Co-Trainer Rene Wagner und Chefcoach Steffen Baumgart an der Taktiktafel. (Foto: Bopp)

Baumgart-Fußball? „Hoffe, dass wir bald vom Köln-Fußball reden“

Dass sich vor der Saison viele Hoffnungen beim 1. FC Köln an der Figur Steffen Baumgart festmachen würden, hatte man erwartet. Dass sich diese Hoffnungen am ersten Bundesliga-Spieltag erfüllten, kam dann doch überraschend. Der 49-jährige steht für einen anderen Fußball, als man ihn in den letzten Jahren beim FC gesehen hat. Das 3:1 gegen Hertha BSC lieferte ihm frühe Argumente, dass die Geißböcke auf dem richtigen Weg sind.

Köln – Viele der 16.500 FC-Fans am Sonntag in Müngersdorf warfen mehr als nur einmal einen Blick auf den neuen Trainer an der Seitenlinie. Es war der erste Baumgart-Auftritt im RheinEnergieStadion, und so mancher Kölner Anhänger wollte nicht nur das Spiel sehen, sondern auch die Eigenheiten des neuen Hoffnungsträgers.

Wie er seine Coaching-Zone großzügig interpretiert, wie er seine Spieler anfeuert und taktisch anweist, wie er schon mal selbst den Balljungen spielt, um das Spiel schneller zu machen, wie er sich mit dem Schiedsrichter anlegt, auch noch in der 90. Minute, wenn einer seiner Spieler (in diesem Fall Kingsley Ehizibue) mehrfach hintereinander rüde abgeräumt wird.

Baumgart-Sprechchöre: „Taub bin ich ja nicht“

Auch seine Schiebermütze flog vor Wut schon mal in den Staub, so geschehen nach dem vermeintlichen 2:3-Anschlusstreffer nach einem Berliner Freistoß. Doch am Ende konnte er sich mit seinen Spielern und auch den Fans über den ersten Bundesliga-Sieg als FC-Trainer freuen. Den wichtigsten Satz zur Leistung seines Teams sprach Steffen Baumgart dann am Tag nach dem 3:1 am Geißbockheim: „Bitte nicht falsch verstehen, aber wir haben erst ein Spiel gewonnen. Das geht noch nicht in eine bestimmte Richtung. Das war ein gutes Spiel, kein sehr gutes. Das können wir loben, aber jetzt geht es weiter.“ Fazit: Bloß nicht überdrehen!

Gerade einmal 90 Bundesliga-Minuten als FC-Coach hatte es gebraucht, um Sprechchöre von den Rängen zu erhalten. „Taub bin ich ja nicht“, sagte Baumgart tags darauf schmunzelnd. „Ich hänge das aber nicht hoch. Es gilt, jetzt weiterzumachen.“ Weitermachen mit dem Einimpfen seiner Spielidee bei den FC-Profis, Weitermachen mit den taktischen Feinheiten, die auch gegen Berlin noch nicht gestimmt hatten.

Bei aller Euphorie: Baumgart weiß um die Probleme

Streng genommen kassierte der FC zwei Gegentore nach Standards, das zweite war nur um Zentimeter Abseits. Dazu zeigten die ersten 30 Minuten, dass sehr viel im Baumgart’schen System von Überzeugung und Selbstvertrauen abhängt. Zu Anfang spielten die Kölner Kicker noch zu viele lange Bälle, lösten die Angriffe weder mit den richtigen Laufwegen, noch den richtigen Pässen auf. Und defensiv wirkte es so, wie man es befürchtet hatte: Die Hertha hätte durchaus auch 0:2 in Führung gehen können.

„Ein Auftaktsieg macht Spaß und macht vieles leichter. Das ändert aber nichts daran, dass wir noch viel arbeiten müssen“, sagte Baumgart, der ab Ende der ersten Hälfte ein gutes Spiel seiner Mannschaft gesehen hatte. Und genau das, was er in der Vorbereitung versucht hatte den Spielern zu vermitteln. „Wir wollen offensiver sein, aktiver sein. Das haben die Jungs gegen Berlin gut gemacht. Anfangs war noch eine gewisse Nervosität zu spüren, das ist aber normal.“

Der Baumgart-Fußball soll der Köln-Fußball werden

Diese Art des Fußballs, der „Baumgart-Fußball“, wie er aktuell rund um das Geißbockheim genannt wird, hat wenig zu tun mit den viel zitierten „Laptop-Trainern“ oder Fußballlehrern, die ihre Sportart revolutionieren wollten – auch beim 1. FC Köln. Wie Stale Solbakken, Markus Anfang oder einst Uwe Rapolder – sie alle glaubten, beim FC alles anders machen zu können. Und scheiterten letztlich aus unterschiedlichsten Gründen.

Baumgart macht es anders. Seine Idee geht grundsätzlich nur von einer sehr einfachen Annahme aus: Fußballspielern macht das Angreifen mehr Spaß als das Verteidigen. Oder in den Worten des FC-Trainers: „Ein 3:3 macht mehr Spaß als ein 0:0.“ So lässt Baumgart spielen. Laufintensiv, aggressiv und darauf aus, die Fehler des Gegners, die man selbst erzwingen will, auszunutzen. Kein Hexenwerk, sondern Gemeinschaftsarbeit.

Weil ich von meiner Idee überzeugt bin

Nur würde sich Baumgart wünschen, dass dieser Fußball beim FC bald nicht mehr nur mit seinem Namen verbunden wird. „Ich hoffe, dass wir bald vom Köln-Fußball reden.“ Der Sieg gegen die Hertha lieferte dem FC-Trainer gute Argumente für seine Arbeit. Doch die hätten ihm auch im Fall eines Unentschiedens oder einer Niederlage nicht gefehlt. „Weil ich von meiner Idee überzeugt bin“ – und weil er viele FC-Spieler bereits dafür gewonnen, wie

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