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Enttäuschung als Zeichen für das neue Selbstverständnis


Mit dem 1:1 waren sie am Ende alle halbwegs zufrieden: Der 1. FC Köln und der SC Freiburg haben sich nach intensiven 90 Minuten die Punkte geteilt. Letztlich waren es der Pechvogel des Tages sowie eine unglückliche Entscheidung von Schiedsrichter Harm Osmers, die den FC um zwei Punkte brachten. So war die Enttäuschung beim FC hinterher trotzdem spürbar. Die Lehren des Spiels. 

Aus Freiburg berichtet Marc L. Merten 

Geschichte des Spiels: Es war zwar nicht die ganz große Revanche für die beiden Niederlagen samt 1:9 Toren gegen den SC Freiburg in der vergangenen Saison. Dennoch hatte der 1. FC Köln am Samstag im Breisgau nichts mehr mit jener Mannschaft zu tun, gegen die sich die Elf von Trainer Christian Streich im Januar und Mai noch so spielerisch leicht getan hatte. Im Gegenteil: Wäre da nicht der unnötige Platzverweis von Florian Kainz und das bittere Eigentor von Rafael Czichos gewesen, der FC hätte seinen überhaupt erst vierten Bundesliga-Sieg im Breisgau eingefahren.

Spieler des Spiels: Einen erheblichen Anteil daran hätte dann auch Anthony Modeste gehabt. Wenn auch dem FC nicht die erhoffte Revanche gelingen wollte, dürfte das Spiel zumindest für den Torjäger eine Genugtuung gewesen sein. Bei der 0:5-Pleite am 9. Januar hatte Modeste das erste und einzige Mal in der vergangenen Saison in der Startelf der Kölner gestanden und war gemeinsam mit seinen Teamkollegen untergegangen. Mit seinem dritten Tor im vierten Spiel zeigte Modeste nun aber einmal mehr: Der Franzose ist zurück.

Pechvogel des Tages: „Hätte er den Fuß zwei Zentimeter höher gehabt, hätte er ihn geblockt“, sagte Steffen Baumgart zum Eigentor von Rafael Czichos in der 89. Minute. Zur Wahrheit gehört aber leider: Czichos hatte den Fuß nicht zwei Zentimeter höher, sondern genau in dem Winkel gestellt, der den Ball unhaltbar für Timo Horn unter der Latte einschlagen ließ und dem FC so zwei Punkte kostete.

Die Tabelle: Wer sich um 16.10 Uhr am Samstagnachmittag die Bundesliga-Tabelle angeschaut hatte, dürfte seinen Augen kaum getraut haben. Hinter dem VfL Wolfsburg auf Platz 1 stand nicht etwa der FC Bayern München oder der BVB, sondern der 1. FC Köln. Durch die Führung der Geißböcke sowie dem zwischenzeitlichen Remis zwischen Dortmund und Leverkusen standen die Geißböcke auf Rang 2 der Tabelle. Doch dies war freilich nur eine schöne Momentaufnahme. Nach dem Schlusspfiff rutschten die Kölner noch fünf Plätze nach hinten. Doch nach der letzten Saison, als der FC nach vier Spieltagen mit nur einem Punkt auf dem 16. Platz lag, möchte man sich angesichts der kaum veränderten Mannschaft selbst jetzt noch die Augen reiben.

Pfiff des Spiels: Sicherlich hätte sich Florian Kainz in der 74. Minute mit der Gelben Karte im Gepäck nicht provozieren lassen dürfen. Dass der Österreicher nach einem Gehake im Mittelfeld den Ball nicht sofort freigab, war nur wenig clever und für die Mannschaft ein Bärendienst. Was aber auch nicht unerwähnt bleiben darf, ist die Aktion von Kevin Schade, der den aufstehenden Kainz von hinten mit einem harten Schubser zu Boden beförderte. Eine Aktion des eingewechselten Freiburger Youngster am Rande der Tätlichkeit. Harm Osmers beließ es bei Gelb für beide, was für Kainz Gelb-Rote hieß. Schades Jubel darüber wenige Sekunden später offenbarte dessen Intention.

Zitat des Tages: „Es war schon schwer gegen diese Freiburger mit elf Mann zu verteidigen. In Unterzahl wurde es in diesem Kessel hier dann aber richtig schwer. “ (Timo Horn)

Zahl des Tages: 530. So viele FC-Fans hatten sich am Samstag auf den Weg nach Freiburg gemacht. Es wären freilich mehr gewesen, wenn es die Corona-Bestimmungen zugelassen hätten. Doch erstmals seit dem 6. März 2020 durften Kölner Anhänger ihre Mannschaft wieder zu einem Auswärtsspiel in der Bundesliga begleiten.

Erkenntnis des Spiels: Jonas Hector brachte es nach der Partie auf den Punkt: „Wenn wir das, was wir in der ersten Halbzeit gemacht haben, auch Anfang der zweiten Hälfte umgesetzt hätten, dann hätten wir noch mehr vom Spiel gehabt.“ Der 1. FC Köln wirkt zu Beginn der neuen Saison zwar schon enorm gefestigt, hat es in Freiburg aber nicht geschafft, seine starke Leistung aus dem ersten Durchgang in die zweite Hälfte zu transportieren. Es gehört aber auch zum neuen Selbstverständnis der Kölner, sich mit einem 1:1 in Freiburg nicht mehr zufrieden zu geben. Der späte Gegentreffer, so verdient er am Ende auch war, wirkte fast schon wie ein Rückschlag für den FC. Und das, wohlgemerkt, in Unterzahl und bei einem Gegner, gegen den es im vergangenen Jahr noch neun Stück gehagelt hatte.

11 Kommentare
  1. Truebe Tasse sagte:

    Vergleiche zur Vorsaison klingen gut, sind aber absolut nichts wert. Zur Einordnung der 0 Punkte und 1:9 Tore in der Vorsaison zählt nämlich auch, dass beim Rückspiel der VAR wesentlich zu dieser Bilanz beigetragen hat. Würde man immer Parallelen zur Vorsaison ziehen, könnte man auch das 0:0 gegen Berlin mit dem 3:1 oder die beiden Bayern-Spiele heranziehen. Aber was hilft es? Nichts! Liest sich nur gut. Trotzdem ist der diesjährige FC mit dem letztjährigen nicht mehr vergleichbar. Markus Ostrowski sagte es gestern auf Radio Köln: in diesem Jahr verteidigt der FC im Durchschnitt 37m vor dem eigenen Tor. Letztes Jahr waren es 4m weiter hinten.

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  2. Martin Duda sagte:

    Ich glaube eso wäre angebracht sich gefühlsmäßig nicht zu weit nach oben zu schrauben. Die Fallhöhe wird sonst wieder zu groß wenn es dann mal ein wenig hakt.
    Ruhe bewahren und Kirche im Dorf lassen.
    Ausser dem Sieg gegen Hertha sind zur Zeit noch keine wirklichen „Bonuspunkte“ eingefahren worden

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  3. Gerd1948 sagte:

    Nicht nur für das gestiegene Selbstverständnis. Man hat wieder Bock, man hat Hunger auf Erfolg, man hat Lust sich mehr zu quälen weil sich schnell mit Siegen der Erfolg einstellt. Alles gute Zeichen. Die MANNSCHAFT gewinnt und verliert zusammen, deswegen ist es hier derzeit auch völlig deplatziert sich wieder an einigen Spielern oder Situationen aufzureiben. Dass die Mannschaft schon vieles von dem, was der Trainer möchte umsetzt, zeigte alleine die Tatsache, dass Baumgart sich in Halbzeit 1 fast vollständig auf das Beobachten des Spiels konzentriert hat, ohne großartig was rein zu rufen. Wir dürfen und wir sollten uns hier einfach mal mehr freuen nach den Jahren, wo uns die Lust auf Fußball mitunter entwöhnt wurde, erst durch die Auftritte der Mannschaft, dann zusätzlich durch die Pandemie .

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  4. Norbert Furmanek sagte:

    Martin ! Du verkennst die Lage. Wie hat der FC in der alten Saison gespielt und was spielt er jetzt ? Ein verdammt großer Unterschied ! Und es macht Spaß zuzusehen ! Unter Gis war das doch unansehnlich. Und was für Bonuspunkte erwartest du ? Ist doch egal wie und wo die Punkte herkommen. Je mehr 3er umso besser. Was nützt ein gutes Spiel ( Bayern ) wenn keine Zähler eingefahren werden.

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  5. Martin Duda sagte:

    Sollte nicht als Miesepeter Kommentar gemeint sein. Mir macht das z.Z auch absoluten Spaß und ich will auch nicht sagen, daß wir die 7 Punkte nur glücklich eingefahren hätten. Ich meine nur, daß man sich zum jetzigen Zeitpunkt noch kein „abschließendes“ Urteil erlauben kann, ob das jetzt selbstverständlich so stabil weiter geht. Ich hoffe es natürlich. Ich bin echt gespannt wie wir gegen Leipzig auftreten.

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    • Hans Wurst sagte:

      Leipzig sehe ich nicht als Gradmesser, gegen die kann man schnell mal unter das Messer geraten und sich eine derbe aniederlage einfangen – wovon ich momentan fast ausgehe.
      Wichtiger sind die Spiele gegen Graupen Fürth, Frankfurter Würstchen und Hoffnungslosheim. 3 Punkte sind die Vorgabe, alles darüber ist Kür!
      Wie Gerd oben wunderbar treffend geschrieben hat: in der ersten HZ war unser Trainer laufstark aber ruhig. Somit haben die Spieler im Sinne des Trainers alles sehr gut gelöst.

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