz der letzten 30 Jahre

Erkenntnis des Spiels: Sportlich war das Duell gegen Osnabrück in der zweiten Englischen Woche in Folge und drei Tage nach dem kräftezehrenden Abwehrkampf in Leipzig von niedrigem Niveau. Doch zwei Dinge dürften Gisdol und den FC froh machen – neben dem Sieg an sich: Erstens verteidigte der FC bis auf die Schlussphase sehr konsequent und aufmerksam, blieb so verdientermaßen erneut ohne Gegentor. Diese wiedergefundene Stärke könnte ein Trumpf werden in den kommenden Monaten. Zweitens traf Anthony Modeste. Der Stürmer mag kein gutes Spiel abgeliefert haben, doch der Franzose ist ein Kopf- und Gefühlsmensch. Dem 32-jährigen reichte in der Vergangenheit schon häufiger ein einziges Tor, um sich selbst wieder aus dem Sumpf zu ziehen. Bleibt er nun gesund und wird wieder fit, könnte ihm der Siegtreffer geholfen haben die Kurve zu kriegen.

Die unerzählte Geschichte des Spiels: Horst Heldt gehört zu jenen Ex-Spielern des 1. FC Köln, die beim letzten großen Pokal-Tag der Geißböcke dabei waren, beim verlorenen Finale 1991. Seitdem, seit 30 Jahren, hagelte es in unschöner Regelmäßigkeit Blamagen gegen krasse Außenseiter. Niederlagen gegen Amateurklubs wie Beckum oder Magdeburg, gegen Zweitvertretungen (Bayern II, Bremen II) oder andere unterklassige Klubs (Ulm, Offenbach oder Saarbrücken), nicht zu vergessen die Halbfinal-Niederlage gegen den damaligen Zweitligisten Wolfsburg (1995) und das Viertelfinal-Aus gegen den damaligen Zweitligisten Augsburg (2010). Am Dienstagabend blieb dem FC eine weitere Geschichte in dieser Horrorshow erspart. Nun heißt es wieder: Achtelfinale. Seit Augsburg 2010 sind die Geißböcke über diese dritte Runde nicht hinaus gekommen. Es wäre an der Zeit mal wieder Pokal-Geschichte zu schreiben – und zwar eine positive.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar