, ,

FC-Präsident: „Abstieg wäre kein finanzielles Desaster, aber…“


Der Vorstand des 1. FC Köln arbeitet seit Monaten mit der Geschäftsführung an der finanziellen Stabilisierung des Vereins. Wie schlimm es um den Klub wirklich steht, behalten die Bosse jedoch für sich. In einem Interview mit der Kölnischen Rundschau deutete Werner Wolf nun an, dass der FC selbst im Falle eines Bundesliga-Verbleibs auf Jahre hinweg sehr kleine Brötchen backen müsste. Ein Abstieg würde die Geißböcke noch härter treffen, vor allem, weil eine Kraftanstrengung für eine sofortige Bundesliga-Rückkehr kaum möglich wäre.

Köln – Manche sagen, Präsident Wolf und seine Vizepräsidenten Eckhard Sauren und Carsten Wettich täten ihre Arbeit, wie es sich gehört, in Ruhe im Hintergrund. Andere sagen: Sie werkeln im Verborgenen, unsichtbar und für einen Mitglieder-Verein wie den FC nicht mit der gebührenden Transparenz – Corona hin oder her. Nun bestätigte der FC-Boss, dass die nächste Mitgliederversammlung spätestens bis Ende Juni stattfinden müsse, wohl aber nicht viel früher stattfinden wird. Darüber hinaus erklärte er, der FC haben einen Nachfolger für den geschassten Mediendirektor Tobias Kaufmann gefunden. Es seien nur noch Details zu klären.

So etwas können wir nicht nochmal machen

Vor allem aber äußerte sich Wolf zur Finanzlage. „Der FC steht finanziell extrem unter Druck. Uns fehlt durch die Pandemie knapp ein Drittel unseres normalen Umsatzes“, sagte Wolf. „Das finanziell schwierigste Szenario wäre ein Abstieg.“ Deshalb habe man den Verpflichtungen von Emmanuel Dennis und Max Meyer zugestimmt, um die Chancen auf den Klassenerhalt signifikant zu erhöhen – ohne dabei jedoch weitere Schulden zu machen. „Wir haben uns kein zusätzliches Geld geliehen und wir haben auch nicht auf einen Viertelfinaleinzug im DFB-Pokal gewettet“, betonte Wolf. Stattdessen habe man Justierungen am Budget an anderen Stellen vorgenommen, um die benötigten Gelder für Transfer frei zu machen.

Wolf machte jedoch klar, dass ein Absturz in Liga zwei den FC hart treffen würde und eine sofortige Rückkehr in die Bundesliga nicht wie 2018 zu stemmen wäre. „Ein Abstieg wäre kein finanzielles Desaster“, sagte Wolf zwar und verwies auf die reduzierte Stadionpacht sowie auf die vertraglich festgelegte Halbierung aller Spielergehälter im Zweitliga-Fall. Der FC-Präsident betonte aber auch, er könne „heute nicht sagen“, ob ein Kraftakt für den sofortigen Wiederaufstieg finanziell möglich gemacht werden könne. „Nach dem Abstieg 2018 ist für das Unternehmen direkter Wiederaufstieg ein zweistelliger Millionenbetrag als Verlust einkalkuliert worden. Unter dieser Belastung leiden wir heute noch. So etwas können wir nicht nochmal machen.“

Wir halten nichts zurück

Dieser zweistellige Millionenverlust hatte sich in der Bilanz der Zweitliga-Saison 2018/19 noch nicht vollständig gespiegelt – der FC hatte die Spielzeit mit einem minimalen Gewinn abgeschlossen. Jedoch hatte es schon damals die Vermutung gegeben, mehrere Kosten würden erst in die folgenden Saison in der Bilanz erscheinen, so zum Beispiel die Aufstiegsprämien für Stars wie Timo Horn oder Jonas Hector, die man auf diese Weise hatte zum Bleiben bewegen wollen. Ob dies wirklich der Fall war, darauf haben die Verantwortlichen bis heute nicht geantwortet, denn die Bilanz der Saison 2019/20 halten sie noch unter Verschluss. Die Vorstellung dieser nun schon sieben Monate alten Zahlen sollen, laut Wolf, erst „in zeitliche Nähe zur Mitgliederversammlung erfolgen“, da einige Punkte der Erörterung und der Diskussion mit den Mitgliedern bedürften. „Wir halten nichts zurück“, betonte der FC-Präsident. „Aber einfach nur Zahlen zu übermitteln ohne eine direkte Reaktion, halten wir für schwierig.“

Eilig hat man es beim FC mit besagter Mitgliederversammlung allerdings auch nicht. Wolf bestätigte, dass die für März geplante hybride MV „aus pandemischen Gründen nicht stattfinden kann“. Doch statt aus einer hybriden eine virtuelle Mitgliederversammlung zu machen und bei dem März-Termin zu bleiben, schiebt der Vorstand die Veranstaltung lieber weiter hinaus. Es sei technisch fast alles vorbereitet, aber man strebe ein hybrides Event an – inzwischen ist man laut Wolf bei „Ende April oder Anfang Mai“ angekommen. „Und wenn alle Stricke reißen, wird es eine rein virtuelle MV im Juni geben.“ Diese muss es satzungskonform bis zum 29. Juni geben. Was gegen eine virtuelle Versammlung bereits im März spräche, erklärte der Präsident jedoch nicht.

Nachfolger für Tobias Kaufmann gefunden

In jedem Fall wollen die Verantwortlichen auf der MV vorstellen, wie sich der FC trotz der finanziellen Sorgen strukturell neu und zukunftsfähig aufstellen kann. „So eine Veränderung ist nicht kurzfristig möglich“, sagte Wolf. „So etwas muss über Jahre entwickelt und aufgebaut werden.“ Dabei lobte er explizit die inzwischen deutlich verbesserte Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Geschäftsführung, die sich seit Beginn der Krise wöchentlich treffen und austauschen. So sei es auch möglich geworden, einen Nachfolger für Tobias Kaufmann zu finden. Der Mediendirektor war im vergangenen Sommer auf Veranlassung des Vorstands und gegen den ausdrücklichen Willen der Geschäftsführung entlassen worden. Nun aber einigten sich die fünf Verantwortlichen dem Vernehmen nach einstimmig auf einen Nachfolger, der noch in der ersten Jahreshälfte seine Arbeit am Geißbockheim aufnehmen soll. „Ja, der Arbeitsvertrag ist unterschrieben. Nur der Zeitpunkt, wann er anfängt, ist noch in der Abstimmung.“

0 Kommentare

Dein Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar