Eckhard Sauren am Mitglieder-Stammtisch zur Investoren-Frage. (Foto: 1. FC Köln / Julius Zimmermann)

In welcher Welt will der 1. FC Köln konkurrenzfähig sein?

Am Sonntag hat der 1. FC Köln über die Investoren-Frage diskutiert. Der FC-Vorstand hatte zu einem Mitglieder-Stammtisch in die Halle Tor 2 geladen. Über 200 Mitglieder kamen. In großer Diskussionsrunde kam es lediglich zum Austausch der ewig gleichen Argumente. Vizepräsident Eckhard Sauren und zwei Gäste trugen jedoch dazu bei, eine Grundlage für künftige Diskussionen zu schaffen.

Köln – Die Haltungen sind bekannt. Der FC-Vorstand, der Mitgliederrat und die Vertreter des Südkurve e.V. stehen einem potentiellen Anteilsverkauf beim 1. FC Köln ablehnend gegenüber. Um dies zu erfahren, brauchte es daher eigentlich keinen Mitglieder-Stammtisch und keine Podiumsdiskussion inklusive Fragen der Anwesenden.

Was es jedoch brauchte, und das lieferte der Nachmittag in der Halle Tor 2, war eine Grundlage an Informationen und Fragestellungen, mit denen sich der 1. FC Köln und seine weit über 110.000 Mitglieder in Zukunft befassen können. Geladen hatten die FC-Verantwortlichen dazu zwei Wissenschaftler: Professor Christoph Breuer von der Sporthochschule sowie Professor Chris Anderson von der London School of Economics. Sie steckten, zusammen mit Finanzexperte Eckard Sauren, den inhaltlichen Rahmen ab.

1. Systematische Überinvestitionen

Den Anfang machte Breuer. Der Sportökonom erklärte das „Rattenrennen“ im Fußball, den „ruinösen Wettbewerb“ mit „systematischen Überinvestitionen“ und einer „Sieg-Maximierung statt einer Profit-Maximierung“. Ein Business also, in dem tendenziell zu viel investiert wird, nicht auf maximalen Gewinn hingewirtschaftet wird, sondern Grenzen überschritten und verschoben werden, um Spiele und Meisterschaften zu gewinnen oder Abstiege zu verhindern.

Ein in sich tendenziell ungesunder Wirtschaftskreislauf, von dem 1. FC Köln seit Jahrzehnten ein Liedchen singen kann. „Die Klubs müssen immer mehr Geld in die Hand nehmen, um sportlich nach vorne zu kommen“, erklärte Breuer. Auch, weil die Prämien in den europäischen Wettbewerben die nationalen Wettbewerbe verzerren und es für immer mehr Klubs nahezu unmöglich machen, oben anzuklopfen – es sei denn, sie investieren über ihr gesundes Maß oder holen sich Investoren ins Boot.

2. Wirtschaftliche Renditen?

Breuer überraschte mit einer Erkenntnis aus der Forschung. „Fußballinvestoren streben in der Regel keine wirtschaftliche Renditen an, sondern soziale und gesellschaftliche Renditen, wie zum Beispiel Ansehen.“ Anders ausgedrückt: Die Aussage, die auch FC-Präsident Werner Wolf am Sonntag erneut tätigte, wonach Investoren immer einen Teil des Kuchens in Form vom Geld zurückhaben wollen, ist laut aktueller Fußballforschung zumindest mehrheitlich falsch.

Allerdings machte Breuer auch klar, dass sich Investoren zwar in der Regel „positiv auf den sportlichen Erfolg auswirken, aber auch zu riskanteren Investitionen führen“, was wiederum zu einer größeren Kluft zwischen finanziellen Aufwand und sportlichem Ertrag führe. Zumindest, und das betonte Breuer ebenfalls, wenn die Gelder von Investoren in Spieler gesteckt würden. Anders sehe das aus, wenn die Gelder aus Anteilsverkäufen in die Strukturen der Klubs gesteckt werden. Alles sei also eine Frage der Mittelverwendung.

3. Mezzanine als „Königsweg“

Eckhard Sauren setzte daran an und sprach über die unterschiedlichen Investorenmodelle in der Bundesliga. Dabei erläuterte er die Unterschiede zwischen Liquidität, Fremdkapital und Eigenkapital und erklärte, warum sich der 1. FC Köln in der Corona-Pandemie gegen einen Anteilsverkauf und für „Mezzanine-Kapital als Königsweg entschieden habe. So habe man Eigenkapital gewonnen zu unüblich niedrigen Zinsen und von Partnern, die „mit dem Herz am FC hängen“ und dem Klub hätten helfen wollen.

4. Bielefeld als Option für den FC?

Anschließend sprach Präsident Werner Wolf im Gespräch mit Moderator Christoph Biermann unter anderem über das Modell von Arminia Bielefeld. Dort hatte das „Bündnis Ostwestfalen“, ein Zusammenschluss von insgesamt elf lokalen Unternehmen, die Arminia 2017 vor der Insolvenz bewahrt und das Stadion für den Klub gekauft.

Wolf erklärte, diese Lösung habe „Charme“, denn „keiner der elf Partner hat eine dominante Rolle, die Mitglieder haben das Sagen und in den sportlichen Bereich darf nicht hinein geredet werden“. Er nannte die Lösung „spannend“, betonte aber auch: „Das ist intelligent gemacht, aber es bleiben Investoren.“ Bielefeld gehört zu den elf der 18 Erstligisten, die entweder schon Anteile verkauft haben, die 50+1-Regel ausgehebelt haben oder Werksklubs sind, für die diese Regel nicht gilt.

5. Investoren für Infrastruktur?

Ein immer wiederkehrendes Thema war am Sonntag das Geißbockheim. Während die Frage nach einem Stadionkauf und -ausbau nicht erläutert wurde, machte Vizepräsident Carsten Wettich jedoch die Tür auf für eine separate Gesellschaft für die Infrastruktur-Projekte des 1. FC Köln: den Ausbau des Geißbockheims und des Stadions. „Investoren reinzuholen, um Löcher zu stopfen, wäre das Falsche“, erklärte der Jurist. Sehr wohl sei es aber eine Option, Anteile an einer Betreibergesellschaft zu verkaufen, an der sich auch der 1. FC Köln beteiligt.

6. „Wer sind wir und wo wollen wir hin?“

Die womöglich entscheidende Frage stellte am Sonntag der Londoner Professor Chris Anderson. Der FC-Fan war per Video dazugeschaltet und mahnte, die Diskussion um Investoren nicht rein „ideologisch“ zu führen. „Wenn es ums Geld geht, sollte man den Kopf einschalten.“ Und dazu gehöre, sich die zentrale Frage zu stellen: „Wer sind wir und wo wollen wir hin? Welchen Wettbewerb wollen wir als 1. FC Köln annehmen und was brauchen wir dafür, um darin zu bestehen? Das ist eine Grundsatz-Entscheidung, und je nach dem braucht man dafür Kapital von Investoren.“

Der 1. FC Köln muss sich also in Andersons Augen entscheiden, in welcher Liga und auf welchem Niveau der FC künftig mitspielen wolle. Der Wirtschaftswissenschaftler betonte auch: „Der Fußball ist anders geworden, als er einmal war. Das muss man nicht schön finden, aber man muss es akzeptieren.“ Und auch, wenn der FC – wie es Werner Wolf ausdrückte – „diesen Wahnsinn nicht mitmachen“ wolle, bliebe dann eben doch die Frage: Was will der 1. FC Köln?

7. Top Ten in Deutschland ohne Investoren

Der Vorstand hat diese Frage in seiner Strategie beantwortet. Wolf betonte noch einmal am Sonntag: „Wir wollen unter die Top Ten in der Bundesliga, und das ohne Investoren.“ Wettich ergänzte, der FC wolle ein „Vorreiter“ in gesundem Wirtschaften werden und sich auf diese Weise ohne fremde Hilfe in der Bundesliga etablieren. „Wenn wir so wirtschaften würden wie Freiburg, hätten wir ganz andere Möglichkeiten.“

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