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Süße Rache: Wie sich der FC zum Derbysieg pushte


Der 1. FC Köln hat seine Krisen-Woche mit einem sensationellen Derby-Sieg beendet. Wie süß war diese Rache nach der 1:3-Schmach im Hinspiel inklusive Eckfahnen-Jubel von Thuram und Co. in Müngersdorf? Die Geißböcke machten es dem Erzrivalen nach und pushten sich in den entscheidenden Situationen zum Sieg. Wie wichtig der Erfolg war, zeigt der Blick auf die Tabelle.

Geschichte des Spiels: Marcus Thuram und die Gladbacher hatte nach dem 3:1-Derbysieg im Hinspiel vor der verwaisten Gästekurve in Müngersdorf gefeiert und ein Gladbacher Trikot auf die Eckfahne gesteckt. Am Samstagabend machten es die Geißböcke ebenso vor dem leeren Kölner Fanblock. Die Revanche war zuckersüß, vor allem nach der chaotischen Woche beim FC, nach der kaum jemand den Spielern diese Leistung zugetraut hatte. Inklusive Markus Gisdol, der ausgelassen mit der Mannschaft feierte, hatten es sich alle Beteiligten redlich verdient. Derbysieger! Darauf musste der FC drei Jahre lange warten.

Das Ergebnis: Elvis Rexhbecaj erzielte in der 3. Minute das früheste Tor des 1. FC Köln in der Bundesliga seit 15 Jahren. Es war die Einleitung des Derbysieges, den er in der 55. Minute mit seinem Doppelpack perfekt machte. Der Ausgleich durch den abgefälschten Schuss von Neuhaus (16.) warf Kölns Bemühungen zwischenzeitlich zurück. Doch Rexhbecaj tunnelte den FC doch noch zum Sieg. Und hätte Ondrej Duda wenig später auch noch getroffen, wäre das Ding sogar früher durch gewesen. So mussten die Geißböcke bis zum Schluss zittern. Doch die Abwehr blieb stabil, und so feierten die Spieler nach dem Schlusspfiff alle gemeinsam im Kreis. Diese demonstrative Einheit auf dem Platz soll ein Zeichen für den Rest der Saison sein.

Szene des Spiels: Es waren zwei Grätschen, die zeigten, wie sich der FC am Samstagabend zum Sieg pushte. In der 54. Minute war es Jorge Meré, der Breel Embolo in letzter Sekunde noch den Ball vom Fuß spitzelte und von Horn, Cestic und Co. abgeklatscht wurde. Nur zwei Minuten später war es Sava Cestic, der eine Flanke zur Ecke klärte. Eigentlich keine spektakuläre Szene, aber wichtig für die Geißböcke, denn Rexhbecaj hatte genau zwischen diesen beiden klärenden Momenten zum 2:1 getroffen. Cestic brüllte seine Freude über die Rettungstat heraus und klatschte seinen Mitspielern zu. Dieses Mal war es der FC, der sich gegenseitig zum Derbysieg animierte. Es war ein Symbol der, mit Verlaub, Derby-Geilheit, die der FC an den Tag legte, um die drei Punkte mitzunehmen.

Pfiff des Spiels: In der 27. Minute passierte ein Foul im Mittelfeld. Patrick Herrmann traf Ellyes Skhiri mit offener Sohle mitten auf dem Schienbein. Im Regelwerk heißt es: „Tacklings oder Angriffe, die eine Gefahr für den Gegner darstellen oder übermäßig hart oder brutal ausgeführt werden, sind als grobes Foul zu ahnden.“ Dabei gilt eigentlich, dass oberhalb des Knöchels und des Sprunggelenks die „rote Zone“ beginnt. Ein Grund, weshalb Sebastiaan Bornauw in der vergangenen Saison gegen Hoffenheim nach Eingriff des VAR mit Roter statt Gelber Karte des Feldes verwiesen worden war. Schiedsrichter Christian Dingert gab am Samstag dem Gladbacher Herrmann aus seiner Sicht des Feldes nur Gelb. Warum VAR Harm Osmers dies nicht korrigierte, blieb ein Geheimnis.

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Zitat des Spiels: „Wir sind alles Sportler mit Leib und Seele und ich bin Trainer mit Leib und Seele. Nach einem verrückten Tag für uns lässt man den Gefühlen dann freien Lauf.“ (Markus Gisdol)

Auswechslung des Spiels: Kingsley Ehizibue war ein Wechselkandidat im Januar, spielte schwach und stand zwischenzeitlich nicht einmal mehr im Kader. Am Samstag rückte er für den verletzten Marius Wolf sogar wieder in die Startelf und machte eine starke Partie. Doch das Pech folgte auf dem Fuße. In der Schlussphase blieb Ehizibue ohne Fremdeinwirkung am Boden liegen. Er hatte sich am rechten Bein verletzt. Ob Sprunggelenk, Knie oder Oberschenkel, wurde zunächst nicht klar. Doch dem Rechtsaußen droht eine Zwangspause. Der nächste FC-Verletzte? Es wäre ein weiterer personeller Rückschlag.

Erkenntnis des Spiels: Es bleibt dabei: Der 1. FC Köln überzeugt in jenen Spiele, in denen man am wenigsten mit ihnen rechnet. Dortmund, Wolfsburg, Leipzig und jetzt Gladbach. Im Angesicht einer neuerlichen Krise zog der FC einmal mehr den Kopf aus der Schlinge. Und nicht nur das: Der FC hat, den DFB-Pokal ausgenommen, drei der letzten vier Spiele gewonnen. Jetzt muss es sich nur noch so anfühlen. Zweifellos haben diese Spiele eine enorme Veränderung gebracht. Der FC hat seinen 14. Tabellenplatz gefestigt. Inzwischen sind es 13 Punkte Vorsprung auf Schalke, acht Zähler sind es auf Mainz geblieben, und am Sonntag werden alle Kölner darauf hoffen, dass Bremen in Bielefeld gewinnt. Dann wären es vier Punkte auf die Plätze 15 und 16. Das lässt die Geißböcke zwar noch nicht durchatmen, jedoch sehr realistisch vom Klassenerhalt träumen. Als Derbysieger lebt es sich eben leichter.

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