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Czichos über Chaos-Woche: „Ich habe so eine Spielvorbereitung noch nie erlebt“


Hinter dem 1. FC Köln liegt eine Woche, die man weder als Fan noch als Vereinszugehöriger nicht so schnell vergessen dürfte. Insbesondere die Anhänger hatten nach dem „Spacken“-Spruch und dem anschließenden Derbysieg emotional einiges zu verarbeiten. Doch auch für die Spieler waren die vergangenen sieben Tage ein einziges auf und ab. Rafael Czichos gab nun einen Einblick in das Innenleben der Mannschaft sowie die Gefühlswelt von Dominick Drexler. 

Köln – Kein Mensch lässt sich wohl gerne als „Spacken“ bezeichnen. Schon gar nicht als Fan von den Spielern, für die man gerade eine zeitlich wie finanziell aufwendige Derby-Motivation geplant und abgerissen hatte. Das bekam auch Dominick Drexler schnell zu spüren, der nach der Veröffentlichung des Videos aus dem Mannschaftsbus schnell ins Visier der Ultras geraten war. Nach einer schriftlichen Entschuldigung folgte am Abend nach dem Derbysieg das Gespräch zwischen Drexler, dem Mannschaftsrat und einigen Fan-Vertretern. Am Mittwoch verlieh Drexler seiner Reue dann noch einmal Nachdruck, in dem er mit einem bedruckten Pullover am Geißbockheim auftauchte, auf dem Stand: „Nur Spacken nennen andere Spacken“ (hier mehr dazu).

Der emotionalste Sieg

Während das Thema damit nun endgültig erledigt sein sollte, gab Drexlers Teamkollege und Freund Rafael Czichos am Dienstag im Radio Köln FC-Podcast aber noch einmal einen Eindruck, wie die Mannschaft die turbulente Zeit zwischen Pokalaus und Derbysieg erlebt hatte. „Das Wochenende fing sehr aufreibend an und endete umso schöner. Es war für uns alle sehr emotional“, erklärte der Innenverteidiger und legte noch eimal nach: „Es war vielleicht der emotionalste Sieg, den ich hier in meiner Zeit hier in Köln miterlebt habe.“ Der Mannschaft sei dabei bereits nach der Niederlage in Regensburg klar gewesen, dass sie sich im Derby gegen Gladbach ordentlich strecken müssen, um das Pokalaus beim Zweitligisten wieder gut zu machen. Die Vorfälle am Abend zuvor hätten dann noch einmal dazu geführt, dass es für jeden einzelnen noch besonderer gewesen sei. „Wir haben gesagt: Heute müssen wir jeden Prozent, den wir irgendwo haben, rausholen und zeigen, dass wir für diesen Verein kämpfen und als Mannschaft funktionieren. Der Trainer hat das in seiner Ansprache nochmal gut auf den Punkt gebracht“, erklärte Czichos und sagte: „Die Stimmung vor dem Spiel war noch nie so erhitzt, noch nie so angespannt und noch nie so einheitlich. Es war anders dieses Mal. Das war bemerkenswert.“

Fahnenjubel war nicht abgesprochen

Das veröffentlichte Video aus dem Mannschaftsbus, welches zu einem wahren Shitstorm in den sozialen Medien geführt hatte, beschäftigte dabei nicht nur Dominick Drexler selbst, sondern die gesamte Mannschaft. „So etwas lässt einen nicht kalt. Wenn man so dargestellt wird, als ob man Söldner wäre und einen nicht berühren würde, was die Fans auf die Beine gestellt haben, ist das nicht schön, weil es auch nicht so ist. Da kann ich für jeden in der Mannschaft sprechen“, berichtete Czichos im Podcast, ging dann aber auch noch einmal gezielter auf das Gefühlsleben von Drexler ein: „Ich kenne Domme jetzt seit 2012 und ich habe ihn noch nie so erlebt wie in diesen knapp 35 Stunden. Er war sehr niedergeschlagen und enttäuscht von sich selbst. Ich weiß, dass es sehr an ihm nagt. Es war nie seine Intension, jemanden zu verletzten und es tut ihm unglaublich leid.“ Letztendlich habe die gesamte Situation im Vorfeld des Derbys auch zu einer völlig veränderten Atmosphäre geführt, das Spiel bzw. der Gegner an sich wären zunehmend in den Hintergrund gerückt. „Ich habe so eine Spielvorbereitung noch nie erlebt“, gab der Abwehrspieler zu. Dass sich die Fans allerdings mehr als nur enttäuscht über den Spruch von Drexler zeigten, kann der 30-jährige vollends nachvollziehen. „Die Jungs stellen sich da hin, geben Geld aus, um uns zu motivieren. Dann ist das für jeden Fan einen Schlag ins Gesicht.“

Umso erleichternder sei für die Mannschaft am Ende der Sieg gegen Gladbach gewesen, der durch die Brisanz im Vorfeld noch mehr an Bedeutung gewonnen hatte. Für Czichos war es überhaupt der erste Sieg im rheinischen Derby mit der Borussia. „Ich habe die Gladbacher zwei Mal im RheinEnergieStadion feiern sehen und das ist kein schönes Gefühl.“ Den speziellen Fahnenjubel vor der Gästetribüne wollte der Abwehrspieler dem Gegner bereits heimzahlen, als Marcus Thuram in der Vorsaison mit dieser Provokation angefangen hatte. „Man hat nach Abpfiff gemerkt, wie groß die Genugtuung war, Gladbach zu zeigen, was es bedeutet, wenn man den Rivalen im eigenen Stadion besiegt.“ Geplant sei die Aktion dabei allerdings im Vorfeld nicht gewesen, und doch hatte sie wohl jeder Spieler noch allzu gut im Hinterkopf: „Alle hatten in dem Moment die gleiche Idee, das war nicht abgesprochen.“

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