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Spiritus Hector


In wenigen Tagen startet Jonas Hector in seine zwölfte Saison beim 1. FC Köln. Der Kapitän der Geißböcke hat eine schwierige Saison hinter sich, noch schwieriger als jene des Klubs. Der 31-jährige stand wie kein anderer Spieler für das Auf und Ab der Kölner. Unter Neu-Trainer Steffen Baumgart dürfte ihm die Rolle des uneingeschränkten Führungsspielers zufallen.

Köln – Der Begriff „Spiritus Rector“ steht für eine treibende Kraft, für eine führende Persönlichkeit, für den Kopf eines Gebildes. Jonas Hector ist diese Leitfigur beim 1. FC Köln. Daran besteht nach der abgelaufenen Saison kein Zweifel. Der Ex-Nationalspieler durchlief mehrere Täler, vor allem persönlich und privat, um dann im Schlussspurt der Saison als Kapitän und Anführer den FC zum Klassenerhalt zu schießen.

Als es darauf ankam, ging Hector voran

Es hatte Fragezeichen hinter Hector gegeben. Berechtigt, schließlich hatte der Linksfuß zweimal lange gefehlt, und niemand hatte gewusst, wann er zurückkehren würde. Nur 19 Bundesliga-Spiele, zweimal Relegation und zweimal DFB-Pokal – beinahe hätte seine lange Ausfallzeit genauso geendet wie 2017/18, als er mit einem Syndesmoseriss monatelang ausgefallen und der FC schließlich abgestiegen war. Doch 2020/21 rettete Hector den FC – mit seinen beiden Toren zum überlebenswichtigen Sieg gegen RB Leipzig, mit seinem Tor und seiner Vorlage im Rückspiel der Relegation in Kiel.

Als es darauf ankam, ging Hector voran, riss seine Mitspieler mit, war der Kapitän, den man sich beim FC gewünscht hatte. Diese Führungsqualität wird ab Sommer nur noch mehr gefragt sein. Vizekapitän Marco Höger hat den Klub verlassen, die Verantwortlichen hatten immer wieder betont, wie wichtig Höger neben dem Platz gewesen sei. Sebastiaan Bornauw und Ellyes Skhiri, als Leistungsträger zwei logische Kandidaten für eine stärkere Führungsrolle, stehen vor dem Absprung. Darüber hinaus ist das Team bekanntlich schwach besetzt mit Führungspersönlichkeiten.

Kaum Führungsspieler im Kader

Timo Horn und Rafael Czichos haben das Potential. Salih Özcan hat es als zwischenzeitlicher Kapitän der deutschen U21 gezeigt, bräuchte dafür aber neben einem neuen Vertrag auch das absolute Vertrauen des Trainers. Dejan Ljubicic kommt als Rapid-Kapitän aus Wien, wird sich aber erst einmal sein Standing erarbeiten müssen. Mark Uth kann eine wichtige Rolle übernehmen. Doch dann hört es, Stand jetzt, auch schon auf. Hector wird gebraucht wie nie zuvor.

Kein Kölner hat sich mehr Respekt erarbeitet

Und so wird es wohl auch keine Diskussion um einen neuen Kapitän beim 1. FC Köln geben. In den vergangenen Monaten wurde – auch beim GEISSBLOG.KOELN – die Frage diskutiert, ob der FC im vergangenen Sommer dem mental stark belasteten Hector mit der Kapitänsbinde einen Gefallen getan hätte. Doch Hector erwies sich dem Druck als ebenbürtig und räumte alle Zweifel aus. Der 31-jährige wird kein Lautsprecher mehr, kein medialer Künstler vor dem Mikrofon, kein Fanherzen eroberndes Gesicht des Vereins. Doch kein Kölner hat sich in den letzten Jahren mehr Respekt in Fußball-Deutschland erspielt und erarbeitet als der Saarländer, der Spiritus Hector des 1. FC Köln.

21 Kommentare
  1. Daim71 sagte:

    Alles richtig…Jonas Hektor unser Fussball Gott…

    Bescheiden, klar im Kopf…..und immer dem FC treu ergeben. Das auch in der 2 Liga als Nationalspieler, welcher Spieler macht so sowas ?

    Ich hoffe das Hektor nach seiner Karriere in irgendeiner Führungsposition im Verein eingebunden wird.

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    • Kleiki sagte:

      Sehe ich genau so. Hector ist nach Poldi der zweiter Spieler seitdem ich Fußball-Fan / Effzeh-Fan bin, den ich so sehr liebe und feier, für seinen Einsatz auf und neben dem Platz, dass ich mir in diesem Jahr das neue Trikot mit seinem Namen bepflocken möchte. Mein erster Pflock dann, wohlgemerkt.
      Mein Fanherz hat er also auch schon was länger.

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      • Fuenf sagte:

        Ein Pflock ist ein kurzes, dickeres Holzstück, das mit seinem angespitztem Ende in den Boden geschlagen wird und an dem man etwas befestigt. Man kann so einen Pflock aber auch in Vampir-Herzen schlagen. Der Pfahl ist der große Bruder vom Pflock. So ein Pfahl steht auch meist in der Erde.
        Pfähle haben manchmal Nummern, aber eigentlich keine Namen. Ach, irgendwie führt das hier wohl zu weit …

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        • Jose Mourinho sagte:

          Als ein Besserwisser wird umgangssprachlich eine Person bezeichnet, die ihre Meinung in belehrend-aufdringlicher Art und Weise äußert und damit den Anschein erweckt, als ob sie in bestimmten Angelegenheiten mehr Wissen oder Bildung besäße oder besser urteilen könnte als andere. Dadurch entsteht ein Anschein von Überheblichkeit und mangelndem Taktgefühl.

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  2. tj_cologne sagte:

    Ich hoffe „ …kein medialer Künstler vor dem Mikrofon, kein Fanherzen eroberndes Gesicht des Vereins.“
    ist von euch so zu verstehen, dass er schon alle erobert hat… aus meinem Umfeld weiß ich, das Hector einer der beliebtesten Spieler überhaupt. Vor Poldi, wegen seiner klaren Art. Zudem mit, jetzt schon legendären, Interviews!

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    • Peter Josef sagte:

      Exakt. Jonas Hector hat es geschafft, dass die DAZN-Interviews nach dem zweiten Relegationsspiel, vor allem die Interviews mit Kielern, nicht mehr total dämlich waren. Gut, das ZDF hat das noch nicht verstanden (habt Ihr das unfassbar bescheuerte Ungarn-Interview gesehen?). Aber das kommt vielleicht auch noch. Jonas Hector hat die Medienlandschaft ein winziges bisschen verbessert. Wenn das keine mediale Kunst ist, was dann? Den Spruch „Es ist Ihre Aufgabe, dumme Fragen zu stellen. Das machen Sie gut“ lasse ich mir auf ein T-Shirt drucken und ziehe das zur nächsten Prüfung an.

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  3. Et Troemmelche jet sagte:

    Ja, Hector war maßgeblich daran beteiligt das wir die Klasse gehalten habe. Ein großer Rückhalt für den FC. Ehrlich, authentisch und 100% FC.
    Auch seine Interviews sind Klasse, wie er die blöden Fragen der Reporter beantwortet/gekontert hat, super.
    Es wäre schön wenn er mit seinem Intellekt auch später in einer Führungsrolle erhalten bleibt.

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  4. Haarspalta sagte:

    „kein Fanherzen eroberndes Gesicht des Vereins“ meint wohl, dass er nicht fremde oder unentschiedene Fans zum FC holt, wie es ein Poldi getan hat, aber auch früher ein Litti, Overath, Flohe etc.
    Und diese Einschätzung ist sicher korrekt.
    Als FC-Fan ist es hingegen sehr leicht, von Hectors Bescheidenheit, Bodenständigkeit und Ehrlichkeit erobert zu werden.
    Ein toller Kerl und wichtiger Spieler, bei dem ich mir aber wirklich Gedanken mache, wie lange er mental noch mitspielen kann (oder will). Er gehört halt zu dieser seltenen Art Profi, der schlau genug ist, die Probleme und Abgründe des Geschäfts zu durchschauen und abzulehnen, aber gleichzeitig diszipliniert genug, nicht impulsiv alles hinzuschmeißen (Broich wäre da das Gegenbeispiel).

    Wer ihn in der 24/7-Doku mal in der Kabine gehört hat (mal vorausgesetzt, das ist alles authentisch), konnte hören, dass Hector was Analyse und Motivation angeht schon jetzt einem Gisdol Längen voraus war. Nebenbei studiert er BWL, also besteht Hoffnung, dass wir in fünf bis zehn Jahren in Hector einen fähigen Sportdirektor oder sogar Team Manager nach englischem Vorbild haben könnten.

    Wie gesagt, hängt etwas von der Psyche ab und wie satt er nach Karriereende das Business haben wird. Diese Saison sah er nach den Spiel häufig aus, als sei er auch innerlich ziemlich durch…

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    • Klaus Schroeder sagte:

      Du hast völlig Recht, Jonas Hector könnte in einer verantwortlichen Position im Management unserem Effzeh das geben, was er dringend braucht: Bodenständigkeit und Seriosität in Verbindung mit sportlicher und wirtschaftlicher Kompetenz.
      Ich hoffe nur, dass diese Position dann nicht schon besetzt ist durch einen „verdienten“ Spieler wie Kessler oder Höger.

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  5. Paul Paul sagte:

    … und wenn er sich verletzt, dann stehen wir wieder da!

    Der FC sollte wie einst Darmstadt Spieler verpflichtet, die einen Karriereknick erlitten haben und für kleines Geld zu haben sind, wie z.B. Sandro Wagner. Solche Spieler sind nicht mehr auf der Suche nach dem nächsten Vertrag, schielen nicht auf die Champions-League und bringen mehr Lebenserfahrung mit als die Jungspunde.

    Aber der FC wird es schon richten mit seiner kommenden Jugendmannschaft, und dann träumen sie von einem modernen Geisbockheim, und dann träumen sie von einem eigenen, ausgebauten Stadion, und sie träumen davon, wieder da zu spielen, wo sie hingehören ….

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  6. Norbert Furmanek sagte:

    Hallo Marc . Einspruch an deinem Kommi. Hector kein Fanherz einfangender ? Da halte ich dagegen . Warum nicht ? Er ist authentisch !!! Soll er sich als etwas ausgeben was er nicht sein will ? Postler haben wir genug in der Bundesliga. wenn Hector da weiter macht wo er aufgehört hat würde mich das sehr freuen.!

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  7. Cluballee sagte:

    Meine Hochachtung für Jonas Hector! Nach diesem Jahr, in dem es beruflich, aber vor allem privat, sehr ernst für ihn wurde, hat er als Kapitän mit dafür gesorgt, dass wir uns auf den letzten Drücker noch rettem konnten. Hector ist intelligent, vernünftig, authentisch. Und er hängt an unserem Club! Mehr geht nicht.

    Ich bin froh und stolz, dass er unser Kapitän ist.

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  8. andi sagte:

    Hector ist einer von vielen, aber die ganzen vielen darum herum können diesem in keiner Weise das Wasser reichen. Wie schön wäre es wenn es noch mehr vom Schlag Hector gäbe beim FC. Der Name Hector wird für Ewig für Herz und Leidenschaft beim FC in vorderster Front genannt werden.

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  9. Bukowski sagte:

    So sehr ich ihn mag, so sehr sehe ich ihn auch als Problem für die kommende Saison. Er ist ein mittelbegabter Mittelfeldspieler, der zu langsam für den Baumgart-Fußball ist und dem die Handlungsschnelligkeit ebenfalls abgeht und der in den entscheidenden Spielen nach seinem Doppelpack gegen Leipzig völlig abtauchte. Unverständlich. Im zweiten Spiel gegen völlig ausgelaugtr Kieler zeigte er sich endlich wieder, aber das war ein angeschlagener und dankbarer Gegner für uns. Aber natürlich musste er einen großen Schicksalsschlag verkraften, dann kam die Verletzung, aber davor und danach sehr schwache Spiele für uns.
    Für mich war er immer ein toller Helfer, ein verlässlicher Mitspieler für jene, die das Spiel ordnen, die Tore schießen oder verhindern.
    Unser Team bräuchte ein neues, frisches Gesicht, ohne Hector und auch ohne Timo Horn.

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