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Gisdol darf seine Spieler nicht schonen


Markus Gisdol hatte am Mittwoch auf Schalke allen Grund durchzuatmen. Der Trainer des 1. FC Köln wusste um die Bedeutung des 2:1-Sieges beim Tabellenletzten. Wie erwartet blieb der 51-jährige in der Bewertung des Dreiers für die Tabellensituation jedoch gelassen. Dazu passend verzichtete er einmal mehr auf öffentliche Kritik an seinen Spielern. Dabei hätte Gisdol seine Spieler gar nicht schonen oder schützen müssen.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Keine Frage, der Sieg auf Schalke war in letzter Konsequenz ein Sieg des Willens. Der FC hatte gefährlich geschwankt, war aber nicht gefallen. Stattdessen hatte er sich in letzter Sekunde noch einmal zusammengerauft und zugeschlagen. War Glück dabei gewesen? Sehr viel Glück! Zählen am Ende nur die drei Punkte? Die Tabelle nach dem 17. Spieltag spricht eine deutliche Sprache. Unterm Strich kann der 1. FC Köln also zufrieden sein.

Doch einmal mehr verwunderte Markus Gisdol nach der Partie mit einer allzu positiven Bewertung der Leistung seiner Mannschaft. Wie schon nach Augsburg, nach Freiburg und nach Hertha richtete der Trainer sein Augenmerk in der öffentlichen Analyse einzig auf die positiven Dinge und lobte selbst Entwicklungen, die kein Lob verdient hatten. „Nichts Gravierendes falsch gemacht“ hätten seine Spieler auf Schalke in der Phase, als der Gastgeber in der zweiten Hälfte das Heft des Handelns in die Hand genommen und einen fast schon hilflosen FC beinahe überrannt hätte. Die Geißböcke hatten am Rande des Kollaps‘ gestanden, doch weder hatte Gisdol in dieser Phase des Spiels von außen eingegriffen (erst eine Viertelstunde später per Wechsel), noch hatte er hinterher darin ein Problem sehen wollen.

Angesichts des Sieges hatte er als Trainer und hatte seine Mannschaft letztlich alles richtig gemacht. Drei Punkte sind drei Punkte. Doch Markus Gisdol verpasste es einmal mehr, die richtigen Worte für die Leistung seiner Spieler zu finden. Der FC-Coach vermied Kritik, hielt stattdessen seine schützende Hand über die Profis wie ein Vater über seine Söhne. Das kann man mitunter loben, vor allem, wenn es darum geht jungen Menschen die nötige Sicherheit und Rückendeckung in einer schwierigen Situation zu geben. Doch die Spieler haben in den letzten Wochen in selbstkritischen Interviews nach den Partien bewiesen, dass sie sehr wohl in der Lage sind ihr fußballerisches Tun realistisch einzuordnen. Gisdol muss und darf seine Spieler daher öffentlich nicht schonen. Der 51-jährige wird ohnehin nie der Typ Trainer sein, der seine Mannschaft öffentlich an die Wand nagelt. Doch ein bisschen mehr ehrliche Kritik darf es schon sein.

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