Kollektiver Jubel nach dem Sieg gegen Bochum. (Foto: Bucco)

Brutale Kölner Dominanz: Wie der FC den VfL erdrückte

Der 1. FC Köln gewinnt nicht nur gegen den VfL Bochum, er überrollt den Aufsteiger – auch wenn das 2:1 (0:0) im nackten Ergebnis diesen Eindruck nicht sofort bestätigt. Doch die Überlegenheit der Mannschaft von Steffen Baumgart war im Stadion genauso greifbar wie hinterher in jeder Statistik, die es zu finden gab. Doch auch abseits der Daten und Zahlen gab es erfrischende Erkenntnisse.

Aus Müngersdorf berichtet Marc L. Merten

Zahl des Tages: 113,8 Kilometer liefen die Spieler des 1. FC Köln am Samstag. Eigentlich gar nicht so viel, immerhin zehn Kilometer weniger als in München. Doch Bochum lief nur 107,6 Kilometer – und damit sage und schreibt 6,2 Kilometer weniger. Das ist ein halber Spieler über 90 Minuten, ein halber Skhiri. Der FC spielte also mit elf Spielern, während Bochum quasi nur mit 10,5 Spielern spielte. Und das war nur eine Zahl, die die brutale Dominanz der Geißböcke belegte.

Geschichte des Spiels: Denn die Geschichte des Spiels lässt sich anhand der Statistiken perfekt erklären. Nicht nur in der Laufleistung war der FC in einer anderen Welt unterwegs als Bochum: 22 zu 11 Torschüsse, 470 zu 199 Pässe – und trotz dieses Ungleichgewichts nur 70 Kölner Fehlpässe bei 81 Bochumer Fehlpässen. Oder anders ausgedrückt: 85 zu 59 Prozent Passquote bei 71 zu 29 Prozent Ballbesitz. Überdies gewann der FC 59 Prozent der Zweikämpfe. Kurzum: Der VfL sah am Samstag keinen Stich. Dafür war die Partie überraschend knapp. Aber nur, weil die Geißböcke ihre zahlreichen Chancen lange ungenutzt ließen.

Schmitz, Schaub, Lemperle: Wer war Spieler des Spiels?

Flankengott des Tages: Benno Schmitz. Der „kölsche Cafu“, wie er seit dem Trainingslager heißt, flankte zehn Mal in den Bochumer Strafraum, mehr als jeder andere. Schmitz spielte überragend, so gut wie noch nie im Kölner Dress. Er stand sinnbildlich für die Überlegenheit der Geißböcke und für die taktischen Vorgaben Baumgarts. Er hatte bewusst Anthony Modeste UND Sebastian Andersson aufgeboten. Dafür ließen es die Kölner Spieler Flanken regnen. Und doch brauchte es andere, um diese zu verwandeln.

Einwechslung des Spiels: In der 78. Minute nahm Steffen Baumgart seinen zweifachen Nicht-Torschützen Dejan Ljubicic vom Feld, dessen Treffer in Hälfte eins aberkannt worden waren. Für den einen Österreicher kam ein anderer: Louis Schaub. Und der Linksfuß wurde zum Matchwinner – mit rechts. Nur vier Minuten später leitete er sein 1:0 selbst ein, passte aus dem Zentrum raus auf Florian Kainz und startete dann durch. Die Flanke des dritten Österreichers im Bundes verwertete Schaub sehenswert. Wie er den Fuß in die scharfe Hereingabe hielt und den Ball ins lange Eck beförderte, war alles andere als leicht und technisch hoch anspruchsvoll. Doch dafür ist Schaub bekannt. Am Samstag zahlte sich das aus.

Spieler des Spiels: Und doch möchten wir nicht Schaub oder Schmitz, sondern Tim Lemperle zum Spieler des Spiels krönen. Denn Lemperle traf erstmals in seiner Karriere in der Bundesliga. In seinem dritten Erstliga-Spiel, in seinem vierten Pflichtspiel für die Geißböcke. Der 19-jährige hat einen riesigen Sprung gemacht in seiner Entwicklung. Er ist kein Jugendspieler mehr, kein Welpe, der ein bisschen reinschnuppern darf bei den Großen. Lemperle ist erwachsen geworden – und hat sich am Samstag selbst für diesen Karriereschritt belohnt. Im Übrigen genauso sehenswert und technisch wertvoll wie Schaub.

Debütant Ostrak, Pechvogel Meré

Debüt des Tages: Die Flanke zum Lemperle-Treffer hatte übrigens ein gewisser Tomas Ostrak geschlagen. Das Kölner Eigengewächs, zuletzt zwei Jahre ausgeliehen, wurde in der 88. Minute eingewechselt – sein Bundesliga-Debüt und Pflichtspiel-Debüt für die FC-Profis. Und Ostrak zeigte sofort, was er drauf hat. Nach einem langen Kilian-Ball nahm er die Kugel an und ging sofort ins Dribbling, zog nach innen, flankte scharf. So wie Kainz auf Schaub, nur nicht mit links, sondern mit rechts. Der perfekte Ball für einen einlaufenden Angreifer. Und so krönte Ostrak sein Debüt direkt mit einem ersten Assist.

Pechvogel des Tages: Jorge Meré machte eigentlich ein gutes Spiel. Der Spanier war an vielen Offensivaktionen beteiligt, hatte eine herausragende Passquote von 94 Prozent und in der Rückwärtsbewegung eine knappe halbe Stunde alles im Griff. Doch dann kam die 27. Minute, als Sebastian Polter ihn überlief und Meré den VfL-Angreifer foulen musste. Gelb! Und dann noch diese Aktion kurz vor der Pause, als Meré nach vorne dribbelte, sich den Ball zu weit vorlegte, grätschte – und nur mit Glück nicht mit Gelb-Rot vom Platz flog. So war die Partie für den Innenverteidiger in der Halbzeit vorbei, zugunsten seines Konkurrenten Luca Kilian, der seine Sache in Hälfte zwei gut machte. Pech für Meré, Glück für Kilian. Dabei hätte sich Meré gegen Bochum mit einer guten Leistung über 90 Minuten durchaus festspielen können.

Darum ist die Tabelle schon so wichtig

Fehlschuss des Tages: Es waren keine fünf Minuten gespielt, da war klar, wie der FC zum Torerfolg kommen wollte. Warum es da aber nicht schon 1:0 stand, wusste niemand. Meré hatte Schmitz über rechts steil geschickt. Der Rechtsverteidiger hatte mustergültig flach in den Fünfmeterraum gepasst. Sebastian Andersson am kurzen Pfosten verpasste, doch Anthony Modeste kam herangerauscht. Das musste das 1:0 sein, der Franzose stand mittig vier Meter vor dem Tor, Manuel Riemann im Bochumer Kasten war bereits geschlagen. Doch Modeste traf zum Entsetzen aller nur den linken Pfosten.

Die Tabelle: Als Michael Trippel die Tabelle nach Spielschluss verlas, stand der 1. FC Köln mit sechs Punkten aus drei Spielen auf Rang vier. Doch welche Geschichte erzählt eine Tabelle schon nach drei Spieltagen? Es ist die Geschichte eines gelungenen Starts in die Saison. Etwas, das den Geißböcken in den letzten drei Bundesliga-Jahren 2017/18, 2019/20 und 2020/21 nicht gelungen war. Der FC hatte stets sofort unter Druck gestanden, nicht gepunktet, viel verloren. Der Klub war genauso wie die Trainer ins Schlingern geraten. Eine Entwicklung, die sich kaum aufhalten ließ. Und so sind diese sechs Punkte nach drei Spielen und der damit verbundene Tabellenplatz sehr wohl von großer Bedeutung.

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